| Der
Neustädter Bahnhof
1835 verkehrte die
erste deutsche Eisenbahn zwischen Nürnberg und Fürth in Bayern.
Der Erfolg dieser Strecke auf königliche Veranlassung erbaut
- weckte Begehrlichkeiten bei anderen Herrschaftshäusern, so auch
am sächsischen Hof. Der König von Sachsen wollte in seinem Staat
dem neuartigen Verkehrsmittel ebenfalls eine Chance geben, wohl
auch, um der Unzufriedenheit des erstarkenden Bürgertums (s. Kapitel
Industrielles Zeitalter) ein positives Zeichen des Fortschrittwillens
entgegenzusetzen. Ein übriges tat die Anwesenheit des Eisenbahnpioniers
Friedrich List in Dresden, der schon ein ganzes Netz von solchen
Bahnen auf dem Papier konzipiert hatte, und sich vehement für deren
Umsetzung einsetzte.
Als Strecke
bot sich die Verbindung zwischen den beiden sächsischen Metropolen,
Dresden und Leipzig, an. Dabei wurden ingenieurtechnische Meisterleistungen
vollbracht; bei Riesa entstand eine Elbbrücke und bei Niederau sogar
ein Tunnel im sonst ebenerdigen Gelände (der Tunnel, wohl eher der
höfischen Prestigesucht wegen angelegt, wurde hundert Jahre später
abgetragen). Auf eine zweite Elbüberquerung im Dresdener Raum verzichtete
man aber (vorerst); so blieben die Züge auf Neustädter Seite.
Nachdem
schon 1837 der erste Abschnitt im Leipziger Raum in Betrieb genommen
wurde, fand am 7. April 1839 die Eröffnung der kompletten Strecke
statt. Der "Leipziger
Bahnhof" in Dresden lag westlich der Inneren Neustadt,
außerhalb der ehemaligen Festungsanlagen. An seiner Stelle befindet
sich heute die Güterabfertigung Dresden-Neustadt, von den originalen
Gebäuden ist leider nichts mehr erhalten. Sie wurden noch im 19.
Jahrhundert durch Neubauten ersetzt und erweitert.
Nur wenige Jahre
nach Eröffnung der Strecke nach Leipzig kam die sogenannte "Schlesische
Bahn" Dresden Görlitz Breslau hinzu, die ihren
Anfang ebenfalls in der Neustadt nahm. Der "Schlesische
Bahnhof" befand sich östlich des Leipziger Bahnhofes, am
heutigen Schlesischen Platz. Der erste Zug fuhr von hier am 17.
November 1845 bis Radeberg.
Die Eröffnung
der "Böhmischen Bahn" auf Altstädter Seite führte zu dem
Wunsch, die vorhandenen Eisenbahnstrecken miteinander zu verknüpfen.
Im Zuge der neuen Marienbrücke
wurde die Elbe überquert und eine zweigleisige Verbindung zwischen
den beiden Neustädter Bahnhöfen und dem Böhmischen Bahnhof auf der
anderen Elbseite geschaffen (1852 fertiggestellt).
Mit der Zunahme
des Verkehrs machten sich bald immer mehr Engpässe im Durchgangsverkehr
zwischen der Neustadt und der Altstadt bemerkbar; darum wurde eine
Neuordnung der Dresdener Eisenbahnen notwendig. Kern der Umgestaltungen,
die 1890 begannen und sich bis 1901 hinzogen, war der viergleisige
Ausbau der Verbindungsstrecke. Dabei wurde neben die vorhandene
Marienbrücke eine ebenfalls viergleisige, parallel verlaufende Eisenbahnbrücke
errichtet; der bisherige kombinierte Straßen-/ Eisenbahnverkehr
dafür aufgegeben. Es entstanden zwei große Personenbahnhöfe; der
Hauptbahnhof an Stelle des Böhmischen Bahnhofes südlich der Altstadt,
sowie der Bahnhof Dresden-Neustadt, der die Aufgaben des Leipziger
sowie des Schlesischen Bahnhofes übernahm. Gleichzeitig wurde die
Schlesische Bahn, die bisher im Straßenniveau verlief, im bebauten
Gebiet hochgelegt, und für die Leipziger Bahn eine neue Strecke
gebaut, die bereits nördlich des Neustädter Bahnhofes niveaufrei
in die Schlesische Bahn einmündete (s.
Foto).
Der Bahnhof
Dresden-Neustadt, direkt auf dem Gelände des alten Schlesischen
Bahnhofes errichtet, wurde am 1. März 1901 eröffnet. Die dreischiffige
Halle verfügt über insgesamt vier Bahnsteige mit vier Durchgangsgleisen
in jeder Richtung. Sie verlaufen etwa sechs Meter über Straßenniveau.
Ihnen östlich vorgelagert befindet sich ebenerdig die Empfangshalle,
von der aus zwei parallele Tunnel zu den Bahnsteigen führen. Zum
Schlesischen Platz hin öffnen sich zwei Ausgänge, die in der Fassade
des Gebäudes durch mächtige Bogenfenster und weit ausladende Vordächer
besonders betont sind. Links und rechts der Eingangshalle schließen
zahlreiche Nebenräume an. Auf der Südseite etablierten sich mehrere
gastronomische Einrichtungen; ein Billigmarkt sorgt neuerdings für
enormen Zulauf auch von Nicht-Reisenden. Kaum bekannt ist heutzutage
die Tatsache, daß auf der Nordseite, wo heute die Diensträume der
Eisenbahner untergebracht sind, in den zwanziger Jahren das "Sächsische
Eisenbahn-Museum" eingerichtet wurde, das dort bis zum Ende
des Zweiten Weltkrieges blieb.
Die Bombenzerstörungen
1945 hielten sich in Grenzen; lediglich das Bahnhofsvorfeld bekam
einige Treffer ab. Von den nach dem Krieg vielerorts vorgenommenen
Gleisdemontagen blieb der Bahnhof Dresden-Neustadt ebenfalls verschont;
er wurde zum wichtigen Knotenpunkt für die Züge, die mit Reparationsgütern
in die Sowjetunion fuhren.
Zu DDR-Zeiten blieb
der Bahnhof von Bedeutung für den Personenverkehr. Alle Schnellzüge
Richtung Leipzig und Berlin hielten, vom Hauptbahnhof kommend, auch
in Dresden-Neustadt. Auch nach der "Wende", mit der Anbindung
Dresdens an das Intercity-Netz, änderte sich daran nichts. Nur der
ICE macht noch immer einen Bogen und fährt stattdessen über Dresden-Friedrichstadt;
die baulichen Anlagen im Bereich des Neustädter Bahnhofes müssen
erst dessen größerem Lichtraumprofil angepaßt werden.
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