| Der
sozialistische Wiederaufbau
Der demokratische Neuanfang
nach 1945 manifestierte sich in der Neustadt vor allem in der Umbenennung
zahlreicher Straßen. Es handelte sich nicht um eine Rückbenennung
hier zeigten sich die Nazis entgegen ihrer sonstigen Gepflogenheiten
relativ sparsam - vielmehr wurden nun deutsche und internationale
Revolutionäre, Kommunisten und Widerstandskämpfer gegen das Dritte
Reich auf diese Weise geehrt. Den beiden Urvätern der kommunistischen
Lehre widmete man die Königstraße, die zur Friedrich-Engels-Straße
wurde, sowie den Kaiser-Wilhelm-Platz, der nun Karl-Marx-Platz hieß
(ursprünglich wie auch heute wieder Palaisplatz). Die Heinrichstraße
bekam den Namen von Rosa Luxemburg, Karl-Liebknecht allerdings blieb
weitab der Neustadt, in Hellerau.
Außer an Persönlichkeiten
erinnerten manche Straßennamen aber auch an
Ereignisse, so wie die zur "Straße der Befreiung" umgetaufte
Hauptstraße. Der Name "Einheit" gemeint ist die
Einheit der Arbeiterklasse wurde gleich dreimal vergeben,
für den Albertplatz ("Platz der Einheit"), die Albertstraße
("Straße der Einheit") sowie die Albertbrücke ("Brücke
der Einheit").
Als erste der zerstörten
Elbbrücken konnte die Albertbrücke bereits 1946 in Betrieb genommen
werden, noch im gleichen Jahr ebenfalls die Marienbrücke. 1949 folgte
dann unter der neuen Bezeichnung "Georgi-Dimitroff-Brücke"
die altehrwürdige Augustusbrücke. Als Verbindung über die Elbe fehlte
jedoch weiterhin die Carolabrücke; bei ihr waren fast sämtliche
Brückenbögen gesprengt worden, so daß eine Wiederherstellung einem
Neubau gleichkam.
Nachdem bis Mitte
der fünfziger Jahre die Trümmerflächen in Dresdens Innenstadt abgeräumt
waren, begann man mit dem Wiederaufbau in der Altstadt. Erst später
kam auch die Neustadt an die Reihe, da hier die Zerstörungen weniger
großflächig waren. Im Bereich westlich der Straße der Befreiung
hatte der Alltag zur Normalität zurückgefunden Geschäfte
öffneten wieder, Kneipen und Cafés.
Als erster Neubau
entstand in den Jahren 1963-65 an der Wigardstraße das 10-geschossige
Lehr- und Forschungsgebäude mit anschließendem Hörsaal für die neugegründete
Pädagogische Hochschule.
Die Ruine der benachbarten Dreikönigsschule
wurde in veränderter Architektur wiederaufgebaut und als Institutsgebäude
ebenfalls der Hochschule angegliedert.
Als Folge
einer auf das Automobil orientierten Stadtplanung auch hier
wollte der Osten dem Westen nicht nachstehen erhielt Dresden
Ende der sechziger Jahre seine große Nord-Süd-Achse. Sie führt vom
Hauptbahnhof entlang der Leningrader (Petersburger) Straße, überquert
mit einer neuen Spannbetonbrücke
(damals benannt nach dem ehemaligen Bürgermeister Dr. Rudolf Friedrichs)
die Elbe an Stelle der kriegszerstörten Carolabrücke, und setzt
sich in der Neustadt in der Straße der Einheit (Albertstraße) bis
zum Platz der Einheit (Albertplatz) fort. Am Carolaplatz (damals
namenlos) erfolgte die Anlage eines großen Verkehrskreisels; auch
die Köpckestraße wurde bis zum Japanischen Palais mehrspurig ausgebaut.
1969 erfuhren die Leser
der Sächsischen Zeitung in einer Sonderbeilage von dem durch das
"Politbüro des Zentralkomitees der SED" abgesegneten Plan
zur Umgestaltung des Dresdner Stadtzentrums. Er sah neben weiteren
Neubauten in der Altstadt die Prager Straße war bereits im
Bau vor allem für das Gebiet der Inneren Neustadt weitreichende
Veränderungen vor. Die Straße der Befreiung und der Neustädter Markt
sollten zur Fußgängerzone werden; die meisten der noch erhaltenen
Häuser abgerissen und durch Neubaublocks ersetzt werden. Der Turm
der Dreikönigskirche war als Monument für den Erhalt vorgesehen,
das Kirchenschiff hingegen nicht. Vom Albertplatz zum Neustädter
Bahnhof sollte sich die Fußgängerachse in gleicher Weise
mit etwa 10-geschossiger Bebauung fortsetzen, ebenfalls unter
Opferung noch vorhandener Gebäude (einschließlich des Hochhauses
am Albertplatz).
Glücklicherweise wurden
in der von Mangelwirtschaft geplagten DDR Vorhaben nie termingerecht
ausgeführt. So bekamen die kritischen Stimmen Zeit, Argumente zu
sammeln und vorzubringen, und in einem zähen Ringen mit den Politbürokraten
eine Änderung der Planungen zu bewirken.
Die barocken
Bürgerhäuser in der Straße der Befreiung blieben erhalten; sie wurden
nun stilecht rekonstruiert. Mit eingeschlossen war der Wiederaufbau
der Dreikönigskirche. Die in den siebziger Jahren ausgeführten Neubauten
am Neustädter Markt und im südlichen Teil der Straße der Befreiung
passten sich in ihren Dimensionen den vorhandenen Bauten an. 1979
wurde die Fußgängerzone in einem offiziellen Akt anläßlich des 30.
Jahrestages der DDR eingeweiht; gleichzeitig ein Fußgängertunnel
vom Neustädter Markt zur Augustusbrücke. In dem Gebiet östlich der
Straße der Befreiung setzten sich die Betonfetischisten durch; hier
verschwand die historische Struktur völlig. 10-geschossige Wohnblocks
umrahmen einen riesigen Innenhof, ganz im Gegensatz zur kleinteiligen
Gliederung, die über die Jahrhunderte gewachsen war.
Im nördlichen Teil
der Straße der Befreiung, am Albertplatz und in der Albertstraße,
klafften nach fast vierzig Jahren noch immer die Lücken des Krieges.
Hier entstanden erst Mitte der achtziger Jahre neue
Gebäude, Plattenbauten zwar, jedoch für damalige Verhältnisse
mit einem hohem Maß an gestalterischem Bemühen und mit großzügigen
Erdgeschoßzonen für Handel und Gastronomie.
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