Geschichte >>> Die Geschichte der Inneren Neustadt
Kriegszeit und Zerstörungen

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahre 1933 wurde die alte Residenzstadt Dresden Hauptstadt des neugegründeten "Reichsgaues Sachsen". Dieser Aufgabe entsprechend entstanden bald, wie für die meisten Großstädte Deutschlands seinerzeit auch, Planungen zur Umgestaltung der Innenstadt. Sie erreichten jedoch nicht jenes Ausmaß, wie sie den Ausbau der "Kultstätten" des Deutschen Reiches – Berlin als "Welthauptstadt Germania", Nürnberg als "Stadt der Parteitage", München als "Zentrum der Bewegung" – betrafen.

Als Kern der Umgestaltung von Dresden sollte am Hygienemuseum das "Gauforum" entstehen. Als weitere Maßnahme war die Neugestaltung des Neustädter Elbufers (Königsufer) vorgesehen. Zusätzlich zu den vorhandenen Ministerien sollten weitere Partei- und Verwaltungsbauten des Dritten Reiches das Elbensemble vervollständigen. Statt des Blockhauses (dieses wurde inzwischen als Wehrmachtsbibliothek genutzt) hätte eine gewaltige Freitreppe zur Elbe hinabgeführt; auch an einen Tunnel zwischen Altstadt und Neustadt, dessen Rampen auf dem Neustädter Markt angelegt werden sollten, wurde gedacht.

Ende der dreißiger Jahre begann der Bau des "Gauforums"; nach Kriegsbeginn fand eine drastische Reduzierung der Arbeiten daran statt, mit den anderen geplanten Vorhaben wurde gar nicht erst angefangen. Die Kriegsmaschinerie band alle Kapazitäten an Menschen und Material, neben der Rüstungsproduktion spielte in den deutschen Städten auch der Bau von Luftschutzanlagen eine bedeutende Rolle – allerdings kaum in Dresden.

Während in Hamburg, Berlin und anderen Städten West- und Mitteldeutschlands um 1940 die ersten Hochbunker errichtet wurden, tat sich in der sächsischen Metropole wenig zum Schutz der Bevölkerung. Die Naziführer in Dresden – allen voran Gauleiter Mutschmann – vertrauten dem international hohen Ansehen Dresdens als Kunststadt Europas. Sie fühlten sich auch sicher auf Grund der großen Entfernung zur Front im Westen, von wo aus die meisten Luftangriffe gegen deutsche Städte geflogen wurden.

Doch die Front rückte näher und mit ihr die anglo-amerikanischen Bomber. Im Oktober 1944 geriet auch das Dresdner Stadtgebiet unter Beschuß, zuerst nur auf Altstädter Seite. Die Innere Neustadt trug dann bei einem Angriff am 16. Januar 1945 Schäden davon, aber nur an vereinzelten Gebäuden auf der Rähnitzgasse. Knapp einen Monat später verlor die Dresdner Bevölkerung – die bis dahin noch scharenweise zu den getroffenen Häusern pilgerte – jegliche Illusion, ihre Stadt könnte vor der Zerstörung des Krieges bewahrt bleiben. Die Bombennacht des 13. Februar 1945 sowie die an den beiden folgenden Tagen durchgeführten Angriffe radierten das Zentrum Dresden aus – gründlich.

Der für den ersten Nachtangriff vom britischen Bomberkommando festgelegte Zielsektor umfaßte im wesentlichen den Bereich der historischen Altstadt. Doch trotz der genauen Peilung verfehlten einige Bomben ihr Ziel, so daß auch Teile der Inneren Neustadt in Flammen aufgingen. Betroffen waren hierbei die Häuserviertel beiderseits der Albertstraße (mit dem Zirkus Sarrasani) sowie die an der Elbe liegende Bebauung (s. Foto).

Bei dem zweiten Nachtangriff in den frühen Morgenstunden des 14. Februar orientierten sich die Piloten im wesentlichen an der brennenden Innenstadt und entledigten sich dort ihrer Bombenlast, so daß weitere Schäden für die Innere Neustadt ausblieben. Auch die Tagangriffe der Amerikaner am 14. und 15. Februar blieben ohne nennenswerte Folgen für das Viertel. Erst am 2. März brachte ein neuerlicher Angriff amerikanischer Bomberverbände – sie flogen diesmal entlang der Elbe – erneut Zerstörung im Südteil der Inneren Neustadt. Hierbei wurde das Japanische Palais, daß vorher nur mittlere Schäden aufwies, durch Sprengbomben bis auf die Außenmauern zerstört.

Trotz der enormen Zerstörungen und der hohen Verluste unter der Dresdner Bevölkerung - von der moralischen Verfassung der Überlebenden ganz zu schweigen – wurde die Stadt im März 1945 zur Festung erklärt. Panzergräben wurden rings um das Stadtgebiet ausgehoben; die Elbbrücken – sie überstanden die Bombardements - durch Panzersperren gesichert. Am 17. April fielen letztmalig Bomben auf Dresden, im wesentlichen jedoch auf Altstädter Seite.

Mit dem Vorrücken der Roten Armee, die sich von Osten her der Stadt näherte, wurde der Kampf nun am Boden entschieden. Die russischen Truppen, die am 7. Mai 1945 Radebeul sowie die nördlichen Stadtteile Dresdens erreicht hatten, bereiteten sich für den 8. Mai auf die Einnahme der Innenstadt vor. Am Morgen dieses Tages sprengten zurückziehende Truppen der Wehrmacht alle Elbbrücken im Innenstadtbereich (einschließlich der Eisenbahnbrücke neben der Marienbrücke). Eine Auswirkung auf den Kriegsverlauf hatte diese Maßnahme nicht mehr; noch am 8. Mai kapitulierte die "Festung" Dresden.

Der Krieg hinterließ spürbare Schäden in der Neustadt. Sämtliche Verkehrswege über die Elbe waren unterbrochen, der historische Kern um den Neustädter Markt zerstört, desweiteren Teile der Bebauung an der Hauptstraße sowie im östlichen Teil an der Albertstraße (s. Foto). Weitgehend intakt blieben nur die Häuser an der Königstraße sowie in der Umgebung der Rähnitzgasse.

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