Thema: 5 Jahre Societaetstheater

Junges Theater mit alter Tradition

 
Das heutige Societaetstheater im Hof hinter der Hauptstraße. Im Hintergrund der Turm der Dreikönigskirche

Im Zeitalter der Aufklärung begann das aufstrebende Bürgertum auch im kulturellen Bereich, sich von den höfischen Gepflogenheiten zu lösen. In sogenannten "Societaeten" schlossen sich Gleichgesinnte zusammen, um ihren Interessen frei von Standesdünkeln nachgehen zu können. 1776 gründete sich der Dresdner Freundeskreis "Societaetstheater", dem bis zu 75 Mitglieder angehörten. Man wollte "bei gleichem Geschmack an Kunst, und bey ähnlichen Trieben zur geselligen Freude (...) mit vereinten Kräften an (der) Errichtung einer Privatbühne" arbeiten. Die ersten beiden Spielstätten befanden sich in der Dresdner Friedrichstadt, bevor der Verein 1779 in einem Gartengebäude an der Hauptstraße Nr. 19 in der Neustadt sein endgültiges Quartier beziehen konnte. Der Bau selbst war schon 1750 errichtet worden. Zum Theater gehörte ein Saal, der einschließlich der Galerie 250 Zuschauern Platz bot. Das Repertoire bediente fast alle Genres, wobei der "leichten Muse" der meiste Spielraum eingeräumt wurde. Ursprünglich als Laienbühne gedacht, bei dem die Mitglieder des Vereins sowohl Zuschauer als auch Darsteller waren, gewann der Spielbetrieb im Laufe der Zeit immer mehr an Professionalität, nicht zuletzt durch die Mitwirkung von Berufsschauspielern. Dank der organisatorischen und finanziellen Unabhängigkeit war man in der Lage, das Programm selbst zu bestimmen, so dass nicht nur gefällige Unterhaltungsliteratur sondern auch moderne Stücke gezeigt werden konnten. Doch der sogenannte "Dilettantismus" blieb bei den Intellektuellen der damaligen Zeit umstritten. Es wurde ein Verfall der kulturellen Werte befürchtet. Indem sich die großen Theater bei Hofe nun auch zunehmend öffneten und sich sowohl künstlerische wie technische Neuerungen zunutze machten, verloren die kleinen privaten Bühnen mehr und mehr an Bedeutung. In diesem Prozeß konnte sich das Societaetstheater zwar noch am längsten behaupten, aber am 19. Mai 1832 - genau 56 Jahre nach Eröffnung - fiel auch hier der letzte Vorhang. Der Verein löste sich auf, das Gebäude geriet bald in Vergessenheit bzw. wurde später als Wohnhaus und Werkstatt genutzt.


Zustand vor der Sanierung
 

Ende der siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts "entdeckte" der Dresdner Architekt Jürgen Mehlhorn das in Vergessenheit geratene Kleinod. Gemeinsam mit anderen kulturinteressierten Dresdnern verhinderte er den Abriß und setzte sich für die Reaktivierung der Spielstätte ein. Nach Jahren zäher Verhandlungen konnte ab 1991 mit dem Wiederaufbau begonnen werden. Dabei mußten Teile des Gebäudes vollkommen erneuert und die zahlreichen Einbauten im Inneren entfernt werden. 1999 fand die Wiedereröffnung des Societaetstheaters statt. Übernommen wurde vom einstigen Theater nicht nur der Name, sondern auch das Konzept. Die Stücke tragen bewußt "Werkstattcharakter" und werden von den Mitwirkenden gemeinsam erarbeitet. Die Bühne steht außerdem auch für Gastspiele offen.

Wenn im Februar 2004 der fünfte Geburtstag des "neuen" Societaetstheaters gefeiert werden kann, so ist das vor allem auch eine Bestätigung für die Mühen, die der Wiederaufbau gekostet hat.

Zum Societaetstheater gelangt man von der Hauptstraße aus oder von der Straße "An der Dreikönigskirche". Weitere Informationen auch unter www.societaetstheater.de


Foto: DNO, Archiv Societaetstheater

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Copyright 2001 Dresden Neustadt Online * Stand: 26.03.2004