Die Herrenleite ist ein natürlicher Geländeeinschnitt im rechtselbischen Vorland des Elbsandsteingebirges und liegt nordwestlich von Dorf Wehlen. Sie ist Teil des durch den Kratzbach herausgebildeten Tales, zu dem weiterhin die "Alte Poste" und der Mockethaler Grund gehören. Das Tal eignet sich gut für Wanderungen, zu Fuß oder mit dem Fahrrad.

Viele Jahre jedoch war dies nicht möglich, da die Herrenleite Sperrgebiet war.

Plan links:
Die Herrenleite (rechts) in der aktuellen topographischen Karte von Pirna.

Rechts oben der gleiche Bildausschnitt in einem Autoatlas der DDR von 1975. Ob nun mit Absicht oder nur wegen des gröberen Maßstabs - die Herrenleite nicht darzustellen entsprach den Interessen der politisch Verantwortlichen.


Die schroffen Felskanten entstanden erst durch den Sandsteinabbau.

Die Geschichte der Herrenleite beginnt vor 90-95 Millionen Jahren. Zu damaliger Zeit lagerten sich am Rand des Kreidemeeres umfangreiche Sedimentschichten ab, die im weiteren Verlauf durch chemische und physikalische Prozesse zu Sandstein verfestigt wurden.

Der Abbau und die Nutzung des Sandsteines begannen in dieser Gegend vor über 1000 Jahren. Anfänglich nur als Mühl- und Schleifsteine verwendet, folgte bald auch der Einsatz als Baumaterial. Aufgrund des wachsenden Bedarfes entstanden immer mehr Steinbrüche, erst an den Elbhängen, später auch im Hinterland.

Ab ca. 1840 ist die Existenz von Steinbrüchen in der Herrenleite urkundlich belegt, obwohl mit hoher Wahrscheinlichkeit auch hier schon vorher ein Abbau betrieben wurde. Die Blütezeit der Sandsteingewinnung lag in der Zeit zwischen 1874 und dem Beginn des 20. Jahrhunderts. Gefördert wurde die Entwicklung durch den Bau der "Herrenleitebahn", einer 1901 eröffneten eingleisigen Anschlußstrecke, die den direkten Abtransport des gebrochenen Sandsteines auf dem Schienenwege ermöglichte.

Obwohl der Bedarf an Sandstein in den folgenden Jahren zurückging, war die Herrenleite weiter durch den Steinbruchbetrieb geprägt. Das änderte sich erst 1944.

Ihre Abgelegenheit machte die Herrenleite für die Rüstungsproduktion interessant. Für ein Benzinwerk und für ein Flugzeugmotorenwerk wurden Stollen angelegt. Es erfolgte aber keine Inbetriebnahme mehr. Zu Kriegsende 1945 wurden die Stollenanlagen durch die Sowjetarmee gesprengt.

Luftaufnahme der östlichen Herrenleite (im Vordergrund) vor der Silhouette des Elbsandsteingebirges, um 1933. Auf dem Gelände des im Bild sichtbaren Steinbruches entstand später das Mineralölwerk.
Ab 1946 begann im Mineralölwerk die Aufbereitung von Flugbenzin und Mineralöl. Obwohl in dem Betrieb Zivilangestellte arbeiteten, wurde das Werk militärisch bewacht.

1965 entstanden in der Herrenleite zusätzlich Lager und Labors des Staatlichen Amtes für Strahlenschutz und Atomsicherheit der DDR zur Aufbereitung und Lagerung von schwach radioaktiv strahlenden Substanzen.

Die Nationale Volksarmee, die schon seit 1975 das Gelände des Mineralölwerkes als Lager und für die Reparatur von NVA-Tanktechnik nutzte, übernahm 1983 auch die Anlagen des Amtes für Strahlenschutz. Die Stollen wurden erweitert und bis 1986 zum "Komplexlager" für militärische Ausrüstungen umgebaut.

Mit der Zunahme der militärischen Nutzung wurde der öffentliche Zugang zur Herrenleite mehr und mehr eingeschränkt. Etwa ab Mitte der siebziger Jahre war das Tal dann vollkommen gesperrt. Erst Anfang der 90er Jahre wurde die Sperrung aufgehoben. Die Bundeswehr hatte das Komplexlager von der NVA übernommen und nutzte es noch bis 1995, unter anderem zur Einlagerung von Uniformen und Munition der nicht zur NVA gehörenden militärischen Organisationen der ehemaligen DDR.

Heute sind die Stollen, nachdem sie komplett ausgeräumt wurden, massiv verschlossen.

Für das Gelände des Mineralölwerkes fand sich der Verein "Historische Feldbahn e.V." als neuer Nutzer, der hier ein Freiluftmuseum zur Ausstellung seiner historischen Fahrzeuge errichten will.


Die Eingänge zu den Stollen wurden nach Abzug der Bundeswehr zubetoniert.

Foto- u. Quellennachweis:

- D. Kutschke: Steinbrüche und Steinbecher in der Sächsischen Schweiz

Historische Fotoaufnahme: Fotothek der SLUB, W. Hahn

Aktuelle Aufnahmen von H. Koeppe und
J. Dudczak


Einer der beiden neu erschlossenen Steinbrüche
Der Sandsteinabbau, der nach 1945 in nur noch fünf Brüchen stattfand und 1969 gänzlich zum Erliegen kam, wurde wieder aufgenommen. 1993 ging der erste Steinbruch in Betrieb, 1997 folgte ein zweiter.

Für eine Wanderung bietet sich von Pirna-Copitz ausgehend die Route durch den Mockethaler Grund, die Alte Poste und die Herrenleite nach Dorf und Stadt Wehlen an.

Interessierten an der Geschichte der Steinbrüche sei das vom Stadtmuseum Pirna herausgegebene und nur dort erhältliche Buch von D. Kutschke empfohlen: "Steinbrüche und Steinbrecher in der Sächsischen Schweiz".

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