Bild oben: Das Tanneberger Loch in einer Luftaufnahme, noch mit der alten Trasse. Die neue wurde nachträglich (rot) eingezeichnet. Deutlich ist zu erkennen, wie außer der Verringerung der Gefälle auch die Linienführung begradigt wurde.

Aus dem Vorland des Osterzgebirges kommend, schnitt sich das kleine Flüßchen Triebisch auf seinem Weg zur Elbe (in Meißen) tief in die Landschaft, so auch bei Tanneberg.

Dieses Tal, das sogenannte "Tanneberger Loch", ist vielen Benutzern der A 4 ein Begriff. Die enge Gegenkurve und die starken Steigungen waren oft die Ursache für Staus und sorgten für Unfälle.
Als die Autobahn in den dreißiger Jahren gebaut wurde (1937 fand die Eröffnung des Abschnittes durch das Tanneberger Loch statt), war der Verkehr noch nicht so stark, die Geschwindigkeiten nicht so hoch.

Mit dem Ausbau der A 4 bot sich nun der Ersatz der alten Trasse an; eine neue, höhergelegene Strecke entstand.


Ein weiterer Aspekt, der für die Trassenverlegung eine Rolle spielte, war die nicht unerhebliche Umweltbelastung. Einerseits war die Frischluftzufuhr im Tal beeinträchtigt, andererseits gaben vor allem LKW's besonders "Stoff", um die Steigung zu nehmen. Das Gleichgewicht des Biotopes war sichtbar gestört.

Die neue Strecke umgeht das Tanneberger Loch und führt nördlich daran vorbei. Drei Brücken, eine davon über das Tal der Triebisch, wurden neu gebaut. Sie erreichen eine beachtliche Höhe und sind in der Landschaft weithin sichtbar.

Mit der Inbetriebnahme der neuen Strecke wurde die alte Trasse zurückgebaut. Der Beton der Fahrbahnen wurden entfernt, ebenso der gesamte Unterbau. Die Brücke der die Autobahn überquerenden Verbindungstraße Tanneberg - Groitzsch wurde abgetragen und durch einen Damm ersetzt. Der Lauf der Triebisch, die unter der Autobahn hindurchführte, ist komplett freigelegt.

Die alte Autobahn in der Talsohle, kurz nach der Eröffnung in den 30er Jahren. Wo die Trasse im Hintergrund zur Linkskurve ansetzt, befindet sich direkt davor der Fotostandpunkt der Abbildung unten, gleiche Blickrichtung.


Panorama-Aufnahme im Tanneberger Loch:

Die alte Trasse ist noch erkennbar, Belag und Unterbau wurden komplett abgebaut. Der verbleibende Damm ist sich selbst überlassen, die Natur ergreift Besitz.

Für die Triebisch wurde der Damm komplett abgetragen (im Vordergrund).

Die neue, 425 Meter lange und 50 Meter hohe Triebischtalbrücke setzt Akzente in der Landschaft.



Die Triebischtalbrücke von unten.

Es ist erstaunlich, wie schnell die Natur wieder Besitz ergriffen hat von dem aufgegebenen Gelände. Nur anhand der Baumreihen ist die alte Autobahntrasse noch zu erkennen.

Unser Ausflugstipp: Per Fahrrad (von Dresden-Gorbitz über Wilsdruff oder von Meißen entlang des Triebischtales) läßt sich das Tanneberger Loch gut erreichen. Entlang der alten Autobahntrasse verläuft auf dem größten Teil ein befahrbarer Weg, Tanneberg selbst lohnt sich ebenfalls als Ausflugsziel.

 
Bild rechts:
Stillgelegte Autobahnen in Deutschland sind selten. Ein weiteres Beispiel findet sich zwischen Berlin und Potsdam. Der ehemalige AVUS-Zubringer führte nach 1961 durch Sperrgebiet und wurde in den siebziger Jahren durch eine andere Trasse ersetzt. Die alte Strecke fand nach Maueröffnung neue Verwendung als Filmkulisse, bleibt darum auch weiterhin erhalten.
Quellen: Wirtschaftsjournal Chemnitz, Ausgabe Februar '99
Historische Aufnahmen: Fotothek der SLUB (Möbius), aktuelle Aufnahmen Archiv DNO
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