Geschichte >>> Die Geschichte der Inneren Neustadt
Kunst und Kultur

August der Starke ließ bei der barocken Anlage der "Neuen Königstadt" der Kunst – vor allem der baulichen – einen hohen Stellenwert zukommen. Das künstlerische Leben entfaltete sich bei Hofe, wozu der sächsische Regent beispielsweise die Freianlagen des Japanischen Palais in einen Lustgarten umwandelte. Die nichtadligen Bevölkerungsschichten hingegen blieben davon weitgehend ausgeschlossen. Erst mit dem Erstarken des Bürgertums erfaßte Kunst und Kultur im 18. Jahrhundert größere Kreise in der Bevölkerung.

In die Epoche des Biedermeier – die in der Innenarchitektur und der Möbelbaukunst ihren stärksten Ausdruck fand - fiel in der Dichtungskunst die Strömung der Romantik. Im Haus des Malers Gerhard von Kügelgen auf der Hauptstraße Nr. 13 trafen sich seit 1808 bedeutende Vertreter der romantischen Schule; zu den Gästen gehörten u.a. sein Malerkollege Caspar David Friedrich, die Dichter Heinrich von Kleist und Christian Gottfried Körner. Letzterer wohnte nur ein paar Straßen weiter, in der Fischergasse, später Körnerstraße. Auch hier trafen sich die Künstler; daran erinnerte das 1875 eingerichtete Körnermuseum. Am Ort des 1945 zerstörten Gebäudes befindet sich heute ein Gedenkstein.

Als Ersatz für das Körnermuseum entstand in den ehemaligen Wohnräumen der Familie Kügelgen 1981 das Museum zur Dresdner Frühromantik, das in einem Teil der Ausstellung auch die historische Entwicklung der Inneren Neustadt beschreibt.

Eine authentische Schilderung des Alltags im Viertel zu Beginn des 19. Jahrhunderts beschreibt Karl Gustav Nieritz in mehreren seiner Jugendgeschichten. Der einst populäre Volksschriftsteller, 1795 in der Inneren Neustadt geboren (und hier 1876 auch gestorben), war ein Zeitgenosse des Malers Ludwig Richter. Während die Bilder von Richter immer noch bekannt sind, liegt das Schaffen von Nieritz heutzutage weitgehend im Verborgenen. An den Schriftsteller erinnern in der Inneren Neustadt dafür die Nieritzstraße (ehemals Birkengasse) sowie das an der Einmündung dieser Straße in die Theresienstraße aufgestellte Nieritzdenkmal.

Die Dresdner Theaterlandschaft war jahrhundertelang bestimmt durch die Hoftheater, wechselnder Bühnen, die mit der Semperoper schließlich ein festes Haus gegenüber dem Residenzschloß erhielten. Erst später gründeten sich auch Privattheater, wie das Alberttheater am Albertplatz (s. Kapitel Äußere Neustadt). Hierher gingen die Bewohner der Neustadt. Eine weitere Möglichkeit bestand im Besuch der Tonhalle auf der Glacisstraße. Eigentlich schon in der Äußeren Neustadt gelegen – die Glacisstraße bildet die Grenze – orientiert sich das 1753 als Gaststätte "Goldene Brezel" eröffnete Konzerthaus allerdings mehr zur Inneren Neustadt hin. 1945 fand hier die Wiederaufnahme des Theaterbetriebes im zerstörten Dresden statt; seitdem dient das Gebäude als "Kleines Haus" des Staatsschauspiels Dresden.

Ähnlich wie mit den Theatern verhielt es sich bei den Museen. Die bedeutenden Kunstschätze, die August der Starke und seine Nachfolger aus aller Welt heranschaffen ließen, fanden ihren Platz im Zwinger, der Gemäldegalerie und dem Albertinum, alle in der Nähe des Hofes gelegen. Außer dem Japanischen Palais, das bei seiner Erweiterung im 18. Jahrhundert eigentlich zum Porzellanmuseum ausgebaut werden sollte (stattdessen wurde es als Bibliothek genutzt, siehe Kapitel Regierungsviertel), blieb die Museumslandschaft außerhalb der Neustadt. Erst das bereits beschriebene Körnermuseum bildete einen bescheidenen Anfang.

Die 1897 gegründeten volkskunstlichen Sammlungen sind seit 1913 in dem als "Deutsches Volkskundemuseum" ausgebautem Gebäude des Jägerhofes (siehe Kapitel Altendresden) öffentlich ausgestellt. 1945 ausgebrannt, öffnete das Museum 1950 bereits wieder seine Pforten.

Weitere Museen entstanden nach dem Krieg. Das Japanische Palais war nach seinem Wiederaufbau – die Landesbibliothek hatte inzwischen andere Räume gefunden – für eine neue Nutzung frei. Es dient seit 1952 als Museum für Völkerkunde sowie als "Landesmuseum für Vorgeschichte"; letzteres wurde lange Zeit jedoch nur durch Sonderausstellungen repräsentiert.

Eine Unterhaltung anderer Art bot der Zirkus Sarrasani. 1912 ließ sich Hans Stosch-Sarrasani mit seinem 1902 gegründetem Zirkusunternehmen in der Neustadt nieder und errichtete auf dem ehemaligen Kasernengelände im östlichen Teil einen gewaltigen Kuppelbau auf kreisförmigen Grundriß. Das 4000 Personen fassende Gebäude – es befand sich an der Westseite der Albertstraße, nördlich des Carolaplatzes – wurde auch für Veranstaltungen anderer Art genutzt, z.B. fand hier 1918 die Ausrufung der Räterepublik statt. Nach der Zerstörung im Februar 1945 wurde es 1950 abgetragen; heute erinnert nur noch die Sarrasanistraße (sie wurde erst Anfang der achtziger Jahre angelegt) an den ehemaligen Zirkus.

Mit dem Wiederaufbau der Straße der Befreiung (Hauptstraße) Ende der siebziger/ Anfang der achtziger Jahre ging auch eine Reaktivierung des Kulturbetriebes einher. Das "Podium" auf der heutigen Hauptstraße 11 entstand als Kleinkunstbühne, seit wenigen Jahren ergänzt durch das "Societätstheater" im Hof der Hauptstraße 19. Auf der Rähnitzgasse, im Haus Nr. 8, etablierte sich die "Galerie Rähnitzgasse", die schon zu DDR-Zeiten überregionale Bedeutung besaß.

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