Geschichte >>> Die Geschichte der Inneren Neustadt

Das Regierungsviertel

In den neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts rückte ein Teil der Neustadt wieder in den Blickpunkt des Interesses, der fast vierzig Jahre kaum von Bedeutung war – das Regierungsviertel. Zu DDR-Zeiten wurde die Politik in Berlin entschieden; der Bezirk Dresden besaß nur wenig eigenen Befugnisse. Die SED, das eigentliche Machtorgan im Staate, richtete ihre Bezirksverwaltung hinter der Semperoper, auf Altstädter Seite ein.

Dabei ist die Geschichte des Regierungsviertels in der Neustadt schon mehr als 150 Jahre alt. Nach dem Wiener Kongreß 1815, bei dem ein großer Teil der Landesfläche an Preußen abgegeben werden mußte, konstituierte sich der sächsische Staat neu und gab sich die erste Verfassung. Ministerien wurden geschaffen, die untergebracht werden mußten. Da die Altstadt schon von den verschiedenen Besitzungen des sächsischen Hofes sowie von städtischen Behörden durchsetzt war, wich man auf die andere Elbseite aus. In das Blockhaus (siehe Kapitel Barockzeit) zog 1831 das Sächsische Kriegsministerium ein, im gleichen Jahr fand auch das Justizministerium neue Räume in dem Barockbau auf der Großen Meißner Straße 15. Dessen wechselvolle Vergangenheit reicht noch weiter zurück als die des Blockhauses.

1693 erbaut, befand sich ab 1734 darin die königliche Kanzlei. Mehr als hundert Jahre lang wurden in dem Gebäude dann die Geschicke der sächsischen Justiz bestimmt; die Dresdner nannten es ehrfurchtsvoll "Regierung". Nach dem Zweiten Weltkrieg diente es weiter als Wohnhaus, verfiel aber zusehends. Schließlich sollte die "Regierung" abgerissen werden, um Platz zu machen für den Neubau des Hotels Bellevue. Doch unerwarteterweise gab es massive Proteste, sowohl von offiziellen Stellen (dem Amt für Denkmalpflege) als auch aus der Bevölkerung. Schließlich fand man einen – äußerst gelungenen - Kompromiß und integrierte das bestehende Gebäude als Mitteltrakt in den Hotelneubau.

Doch zurück ins 19. Jahrhundert. Für das Finanzministerium enstand 1890-96 der Solitärbau an der Elbe, westlich der Carolabrücke. Östlich daneben, hinter der Brückenauffahrt, wurde kurze Zeit später ein noch gewaltigeres Gebäude, das "Sächsische Gesamtministerium" fertiggestellt. Es konzentrierte den überwiegenden Teil der Landesministerien und dominiert mit seinem turmartigen Mittelbau seitdem die Neustädter Elbsilhouette.

Außer den Ministerien befanden (und befinden) sich weitere Einrichtungen des sächsischen Staates in der Neustadt. 1786 bezog die "Kurfürstliche Bibliothek", aus der später die Sächsische Landesbibliothek hervorging, das Japanische Palais. Die Sammlungen erreichten bis zur Jahrhundertwende (1900) einen Bestand an 400.000 Bänden, 3000 Handschriften und 20.000 Landkarten. Während des Krieges ausgelagert, sind sie seitdem in einem ehemaligen Kasernengebäude in der Albertstadt (siehe Kapitel Militär der Äußeren Neustadt) untergebracht.

1911 bis 1915 wurde zusätzlich noch das Sächsische Staatsarchiv in die Neustadt verlegt. Das Gebäude – es wird immer noch zu diesem Zweck genutzt – befindet sich an der Albertstraße, zwischen den Einmündungen der heutigen Paul-Schwarze-Straße und der Archivstraße.

Mit Beginn des 20. Jahrhunderts hatte das Regierungsviertel feste Formen angenommen. Daran änderte auch die Naziherrschaft nur wenig, wenn auch die Geschicke des "Reichsgaues Sachsens", wie es nun hieß, von der Machtzentrale des Dritten Reiches direkt geleitet wurden.

Nach dessen Untergang fand die demokratische Neuordnung einen verheißenden Anfang; in den Ministerien entstanden Pläne zum Wiederaufbau des Landes. Doch damit war abrupt Schluß im Jahre 1952, als die Länder in der sowjetischen Besatzungszone aufgelöst und die 15 Bezirke der DDR gegründet wurden.

In dem Gebäude des Gesamtministeriums befand sich nun der "Rat des Bezirkes"; das in vereinfachter Form wiederaufgebaute Finanzministerium bezog die Bezirksbehörde der "Deutschen Volkspolizei". Eine Verwaltung ganz neuer Art kam hinzu, die Kommandantur der sowjetischen Streitkräfte für das Gebiet Dresden. Diese Militärbehörde – in den Räumen des ehemaligen Amtsgerichtes in der Hospitalstraße untergebracht – schirmte sich nach außen weitgehend ab; so wurde es noch stiller um das Regierungsviertel.

Einschneidende Veränderungen brachte dann das Jahr 1990. Der wiedererstandene sächsische "Freistaat" – wie er nun offiziell heißt – führte das Gesamt- und das Finanzministerium wieder ihren ursprünglichen Nutzungen zu (die dafür notwendigen Sanierungsmaßnahmen – dem Finanzminiserium setzte man z.B. sein originales Dach wieder auf – dauerten bis Ende der neunziger Jahre an). Der Sächsische Landtag tagte anfangs ebenfalls in der Neustadt in der wiederhergestellten Dreikönigskirche, bevor er 1994 in die umgebaute ehemalige SED-Zentrale auf der anderen Elbseite wechselte.

In der freigewordenen sowjetischen Kommandantur fand das Justizministerium seinen Platz; das Bildungsministerium bezog einen erst Ende der achtziger Jahre fertiggestellten Neubau der inzwischen "abgewickelten" Pädagogischen Hochschule an der Albertstraße. Ein Mitte der neunziger Jahre durchgeführter Wettbewerb sieht eine umfassende Neugestaltung des Regierungsviertels vor; einige Bauten am Carolaplatz und der Wigardstraße wurden inzwischen schon realisiert.

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