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Das Gebiet der Moritzburger Straße, um 1898 (links) und 1998.

Die Moritzburger Straße gehört zum Ortsamtsbereich Dresden-Pieschen. Sie befindet sich in einem vorwiegend gründerzeitlich geprägten Gebiet. Doch ihre Geschichte ist älter und eng mit der Historie der Dresdner Neustadt verbunden.

Es begann im Jahre 1546, als Kurfürst Moritz Altendresden - die heutige Innere Neustadt - befestigen ließ. Als Ersatz für ihre Häuser, die dem Festungsbau zum Opfer fielen, erhielten die betroffenen Altendresdner Bürger neues Land vor den Toren der Stadt, auf einem Gelände zwischen der Meißner Straße und dem Bischofsweg. Die Gehöfte gruppierten sich entlang einer breit angelegten Gasse, der heutigen Moritzburger Straße.

Die neue Ansiedlung erhielt den Namen Neudorf.

Den Bewohnern wurden einige Privilegien zugestanden, sie bekamen größere Grundstücke und behielten ihre Altendresdner Bürgerrechte (weshalb sich auch der Name "Stadt Neudorf" einbürgerte). Städtisches Leben wollte sich allerdings nicht entwickeln; 200 Jahre später war Neudorf zu einer Landgemeinde geworden; die städtischen Rechte gingen verloren.

Erst nach dem Bau der Leipzig-Dresdner Eisenbahn wandelte sich der Charakter von Neudorf zu einer Industrievorstadt. Auf Neudorfer Flur entstanden Fabriken, so die Steingutfabrik Villeroy & Boch und die Drogen-Appretur-Anstalt von Franz Ludwig Gehe. 1866 erfolgte die Eingemeindung zu Dresden.

Spätestens mit Hochlegung der Eisenbahn gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Moritzburger Straße unterbrochen, der zum St.-Pauli-Friedhof führende nördliche Teil heißt heute Weinböhlaer Straße. Dafür entstand der architektonisch interessante Moritzburger Platz im Dreieck Bürgerstraße, Moritzburger Straße und Bahndamm. Hier befand sich seit 1744 das erste Schulhaus von Neudorf, das 1882 durch einen Neubau an Stelle der heutigen Schule (südlich des Moritzburger Platzes) ersetzt wurde.


Das alte Neudorf, 1898. Im Hintergrund die alte Schule.



Inzwischen abgerissene Gebäude um 1996 (oben), das Astoria an der Leipziger Straße (unten)

Gegenüber der Schule finden sich die letzten Reste einer Bebauung, wie sie für das alte Neudorf typisch war. Ansonsten prägen Bauten der Gründerzeit, der 30er Jahre und Neubauten das Bild der Moritzburger Straße.

An der Kreuzung mit der Leipziger Straße steht das "Astoria". Das Gebäude existiert seit mindestens 1857 und war wie sein Vorgängerbau, der 1619 die Schankkonzession erhielt, als Gasthof "Stadt Bremen" bekannt. 1930 wurde daraus das Lichtspielhaus "Astoria", zu DDR-Zeiten - nach weiterer langjähriger Nutzung als Kino - eine Ausweich- und Probebühne für die Staatstheater. Inzwischen saniert, wird derzeit nach einer neuen Verwendung für das "Astoria" gesucht.

Südlich der Leipziger Straße setzt sich die Moritzburger Straße Richtung Elbe fort. Das hier in der Fahrbahn verlaufende Gleis war von 1950 bis etwa Mitte der 60er Jahre in Betrieb und diente der Straßenbahn zum Abtransport von Bremssand. Der Umschlag des auf Elbkähnen angelieferten Sandes erfolgte am 1883 fertiggestellten Ausschiffungsplatz.

Die anstelle eines ursprünglichen Elbarmes liegende, ca. 8000 qm große Pflasterfläche diente außer dem Güterumschlag auch der Personenschifffahrt. Erst in den 70er Jahren gab die Weiße Flotte die Anlegestelle auf, ebenso wie die etwas weiter südlich vorhandene Fährverbindung zum Ostragehege.

Text:
J. Dudczak

Quellen:
Trachauer Bürgerzeitung Nr. 42 (Sept. 1996),
M. Schatz
(Straßenbahnmuseum Trachenberger Straße),
Herr Grundmann, Herr Schoßig
(Wasser- u. Schifffahrtsamt)

Fotos:
Archiv DNO,
K. Brendler,
SLUB


Weites Land: Der ehemalige Ausschiffungsplatz am südlichen Ende der Moritzburger Straße dient nur noch gelegentlich dem Güterumschlag

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