Geschichte >>> Die Geschichte der Äußeren Neustadt

Die Äußere Neustadt 1945

Die flächenhafte Zerstörung, wie sie die Altstadt, die Innere Neustadt sowie die südlichen und östlichen Stadtteile Dresdens erlebten, blieb der Äußeren Neustadt 1945 glücklicherweise erspart. Aber auch sie trug Schäden davon. Noch heute finden sich in fast jeder Straße Baulücken, die durch den Krieg entstanden sind.

Der erste Angriff, bei dem das Viertel in Mitleidenschaft gezogen wurde, geschah bereits am 16. Januar 1945, also knapp einen Monat vor der eigentlichen Zerstörung der Stadt. US-amerikanische Bomber, die ursprünglich die Rüstungsbetriebe in Ruhland in der Niederlausitz angreifen sollten, flogen auf Grund des dortigen schlechten Wetters als Zweitziel Dresden an. Sie näherten sich von Norden und überquerten das Stadtgebiet in westlicher Richtung. Neben dem Hechtviertel, das größere Zerstörungen (besonders im oberen Teil) erlitt, wurden auch einige Häuser in der Umgebung der Feuerwache Louisenstraße getroffen (siehe Foto).

Während des ersten Nachtangriffes am 13. Februar – ein weiterer sollte folgen – wurde das Zielgebiet, die Altstadt, von den englischen Bomberpiloten präzise getroffen. Nur im Norden wichen einzelne Flugzeuge bis zu einem Kilometer von ihrer vorgesehenen Route ab. Dadurch geriet auch die Äußere Neustadt, vor allem in ihrem südlichem Bereich, unter Beschuß. Ohne Folgen für den Stadtteil blieben hingegen der zweite Nachtangriff, sowie die an den beiden folgenden Tagen durchgeführten Angriffe der Amerikaner. Zwei englische Flugzeuge gingen in der Neustadt zu Boden, neben der am Albertplatz abgestürzten Maschine eine weitere in der Nordstraße.

Am 02. März 1945 fielen erneut Bomben auf den Stadtteil, diesmal im Norden. Nach den Schrecken der Zerstörungen vom Februar wurden diese Angriffe von der Bevölkerung jedoch kaum noch wahrgenommen. Letztmalig flogen am 17. April 1945 amerikanische Bomberverbände über Dresden, hierbei wurde die Gegend westlich der Königsbrücker Straße, zwischen Anton- und Lößnitzstraße, in Mitleidenschaft gezogen.

Die Äußere Neustadt galt nie als direktes Angriffsziel, diese lagen in der Nachbarschaft: die Altstadt, die Gleisanlagen des Neustädter Bahnhofes sowie die Kasernen der Albertstadt. Darum erfolgten auch die Einschläge im Viertel relativ wahllos; verursacht durch Kursabweichung oder zu früh bzw. zu spät ausgeklinkte Bomben. Etwas anders sah es südlich der Bautzner Straße aus, wo die Abwürfe in einer Dichte erfolgten, daß zahlreiche Verluste an Häusern, vor allem aber an Menschen zu beklagen waren. Zwischen Tieckstraße und Rosengarten wurde ein Großteil der Gebäude zerstört; auch die Diakonissenanstalt im Osten blieb nicht verschont. Ihr gegenüber, an der Einmündung der Prießnitzstraße in die Bautzner Straße, befindet sich heute ein Gedenkstein. Er erinnert an jene Opfer der Nacht des 13. Februar, die im Café Schiller, das sich an der Ecke befand, den Tod fanden (der Stein wurde in privater Initiative von einem der Überlebenden dort aufgestellt).

Im Kerngebiet der Äußeren Neustadt ist die Zahl der Treffer südlich der Louisenstraße etwas höher als nördlich von ihr. Vor allem an der Alaunstraße waren größere Schäden zu verzeichnen. Die nördliche Bebauung am Albertplatz wurde vollständig zerstört; mit ihr der Artesische Brunnen (er wurde erst in den neunziger Jahren wieder aufgebaut). Auch das Alberttheater ("Theater des Volkes") ging in den Flammen auf. Schwer getroffen wurde die Kreuzung Louisenstraße/ Alaunstraße, südlich davon die beiden Turnhallen des Neustädter Turn- und Sportvereins, sowie die ihnen gegenüberliegende Straßenbebauung (siehe Foto).

Besonders oft traf es die Eckhäuser, wie z.B. an der Förstereistraße/ Jordanstraße, auf der Böhmischen Straße an beiden Enden, an der Alaunstraße Ecke Sebnitzer Straße, Kamenzer Straße Ecke Bischofsweg oder Martin-Luther-Straße Ecke Bautzner Straße. Ganze Häuserzeilen fehlen heute an der Königsbrücker Straße zwischen Katharinenstraße und Louisenstraße, an der Böhmischen Straße an Stelle des heutigen Spielplatzes sowie am Bischofsweg, östlich der Kamenzer Straße. Zu Schäden an Industriebetrieben kam es auf der Görlitzer Straße (in dem Hof zur Kamenzer Straße) sowie zwischen Alaunstraße und Königsbrücker Straße.

Oftmals blieben die getroffenen Häuser vor größeren Schäden bewahrt, indem die Hausbewohner selbst versuchten, das Feuer zu löschen. Bei Brandbombeneinschlägen wurden meist nur das Dach und die oberen Geschosse beschädigt. Diese Häuser konnten später wiederaufgebaut bzw. mit einem Notdach versehen werden (Beispiele hierzu finden sich an der Louisenstraße 48 Vorderhaus, sowie an der Kamenzer Straße 42). Manchmal blieb auch nur das Erdgeschoß stehen, es wurde später weiter gewerblich genutzt.

Größer als die eigenen Schäden wirkte sich die Zerstörung der anderen Stadtteile auf die Äußere Neustadt aus. Zehntausende Obdachlose flüchteten in die noch intakten Wohngebiete, meist zu Verwandten, was zu einer enormen Überbelegung der Wohnungen führte. Den Flüchtlingen wurden vorübergehend leerstehende Gewerbeeinheiten zugewiesen, nach dem Krieg entstanden daraus dann Wohnungen. Aber auch Kasernen der Albertstadt, wie die ehemalige Kavalleriekaserne westlich der Eisenbahn, baute man zu Wohnhäusern um.

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