Thema: Neustadt-Kolumne

Der durchschnittliche Neustädter und sein Mainstream-Gast

Statistiken sind was Feines. So weiß jetzt endlich jeder Neustädter, dass er sich mit über zehntausend anderen einen Quadratkilometer teilen muss. Oder dass er mit 34 schon überdurchschnittlich alt ist und als standesamtlich Getrauter zu einer Randgruppe gehört. Die Anzahl der (Kampf-)Hunde pro Haushalt wurde leider ebenso wenig erhoben wie die der Hanfpflanzen pro Hinterhof oder die der Bierflaschenträger bei 30°C.
Der Mainstream-Neustädter ist jung, Single und hat Abitur. Seine Wohnung ist zu 80% saniert, er bekommt aber nur für ein Viertel Wohngeld. Er ist total zufrieden mit der Vielschichtigkeit und dem Image als "Szeneviertel", sucht aber ständig nach einem Parkplatz und tritt ständig in Hundehaufen. So weit so gut.

Leider verrät die Ausstellung "Wirtschaftspotenziale der Äußeren Neustadt" nichts über den durchschnittlichen nächtlichen Neustadtbesucher. Daher einige Daten, die nicht empirisch erhoben, dafür aber voller Vorurteile sind:
Der zugereiste Wochenendgast kommt aus einer ostdeutschen Kleinstadt/Gemeinde (z.B. Prohlis, Weixdorf oder Steinigtwolmsdorf). Er kommt mit 3,8 Autos pro Person in die Neustadt, wobei er 23,5 Anwohner ihres angestammten Parkplatzes beraubt. Er geht in einer Nacht in 27,1 Kneipen und muss dafür 3,7-mal nach dem Weg fragen. Auf dem Heimweg hat er 3,0 Promille. Er kennt 108% aller Klamottenläden. Jedes Mal trifft er 34 Bekannte aus seinem Heimatort. Für durchschnittlich 1,9 Döner gibt er gern 7,34 € aus. Er ist aus 287, 54 Metern Entfernung wahrnehmbar (alle Werte statistisch gerundet).
Gemeinsam mit dem Einheimischen hat er die positive Bewertung seines allwochenendlichen Zieles. Auch er findet Vielschichtigkeit und Image cool. Das Parkplatzproblem löst er schon irgendwie und die Hundescheiße trocknet ja wieder. Bei solch bejahender Zustimmung steht eins fest: Er kommt wieder

Text: Falk Hensel


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