Thema: Die Waldschlösschenbrücke

Der rechtselbige Anschluß der Waldschlösschenbrücke

Die örtliche Presse faßte bereits zusammen, was erster Tagesordnungspunkt der letzten Ortsbeiratsitzung der Neustadt und am Freitag wichtiges Thema der Sitzung im Stadtrat war. Wie wird der rechtselbige Verkehrszug der geplanten Waldschlösschenbrücke aussehen?

In der Ortsbeiratsitzung am 08.11.2000 stellte die zur Planung beauftragte Entwurfs- und Ingenieurbüro Straßenwesen GmbH (EIBS) die verschiedenen und schon in zu früherer Zeit zur Diskussion gekommenen Varianten der Brückenkopfanbindung im Bereich des Waldschlösschenareals noch einmal vor.

Neben der Möglichkeit der Einbindung des Brückenverkehrs über die Radeberger Straße, die jedoch auf massiven Protest der betroffenen Bürger stieß - es formierte sich sogar eine Bürgerinitiative - überlegte man, den Verkehrsfluß nach Bühlau direkt an der Bautzner Straße einzuleiten. Dazu gab es verschiedene Planungen. Einerseits hätte man den gesamten Verkehr in alle Richtungen über eine groß angelegte Kreuzung am Brückenkopf abwickeln können, was allerdings einen erheblichen Eingriff in das Stadtbild und im weiteren durch notwendige Rampen auf die vorherrschenden Sichtbeziehungen von Süden bedeutet hätte.

Foto. Die Aufweitung der Bautzner Straße zum sogenannten"Ei"
Andererseits zeigte die EIBS Varianten der Verkehrsführung mittels Untertunnelung des sogenannten Eies an der Bautzner Straße.Der von der Brücke nach Norden fließende Verkehr würde dann unterirdisch zur Bautzner Straße hin abgeleitet werden.

Unter Berücksichtigung der Vor- und Nachteile der verschiedenen Varianten entwickelte die EIBS eine sogenannte Vorzugsvariante "3.2.b.1", bei der das östliche Nebentunnelportal in Höhe der Straße "Auf dem Meisenberg" mündet.

Plan: Variante "3.2.b.1"

Der von Bühlau kommende und die Brücke frequentierende Autostrom, den die Planer auf ca. 6000 Fahrzeuge pro Tag errechneten, müßte über einen westlich angeordneten Wender die Bautzner Straße queren und über eine Rampe zur Brücke geführt werden.

Ob diese mit 274 Mill. DM teure Vorzugsvariante, die am 10.11.2000 mit Änderungsanträgen vom Stadtrat letztlich mit Beschluss bestätigt wurde, auch realisierbar ist, wird beim Regierungspräsidium bereits argwöhnisch betrachtet. Man befürchtet nämlich weitere Schwierigkeiten mit Grundstücksbesitzern, die bei dieser Variante betroffen wären.

Foto: Bautzner Straße/ Einmündung "Auf dem Meisenberg", "Platte" der Stasi
Sollte die östliche Tunnelmündung wie beschlossen tatsächlich so weit oben angelegt werden und die mit Änderungsantrag geforderte geringe Annäherung an die nördlichen Grundstücke erfolgen, müsste die Verkehrstrasse entsprechend nach Süden hin breiter angelegt werden. Das wiederum würde einen Eingriff in die dort angrenzenden Grundstücke bedeuten.

Daß dabei der Plattenbau der ehemaligen Stasi dem Abbruch zum Opfer fällt, kann eigentlich als positiver Nebeneffekt bewertet werden. Eine Notlösung wäre die Verkürzung des Nebentunnels, die aber wiederum eine vom Denkmalschutz abgelehnte höhere Einmündung der Brücke in den Hang verlangen würde.

Foto: Bautzner Straße stadteinwärts im Bereich des geplanten Wenders
Zu den gestellten Änderungsanträgen im Stadtrat gehörte auch das Verbreitern der von Bühlau stadteinwärts führenden Fahrspur im Bereich des Wenders derart, daß die gesamte Trasse damit weiter in den Elbhang eingreifen würde und zur landschaftsgestalterischen Angleichung und Geländemodellierung weitere Kleingärten geopfert werden müßten.

Die im Bereich des Wenders befindlichen Straßenbahngleise würden auseinandergerückt und durch die vorhandene Baumreihe, die heute den Lauf der Bautzner Straße säumt, getrennt werden.

Ein direktes Einbiegen von der Brücke zur Bautzner Straße in Richtung Albertplatz ist mit der Variante "3.2.b.1" nicht möglich. Statt dessen muß dieser Verkehr, der laut Berechnung die geringste Wertigkeit besitzt, einen gehörigen Umweg in Kauf nehmen.

Neben der bereits geleisteten planerischen Arbeit sind noch zahlreiche Details zu entwickeln. Noch nicht ganz klar ist, wie die Einrichtung der Bushaltestelle im Brückenkopfbereich aussehen soll, denn die Schadstoffbelastung an der Tunneleinmündung wird als zu hoch bewertet. Auf einen Zickzacklauf müssen sich die Fußgänger und Radfahrer einstellen, die vom Waldschlösschenareal zur Elbwiese wollen. Die Einhaltung einer 6%igen Längsneigung bedingt eine serpentinartige Anlegung der Fußwege im Hangbereich. Letztlich positiv bleibt, daß die Bemühungen der Bürgerinitiative zur Abwendung des Verkehrs über die Radeberger Straße erfolgreich waren. Im Ringen um eine vernünftige Lösung stellt die Variante "3.2.b.1" durchaus eine Alternative dar. Dennoch birgt sie genügend Potenzial für weitere Konflikte.


Text u. Fotos: M. Matthes

Grafik: J. Dudczak

Computersimulation: VoxelManufaktur, H. Jesse


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