Beliebter Tummelplatz Neustädtischen Treibens bildet der am nördlichen Ende der Alaunstraße gelegene Alaunplatz. Bereits seit den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts wurde der noch Ende des 18. Jahrhunderts mit "An der Heide" benannte Platz als Exerzierplatz von der sächsischen Armee genutzt. Seine weiträumige Ausdehnung bot auch der von 1868-71 errichteten Kaserne des sächsischen Schützen-Füsilier- Regiment Nr. 108 sowie dem ab 1873 geschaffenen Kasernenkomplexes der Albertstadt ideale Möglichkeiten zur Durchführung großer Paraden, Aufmärsche und anderweitiger Festlichkeiten. In dieser Funktion erlangte der Platz ein feste Stelle im städtebaulichen Gefüge der Stadt.
Daß der Platz 1955 in "Platz der Thälmannpioniere" umbenannt wurde und erst 1990 wieder seinen frühren Namen tragen durfte, soll nicht unerwähnt bleiben.

Der Alaunplatz in einem Plan von 1898. Ausschnitt oben: Die Gedenkstätte für das Schützenregiment.

 

Der aufmerksame Beobachter wird längst den an der nördlichen Flanke von Zäunen umgebenen Bauwagen und den Grund seiner Anwesenheit bemerkt haben. Die höhergelegene segmentbogenförmige Mauer, die an der Seite zur Tannenstraße einen schalenförmigen Brunnen säumt, wurde zum Platz hin teilweise freigelegt. Hervor kommt nun, was vielen kaum bekannt war.

Unter der aufgeschütteten Böschung befinden sich große Teile einer Gedenkanlage des ehemaligen Schützenregimentes Nr. 108, dass zu Ehren zahlreicher im ersten Weltkrieg gefallener Soldaten und Offiziere von der Kameradschaft ehemaliger Schützen des Regiments gestiftet wurde.
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Die Gedenkstätte für das Schützenregiment Ende der zwanziger Jahre. Im Hintergrund die zu der Zeit von der Polizei genutzte Schützenkaserne, Südansicht.

 

Heute unter Erdmassen verborgen ist die im Jahre 1928 eingeweihte Anlage mit etwa 50 Metern Breite und circa 7 Metern Höhe von beachtlicher Größe. Die künstlerische Gestaltung, ausgeführt vom Dresdner Architekten Voretzsch, orientierte sich an den neogotischen Formen der ehemaligen Schützenkaserne. Ein zinnenbekrönter Abschluss verlieh der mauerförmigen Anlage wehrhafte Züge.

Zwölf Keramiktafeln mit den Namen der Gefallenen, hergestellt von der Firma Villeroy&Boch, erhielten ihren Platz unter einem Segmentbogenfries.

Kern der Anlage bildete ein Bronzerelief des Bildhauers Kurt Bauch, dass sich altarhaft im Bogenscheitel befand und zum Alaunplatz hin sichtbar der Gefallenen gedachte.

Bild oben:
Das Bronzerelief "Auszug des Regiments", zentraler Teil der Denkmalanlage, gestiftet vom Landesverband der ehemaligen Schützen 108.
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Bild links:
Die Schützenkaserne in den 30er Jahren, 1945 ausgebrannt und später abgebrochen.

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Von den Fliegerangriffen auf Dresden größtenteils verschont geblieben fiel die Denkmalanlage wie viele andere Denkmäler militärischen Inhalts einer "Säuberungsaktion" zum Opfer, die nach dem Befehl Nr. 30 des Alliierten Kontrollrates von 1946 durchgeführt wurde und auf eigens dafür von der Zentralverwaltung für Volksbildung ausgearbeiteten Richtlinien zur Beseitigung faschistischer und militärischer Denkmäler in der SBZ basierte.

1947 ließ man die Bronzetafel entfernen und, nach kurzer Einlagerung im Johanneum, letztlich einschmelzen. Bis 1951 überdauerte das Schützendenkmal die Zeit und wurde dann bis 1953 durch das Aufschütten einer Böschung gänzlich unkenntlich gemacht. In dieser oder in der vorangegangenen Zeit sind auch die Keramiktafeln sowie der Zinnenkranz einschließlich sächsischem Wappen abgeschlagen und der Mauerkopf verschliffen wurden.
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Text:
M. Matthes

Fotos:
Sammlung H.-P. Koch,
Fotothek der SLUB (Hahn),
J. Dudczak

Quellen:
Militärhistorischer Verein,
Stadtarchiv Dresden,
H.-P. Koch
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Es wird jedoch vermutet, dass noch Reste der mit Namen versehenen Keramiktafeln im unteren Bereich erhalten sind. Als Initiator und treibende Kraft der neuerlichen Grabungen, die im Auftrag des Kulturamtes der Stadt Dresden durchgeführt werden und letztlich Klarheit schaffen sollen, ist der Stadtgeschichtsforscher Hans-Peter Koch zu nennen, der sich um die Erforschung der Geschichte des Denkmals in besonderer Weise verdient gemacht hat und die Auffassung vertritt, dass ein solches Ehrenmal zur Identität unserer Stadt gehört.
Die Freilegung des Denkmals im August 2000. Ob tatsächlich Reste vorhanden sind, könnte bald feststehen.
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