Geschichte >>> Die Geschichte der Äußeren Neustadt

"Bunte Republik Neustadt" - die Zeit nach 1989

1990 wurde zum ersten Mal die "Bunte Republik Neustadt" ausgerufen. Zu den Besonderheiten des Festes (es findet noch immer jedes Jahr statt) zählte damals die Ausgabe von eigenem Geld und die Ansprache des "Monarchen" an seine Untertanen. Der rege Zuspruch am Neustadtfest zeigte die wachsende Identifikation der Bewohner mit ihrem Stadtteil. Die Abrißpläne aus DDR-Zeiten waren vom Tisch, für die Äußere Neustadt eröffneten sich neue Perspektiven. Die alternative Kunst und Kultur, die bis dahin eher im Verborgenen agierte, suchte die Öffentlichkeit; in kurzer Zeit entstanden Galerien, Cafés und Kneipen (zu den ersten zählte das Café "Bronxx" in der Alaunstraße 64 - heute ist es bereits wieder verschwunden).

Die Partnerstadt Hamburg finanzierte kurzfristig ein Sofortprogramm zur Rettung der Häuser; Dächer wurden abgedichtet und Sicherungsmaßnahmen durchgeführt. Es erfolgte – erstmalig in Dresden – die förmliche Festsetzung eines Sanierungsgebietes. Um die Folgen der Sanierung für die Bewohner sozial verträglicher zu gestalten, entstand zusätzlich die Sanierungskommission, ein "Runder Tisch" aus Vertretern der Stadtverwaltung, der Parteien und der Interessengemeinschaft "Äußere Neustadt". Die "IG", so ihre Kurzbezeichnung, machte sich zur Aufgabe, als Sprachrohr der "Kleinen Leute" alle Interessen im Viertel zu berücksichtigen. Sie erreichte u.a., daß zahlreiche "Schwarzmieter", die durch den illegalen Bezug von leerstehenden Wohnungen so manches Haus vor dem weiteren Verfall retteten, durch Mietverträge legalisiert wurden.

Eine Stadtteilzeitung erschien, der "Anton". In monatlicher Folge wurde über die aktuelle Entwicklung in der Neustadt berichtet, über kulturelle Veranstaltungen und Einzelheiten aus der Geschichte (leider stellte der "Anton" sein Erscheinen Mitte der neunziger Jahre wieder ein). Mehrere Kulturvereine gründeten sich, so u.a. der "Reiter(in)" e.V. mit der heute noch existierenden gleichnamigen Kneipe, oder das "Projekttheater" e.V. in der Louisenstraße 47. In den Räumen einer ehemaligen Schlosserei werden eigene Inszenierungen aufgeführt oder anderen Theatergruppen Auftrittsmöglichkeiten gegeben.

Während Anfang der neunziger Jahre in Dresden, wie überall, der Bau von Bürogebäuden massiv einsetzte (in der Äußeren Neustadt vor allem an der Königsbrücker Straße, siehe Foto), begann die Sanierung der vorhandenen Häuser nur schleppend. Rückübertragungsansprüche verzögerten die geplanten Maßnahmen. Die oftmals fehlenden finanziellen Mittel konnten die neuen "alten" Eigentümer durch die Inanspruchnahme staatlicher Fördergelder ausgleichen. Als Bedingung wurde die Erhöhung des Mietpreises auf ein sozial verträgliches Maß begrenzt. Auf Grund dieser Maßnahme fand die Verdrängung der einkommensschwachen Schichten – wie von vielen Betroffenen befürchtet – nur in Ausnahmen statt.

Die "bunte" Mischung der Bevölkerung in der Äußeren Neustadt blieb bis in die Gegenwart erhalten. Hier wohnen alle nebeneinander: alte Leute, Studenten, Rechtsanwälte, Alleinstehende und Familien. Den Kindern gilt besonderes Augenmerk im Viertel. Für sie entstanden neue Spielplätze auf der Böhmischen Straße, der Sebnitzer Straße und in der Talstraße. Zwischen der Görlitzer Straße und der Kamenzer Straße befindet sich das "Panama" – der Zoo der Neustadt, mit Pferden, Schafen und Kaninchen.

Als bedeutender Anziehungspunkt im Viertel wurde Ende 1996 das Nordbad wiedereröffnet. Auch hier verhalf das Engagement der Bewohner, die mehrfach das Interesse an der Reaktivierung "ihres" Bades signalisierten, der Entscheidung zum Wiederaufbau. Das Nordbad – es war seit 1975 geschlossen – dient heute wieder als "Badewanne" für die Neustädter.

Mit der Modernisierung stieg die Wohnqualität. Verfügten vorher die meisten der Wohnungen nur über Außen-WC und Ofenheizung, so änderte sich dieser Zustand durch den Einbau von Bädern und Heizungsanlagen. Mittlerweile ist über die Hälfte aller Häuser saniert, aus manchen Ruinen entstanden wieder ansehnliche Schmuckstücke (so die fast schon weggesprengten Gebäude Sebnitzer Straße 30-34). Die Bewohner der Äußeren Neustadt, die täglich mit dem Baudreck und –lärm konfrontiert sind, werden diesen Zustand auch in den nächsten Jahren noch ertragen müssen; ein Ende der Bautätigkeit ist vorläufig nicht abzusehen.

Nach jahrelanger Suche fanden sich auf der Prießnitzstraße 18 auch geeignete Räumlichkeiten für das "Stadtteilhaus". 1998 zogen die Sanierungskommission und die "IG Äußere Neustadt" dorthin um; es entstand eine zentraler Anlaufpunkt für die Anwohner. Im Stadtteilhaus sollen später einmal auch kulturelle Veranstaltungen stattfinden.

Wer abends in die Neustadt kommt, um eine der zahlreichen "Szenekneipen" zu besuchen (mittlerweile gibt es über 60), der bekommt vom eigentlichen Charakter des Viertels nur wenig mit. Wer mehr über die Geschichte der Äußeren Neustadt erfahren möchte, dem seien die Stadtrundgänge von "Igel-Tours" besonders empfohlen. Igel-Tours widmet sich in regelmäßigen Abständen bestimmten Themen, so z.B. Industrie und Handwerk, den Juden in der Neustadt, dem Militär, Erich Kästner u.v.m.

 

 

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