Thema: Kleingartenverein "Rudolphia"

Eingang zum Kleingartenverein Rudolphia e.V.
 

Erich Rudolphs grüner Traum

Daniel Gottlob Moritz Schreber war der Namensgeber für die Schrebergärten. Er wurde vor 195 Jahren, am 15. Oktober 1808 in Leipzig geboren. Drei Jahre nach Schrebers Tod wurde der "Schreberverein" gegründet, der Beginn und die Geburtsstunde des "Schrebergartens". Initiator war der Lehrer und Schuldirektor Ernst Hausschild, Schrebers Schwiegersohn.

Um 1900 wurde allein in Dresden 52 neue Kleingartenanlagen gegründet. Zu einer der ältesten Kleingärtnervereine der Stadt gehört die Sparte "Rudolphia" im Hechtviertel. Sie liegt inmitten weiterer Sparten zwischen der Hansa- und der Johann-Meyer-Straße. Gegründet wurde die Anlage im Jahre 1902. Noch heute ist dem späteren Hauptinitiator ein Gedenkstein gewidmet. Auf der Tafel steht: "Dem Pionier der Kleingartenbewegung und Gründer der nach ihm benannten Rudolphia. Erich Rudolph zum Gedenken 1902 - 1952".

Rudolph lebte in der Oppelvorstadt. Um den Arbeitern auch die Möglichkeit zur Erholung in freier Natur zu geben, setzten sich Rudolph und zahlreiche Einwohner für eine Kleingartenanlage nach der Idee des Leipziger Arztes Daniel Schreber ein. Schlossermeister Otto Stamm empfahl das umliegende Feld für den Ausbau von Kleingartenanlagen. 40 Gartenfreunde nahmen die Idee auf. 1914 wurde die Sparte erweitert und hatte bald 310 Parzellen. In den "Goldenen Zwanziger Jahren" betrug der Pachtpreis im Jahr über eine Million Mark. Der Gartenfreund Kramer beispielsweise, so geht aus der Chronik hervor, musste am 18. September 1923 eine Million Mark - Inflationsgeld - nachzahlen. Der Wasserzins für den gleichen Monat betrug über acht Millionen Mark. Doch die Gartenfreunde ließen sich trotz der Belastungen nicht unterkriegen. Besondere Initiativen zeigten die Gartenfreunde Paul Scholze sowie der bereits erwähnte Erich Rudolph. Das Kulturheim als Zentrum der Sparte trug den Namen Otto Stamm.

Ein Schatten fällt auf die Sparte in der Zeit des Faschismus, mehrere Gartenfreunde wurden wegen ihrer antifaschistischen Einstellung denunziert und von den Nazis inhaftiert. Nach 1945 unterstützte die Kleingartenhilfe der Gewerkschaft die Sparte, "reorganisierte" das Leben der Kleingärtner. In den folgenden Jahrzehnten machte die Sparte immer wieder von sich reden, auch wieder durch ihre Garten- und Kinderfeste. Später folgten einige Auszeichnungen: "Staatlich anerkanntes Naherholungsgebiet", Sieger in Leistungsvergleichen im Wettbewerb "Schöner unsere Gemeinde", Silberne Ehrennadel der Nationalen Front. Die Rudolphia war eine gepflegte Anlage, durch die man gern spazierte und die sich durch ideenreiche gestaltete Parzellen auszeichnete.

Inzwischen sind in der Sparte 271 Kleingärten registriert, der kleinste Garten hat eine Fläche von 105, der größte Garten von 400 Quadratmetern. Das Durchschnittsalter der Mitglieder liegt bei etwa 55 Jahren. 85 Jahre alt ist der älteste Gartenfreund. Derzeit sind 10 Gärten zu vergeben.


Text: Dietmar Sehn / Stadtteilzeitung "Die Neustadt"


zurück

 

Copyright 2001 Dresden Neustadt Online * Stand: 07.03.2004