Thema: Waldbad Klotzsche

Wo Kästner schwimmen lernte

Die Anfänge des einstigen Prießnitz-Flußbades im Prießnitzgrund bei Klotzsche-Königswald liegen noch vor dem Jahre 1900. Jedenfalls war in den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts im Bereich des heutigen Waldbades Klotzsche nur ein einfaches Prießnitz-Flußbad vorhanden, dass sich die Gemeinde- und Kurverwaltung zur Erholung und zur sportlichen Betätigung der sich besonders in Klotzsche-Königswald aufhaltenden Kurgäste geschaffen hatte. Abbildungen auf alten Postkarten legen davon Zeugnis ab. Dieses Flußbad am Rande der Prießnitz, des Hauptflusses der Dresdner Heide, erwies sich recht bald den gestiegenen Bedürfnissen des Kurortes Klotzsche-Königswald und seiner Bewohner und Gäste nicht mehr gewachsen. So kam es in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts zu einer umfassenden Erweiterung und Erneuerung der Badanlagen.

Es wurde ein betoniertes Schwimmbecken erbaut und ein Dreimeter-Sprungturm in Holzkonstruktion errichtet. Zum Zwecke der Durchführung von Kuren und Verabreichung von Wasserbehandlungen waren für die Kurgäste spezielle Duschen, Wannenbäder und Liegehallen vorhanden. Der Schwimmunterricht erfolgte unter fachkundiger Anleitung durch einen Schwimmlehrer an einem sogenannten "Galgen". Das Bad erhielt einen seiner Größe entsprechenden Eingangsbereich mit Gebäuden in Holzbauweise mit Uhrturm und zahlreiche Umkleidekabinen.

Über die Eröffnung des neuen Bades wird in einer Zeitungsmeldung in der Dresdner Heide-Zeitung von 1903 berichtet: "Am 7. Juni halb 4 Uhr am Nachmittag wurde das wesentlich erweiterte Waldbad eröffnet. Seine Königliche Hoheit, der Kronprinz hat genehmigt, daß das Bad seinen Namen tragen darf und es heißt somit ab heute "Kronprinz-Friedrich-August-Bad". Wie es heißt, befindet sich "silberklares Wasser aus der Prießnitz" in den Becken."

In einer späteren Ausgabe der Dresdner Heide-Zeitung wird berichtet, dass am 1. Juli vormittags der Kronprinz das Bad besichtigt, sich wohlwollend geäußert und in das Goldene Buch eingetragen hat. Eine Kabine war mit einer Krone geschmückt und dem Thronfolger vorbehalten. Ob er jemals in diesem Bad mit seiner Familie oder mit seinen Kindern dem Wassersport gehuldigt hat, ist nicht bewiesen.

Das Klotzscher Bad suchte seinesgleichen im gesamten Sachsenlande. Im Jahre 1907 fand im Bad Klotzsche ein internationaler Bad-Kongreß statt, der in der "Illustrierten Reise- und Bäderzeitung" große Beachtung fand. Es fanden auch jedes Jahr größere Wettbewerbe und Badfeste statt, die sich großer Beliebtheit erfreuen konnten.

Etwa 1910 ist das Bad, das auch durch sein kaltes Prießnitzwasser bekannt war, mit einer Wasser-Vorwärmeanlage ausgestattet worden, die das Wasser im Becken wenigstens etwas temperierte und damit mehr Badegäste anzog.

Zu einem späteren Zeitpunkt, in den späten 1920er Jahren, wurde ein zweites, größeres Schwimmbecken erbaut, das auch einen neuen Sprungturm aus Stahlbeton mit fünf Meter Höhe erhielt. Damit hatte Klotzsche eine Sportschwimmbahn von 50 Metern Länge, der einzigen in der Umgebung Dresdens, wie aus einem noch vorhandenen Werbefilm dieser Zeit hervorgeht.

 


Der Rettungsring hat mittlerweile auch einen symbolischen Wert.

Der bekannte Dresdner Schriftsteller Erich Kästner, das "Kind der Dredner Neustadt", erlernte nachweislich im Klotzscher Bad das Schwimmen. Er beschreibt es trefflich in seinem Kindheitsroman "Als ich ein kleiner Junge war".

Das Bad hatte ein Areal von 35.000 qm Waldfläche aufzuweisen, das von zahlreichen idyllischen Waldwegen durchzogen und mit Ruheplätzen ausgestattet war. Umfangreiche Sportanlagen standen den Badbesuchern ebenso zur Verfügung wie ausreichend Sitzplätze in einer gut geführten Bad-Gaststätte.

Mehrfach wurde das Bad mit seinen Anlagen durch die nach heftigen Regenfällen Hochwasser führende Prießnitz in Mitleidenschaft gezogen, zweimal wurde es völlig verwüstet (1919 und 1926). Eine weitere Zerstörung erfolgte zum Kriegsende 1945, als die Klotzscher Bevölkerung die hölzernen Badanlagen zur Behebung der durch den Bombenangriff auf Klotzsche eingetretenen Schäden abbaute. Bauteile der Badgebäude sind auch ganz offiziell zur Fertigstellung der Wohngebäude der Behelfsheimsiedlung, heute "Am Feldgehölz", verwendet worden.

Erst nach und nach wurde das Waldbad Klotzsche, wie es nun genannt wurde, wieder instand gesetzt. Auch in den Nachkriegsjahren erfreute sich das Bad eines großen Zuspruches von Einwohnern und Badegästen, die per Bahn oder Fahrrad von weit her kamen. Zunehmend machte sich aber der Umstand ungünstig bemerkbar, dass das Bad nicht von motorisierten Besuchern erreichbar ist. Die Besucherzahlen waren bald rückläufig. Zudem war die Verwaltung nach der Eingemeindung von Klotzsche nach Dresden 1950 auch in andere Hände übergegangen. Zuvor lag sie in den Händen der selbständigen Stadtverwaltung von Klotzsche. Ferner kam nach der Neuordnung der Ortsamtsbereiche 1993 hinzu, dass das Bad in den Verantwortungsbereich des Ortsamtes Loschwitz fiel. Es kam 1998 durch Vernachlässigung der Instandhaltung zur Zuschüttung des kleineren Schwimmbeckens mit Schuttmassen. Jetzt wächst schon jahrelang Gras über dieser Angelegenheit. Die vollständige Schließung des Bades wäre jedoch ein großer Verlust für ganz Dresden.

S. Bannack, Klotzsche im Mai 2002

Historische Aufnahme: Archiv des Autors, Postkarte um 1930

Aktuelle Aufnahme: S. Mitzscherling


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