Geschichte >>> Die Geschichte der Äußeren Neustadt

Das Militär in der Antonstadt

Die Verlegung des Königlich-Sächsischen Schützenregimentes "Prinz Georg" von Leipzig nach Dresden im Jahre 1869 machte den Bau einer neuen Kaserne notwendig. Die Wahl fiel auf ein Gelände oberhalb des seit 1841 als Exerzierübungsgelände vorhandenen Alaunplatzes. 1871 wurde die neue "Schützenkaserne" eingeweiht. Noch während ihres Baus beschloß das Kriegsministerium, alle Dresdner Garnisonen, die bis dahin veraltete Anlagen vor allem in der Altstadt nutzten, in einer neuen Kasernenstadt nördlich der Antonstadt zu vereinigen. 1873 erfolgte die Grundsteinlegung für die ersten Gebäude; bis 1879 war der erste Bauabschnitt (dies betrifft den überwiegenden Teil der Kasernen) fertiggestellt. Die neue "Albertstadt", benannt nach König Albert von Sachsen (1828-1902), erstreckte sich entlang der ebenfalls neu angelegten Heerstraße, die westlich der Königsbrücker Straße den Namen Prinz-Georg-Allee, östlich davon - nach der aus Schweden stammenden Frau von König Albert - den Namen Carola-Allee erhielt (heute heißt der gesamte Straßenzug Stauffenbergallee). Das Tal der Prießnitz wird auf einer 20 Meter hohen Sandsteinbrücke, der Carolabrücke, überquert.

Die Albertstadt gehörte als selbständiger Gutsbezirk nicht zu Dresden, sondern war direkt dem Königreich (Land) Sachsen unterstellt (erst 1945 erfolgte die Eingemeindung). Stationiert wurden anfangs fünf Regimenter und zwei Bataillone. Ab 1894 kamen zwei weitere Regimenter hinzu; die baulichen Anlagen mußten im Laufe der Jahre mehrfach erweitert werden. Außer den Kasernen entstanden noch zahlreiche andere Bauten, so die Reitanstalt, das Proviantamt (mit der Heeresbäckerei), die Munitionsanstalt, die Militärstrafanstalt, das Kadettenhaus, das Garnisonslazarett sowie das Kriegsarchiv an der Marienallee (heute das Stadtarchiv). Zusätzlich besaß die Abertstadt ein eigenes Postamt und ein Wasserwerk. Besonders erwähnt werden soll das Arsenalgebäude von 1876/77 am heutigen Olbrichtplatz. Es übernahm die Sammlungen des alten Dresdner Zeughauses (Albertinum); daraus entwickelte sich das Königlich-Sächsische Armeemuseum. Nach 1945 als "Stadthalle" für zivile Zwecke, insbesondere Ausstellungen genutzt, erfolgte 1972 die Wiedereröffnung als "Armeemuseum der DDR". Seit 1990 wird es als "Militärhistorisches Museum Dresden" weitergeführt.

Zwischen 1895 und 1900 entstand die Garnisonskirche als sogenannte "Simultankirche" für die verschiedenen Glaubensrichtungen, 1902 wurde der Garnisonsfriedhof am nördlichen Ende der Marienallee angelegt. Die Kirche trug im Zweiten Weltkrieg zwar keine größeren Schäden davon, wurde aber nicht weiter für Gottesdienste genutzt. In einen Teil der Kirchenräume zog ein Musikstudio ein, dazu noch die Phonothek der Sächsischen Landesbibliothek.

Wie wirkte sich nun die Anlage der Albertstadt auf die Entwicklung der Antonstadt aus? Während die Soldaten in den Kasernen wohnten, bekamen die oberen Ränge – ab dem Offizier aufwärts – eigene Wohnungen oder Häuser. In diesem Zusammenhang entstand das "Preußische Viertel" östlich der Antonstadt. Es erhielt seinen Namen auf Grund der Tatsache, daß viele Vorgesetzte in der sächsischen Armee aus Preußen stammten (Preußen hatte bekanntlich eine lange militärhistorische Tradition und somit die meisten Erfahrungen auf dem Gebiet der Kriegführung). Sie ließen ihre Häuser im preußischen Stil bauen. Andere, die mit ihren Familien Wohnungen bezogen, quartierten sich vorzugsweise am Bischofsweg ein. Die dort errichteten Häuser an der Südseite des Alaunplatzes bekamen aufwendige Fassadengestaltungen; auch die Grundrisse fielen etwas großzügiger aus als anderswo in der Äußeren Neustadt (siehe Foto).

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges mußten entsprechend dem Versailler Vertrag die meisten der Kasernen geräumt werden. Die Schützenkaserne übernahm die Polizei, andere Gebäude wurden an Betriebe vermietet (daraus entwickelte sich später das Industriegelände entlang der Königsbrücker Straße). Trotzdem blieben auch Einheiten der Reichswehr in der Albertstadt stationiert, 1926 zog zusätzlich die Infanterieschule aus München hierher. Viele der Verschwörer vom 20. Juli lernten sich in den zwanziger Jahren während ihrer Dresdner Dienstzeit kennen, so Graf Schenk von Stauffenberg, Olbricht und von Witzleben. Mit Hitlers Wiedereinführung der Wehrpflicht und der beginnenden Aufrüstung nahm auch die Militarisierung der Albertstadt erneut zu.

Die Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges trafen auch Teile der Albertstadt, darunter die Schützenkaserne. Zu DDR-Zeiten teilten sich Sowjetarmee und NVA die verbliebenen Kasernen, auch die Dresdner Bereitschaftspolizei hatte (und hat immer noch) hier ihren Sitz. Einen Teil der Gebäude an der nördlichen Marienallee nutzt die Sächsische Landesbibliothek, mittelfristig wird sie jedoch andere Räumlichkeiten in Innenstadtnähe beziehen.

Seit dem Abzug der russischen Truppen Mitte der neunziger Jahre stehen viele der Gebäude leer; der bauliche Zustand läßt sehr zu wünschen übrig. Ein Teil wurde bereits abgerissen, für andere existieren neue Nutzungskonzepte. Aus der ehemaligen Pionierkaserne am Olbrichtplatz entstand das Landesfunkhaus des MDR. Mit der Verlegung der Bundeswehr-Hochschule nach Dresden bleibt die Albertstadt als militärischer Standort aber weiter bestehen.

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