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Die Rudolfstraße,
südlich des Hechtviertels und westlich der Eisenbahn in der
zur Neustadt gehörenden Leipziger Vorstadt gelegen, scheint
auf den ersten Blick eine ganz gewöhnliche Wohnstraße
zu sein. Blockbebauung
kennzeichnet den Charakter der Straße; in vorhandenen Baulücken
haben sich außerdem auf Grund der Nähe des Inneren Neustädter
Friedhofes zwei Steimetzbetriebe eingerichtet. Nichts außergewöhnliches
also.
Aber etwas fällt
beim genaueren Hinsehen auf - die sehr hohen Erdgeschosse einiger
Häuser. Welche Erklärung gibt es dafür?
Die Rudolfstraße
im Jahre 1853 (ganz links) und knapp ein halbes Jahrhundert später
(rechts daneben). Die Verlängerung Richtung Süden, die
quer verlaufende Fritz-Hoffmann-Straße, die Lößnitzstraße
und die Hansastraße sind als Planung dünn eingetragen.
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| Dieses
Gebäude in der Rudolfstraße mag noch den alten Scheunen
gegenübergestanden haben. |
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Die Rudolfstraße
verläuft entlang einer später südwärts aufgeschüttenen
natürlichen Senke, der "Telle". Das Tal erstreckt
sich als ein etwa hundert Meter breiter Streifen von der Elbe aus
Richtung Norden bis zur heutigen Fritz-Reuter-Straße. Nach
dem Brand von Altendresden (der Inneren Neustadt) im Jahre 1685
erhielten die Feldbesitzer an der Telle neues Land, um ihre Scheunen
zu errichten. Mit der Anlage dieser sogenannten "Scheunenhöfe"
wurde das Gelände erstmalig überbaut. Ein Weg im Verlauf
der heutigen Rudolfstraße diente zur Erschließung.
Die Umgebung
der Scheunenhöfe blieb lange Zeit Brachland; Sand und Ödnis
kennzeichneten die Flur. Erst die Verlegung des Friedhofes aus der
Inneren Neustadt hin zu einem Areal östlich der Scheunenhöfe
um 1732 beendete die Isolation. Nach der 1835 erfolgten Eingemeindung
der Antonstadt (wozu die Scheunenhöfe seit 1866 gehörten)
zu Dresden wurden die Scheunen abgerissen, die letzte 1874.
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Die zur Gründerzeit
einsetzende Neubebauung der Grundstücke an der - anfangs noch
namenlosen - Rudolfstraße nahm auf Vorgaben Rücksicht,
die eine spätere Höherlegung des Straßenniveaus
offen ließen.
So entstanden
die Häuser mit überhohen Erdgeschoßzonen, wobei
sich faktisch das Kellergeschoß auf Straßenniveau befindet.
Die Hauseingänge wurden provisorisch und so ausgeführt,
daß ihre Verlegung nach oben im Nachhinein problemlos zu bewerkstelligen
wäre.
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Foto
rechts:
An der Rudolfstraße 13 befindet sich eines der älteren
Gebäude.
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Fotos
links:
Beispiele von Gebäuden der Jahrhundertwende-Architektur
mit hohen Erdgeschossen:
Späte Gründerzeit (1880/90), oben
Anklänge der Jugendstilarchitektur, unten |
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Über die
Gründe dieser geplanten Maßnahme kann nur spekuliert
werden. Vorhandene Bauakten geben darüber leider keine Auskunft;
ein um 1900 aufgestellter Bebauungsplan regelte zwar die geschlossene
Bauweise, sagte aber nichts zur Gestaltung der Gebäude im einzelnen
aus.
Ursache könnte
zum einen die Gefährdung durch Grundwasser bzw. Hochwasser
der Elbe sein. Zum anderen ist aber auch die Angleichung des Geländes
an das Niveau der benachbarten Straßen (Friedenstraße,
Lößnitzstraße, Hansastraße) denkbar. Die
Realisierung des Vorhabens unterblieb jedoch, vermutlich aus wirtschaftlichen
Gründen.
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Bebauung
aus den 30er Jahren
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Quellen:
Stadtlexikon Dresden, Stadtarchiv
Recherche: M. Matthes
Text: J. Dudczak
Fotos u. Pläne: Archiv DNO
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Wie lange die
Planung weiterhin Gültigkeit besaß, läßt sich
daran ablesen, daß auch die Blockbebauung der dreißiger
Jahre auf der Ostseite der Rudolfstraße in der Art mit hochliegenden
Erdgeschossen ausgeführt wurde. Erst neueste Bauten (nach 1990
errichtet) verzichten auf diese Gestaltung.
Wer nun Interesse
an einem Abstecher zur Rudolfstraße hat, sollte dies am besten
beim nächsten Besuch des Kinos "Casablanca" auf der
Friedenstraße mit einplanen.
Foto
rechts:
Neubau gegenüber der Einmündung der Ottostraße
in die Rudolfstraße. Blick von der Friedenstraße. |
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