Geschichte >>> Die Geschichte der Inneren Neustadt

Die barocke Neugestaltung

Im Jahre 1694 übernahm Prinz Friedrich August den Thron von seinem Bruder, Kurfürst Johann Georg IV. Unter der Regie des neuen Monarchen wurde Dresden zur Residenzstadt pompös ausgebaut. August "der Starke", dem zahlreiche Bauten in der Altstadt, wie der Zwinger, die Frauenkirche oder die Brühlsche Terrasse zu verdanken sind, blickte dabei auch über die Elbe. Besonders ins Auge stach ihm das 1717 für einen holländischen Gesandten errichtete "Holländische Palais"; er ließ es abkaufen und von dem Baumeister Pöppelmann zu einem Lustschloß umgestalten (durch seine eigenwillige Dachform erhielt es dann seinen jetzigen Namen: "Japanisches Palais").

Um dem Palais das passende städtebauliche Umfeld zu geben, wurde das nach der Brandzerstörung mitten im Wiederaufbau befindliche Altendresden nun mit einer neuen Planung bedacht. Diese übernahm wichtige Elemente des Entwurfes von Klengel. Als wesentliche Neuerung kam aber zusätzlich zur heutigen Hauptstraße eine zweite Achse hinzu – die Verbindung vom Japanischen Palais zum Lausitzer Tor (die Königstraße, 1732 angelegt).

Die Kirche, deren Beibehaltung am alten Standort Klengel hatte zähneknirschend hinnehmen müssen, wurde nun an den Straßenrand verlegt; der alte Bau endgültig abgerissen. Die Blickachse war jetzt frei und sollte ganz auf den südlichen Abschluß ausgerichtet sein, wo als städtebauliche Dominante ein gewaltiger Obelisk geplant war. Tatsächlich erbaut wurde aber nur der Sockel; jahrelange Diskussionen über Größe und Form des Obelisken ließen das Bauwerk unvollendet bleiben. Nachdem dann das Reiterstandbild August des Starken an seinem heutigen Platz (seit 1736) aufgestellt war, fand man den Obelisken dahinter nicht mehr passend. Der bereits ausgeführte fünfbogige Sockel erhielt 1747 ein weiteres Geschoß sowie ein Dach und bekam eine neue Verwendung als "Neustädter Wache" (der auch geläufige Name "Blockhaus" bezieht sich auf den Vorgängerbau).

Das in die Mitte des Neustädter Marktes gerückte Reiterdenkmal – sein Platz war einst neben der Brückenauffahrt, gegenüber dem Obelisken vorgesehen – verlor etwas in seiner majestätischen Wirkung durch das benachbarte, an der Ostseite des Marktes stehende alte Rathaus. Dieses wurde darum ebenfalls – wie schon die Kirche – an eine andere Stelle verlegt. Der barocke Neubau (1752 fertiggestellt) befand sich am Beginn der Hauptstraße, in die Häuserzeile der Westseite integriert. Die Bebauung der neuen Magistrale entstand nach den Prinzipien des italienischen Barock mit drei Normalgeschossen, einem Zwischengeschoß (in den Seitengassen mit einem Stockwerk weniger) und einem aufgesetzten Mansarddach. Die Häuserfluchten sollten als Einheit wirken, darum wurde auch der Turm der Dreikönigskirche an die Rückseite (Richtung Königstraße) gelegt und die Form des Kirchenschiffes den benachbarten Bürgerhäusern angepaßt. Der Kirchenbau, entworfen von Pöppelmann, konnte 1739 eingeweiht werden; die Vollendung des Turmes zog sich bis Mitte des 19. Jahrhunderts hin.

Der alte Friedhof östlich der Hauptstraße wurde eingeebnet; an seiner Stelle entstand eine Kaserne für die Soldaten, deren bisherige Einquartierung bei den Altendresdener Bürgern für zunehmende Unzufriedenheit sorgte. Vorsorglich wurden zusätzliche Flächen im Osten für das Militär freigehalten, auf denen in späteren Jahren weitere Kasernen hinzukamen (das betrifft das Areal beiderseits der heutigen Albertstraße, nördlich des Carolaplatzes).

Die nach dem Dreißigjährigen Krieg begonnene Verstärkung der Festungsanlagen wurde unter August dem Starken ab den dreißiger Jahren des 18. Jahrhunderts in großem Stil fortgesetzt. Ein System aus mehreren Verteidigungsringen sollte sich um die Stadt legen; wäre der Ausbau in vollem Umfange erfolgt, hätte das gesamte Gebiet der heutigen Äußeren Neustadt nur noch aus Wällen und Gräben bestanden. Mit dem inneren Befestigungsgürtel – etwa dem Straßenverlauf Hospitalstraße (dann südlich am Albertplatz vorbei) und Theresienstraße folgend – wurden auf Neustädter Seite auch neue Stadttore angelegt (die ältere Vorgänger ersetzten). Neben dem bereits erwähnten Lausitzer oder Schwarzen Tor am Nordende der Hauptstraße befand sich im Westen an der Leipziger Straße das Meißnische bzw. Weiße Tor, am entgegengesetzten Ende, im Osten das Jägertor, sowie zur Elbe hin das Badertor, südwestlich des Neustädter Marktes.

Ab den vierziger Jahren des 18. Jahrhunderts wichen die barocken Ausdrucksformen in der Architektur dem Rokoko; die Fassaden erlangten klarere Strukturen durch flachere Vorlagen, Gewände und Gesimse. Vor allem in der Königstraße finden sich mehrere Beispiele davon; die Gebäude weisen eine fast schon klassizistische Strenge auf.

Die "Neue Königstadt" – so der offizielle Name nach dem Wiederaufbau; später verkürzt auf "Neustadt" - bestand im Jahre 1755 aus 227 Häusern, in denen 6672 Personen lebten. Die Folgen des Brandes waren überwunden, die Einwohnerzahl hatte sich mehr als verdreifacht. Aus der mittelalterlichen Kleinstadt wurde ein respektabler Teil von Dresden. Den Intensionen von August dem Starken ist es zu verdanken, daß sich die sächsische Metropole, anders als andere Städte an bedeutenden Strömen, wie Köln, Hamburg oder Frankfurt, beiderseits des Wassers entwickelte. Die Elbe bildete hier keine Barriere, sondern wurde integraler Bestandteil der Stadtlandschaft.

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