Thema: Rudolf Leonhard

Frankophiler Deutscher

 
Lyriker, Dramatiker und Hörspielautor: Rudolf Leonhard

Die alte Oppellstraße trägt heute den Namen des immer noch wenig bekannten Lyrikers, Dramatikers und Hörspielautors Rudolf Leonhard.

Die Spuren seines Lebensweges sind aber auch weit verstreut. Nach seiner Geburt am 27. Oktober 1889 in Lissa, der polnischen Kreisstadt, finden wir sie in Berlin, denn hier taucht der Name des Kriegsfreiwilligen als Verfasser des pazifistischen Dramas "Die Vorhölle" auf. Der "verblendet gewesene und sehend gewordene" verarbeitete seine Fronterlebnisse und warnte darin eindringlich vor Krieg in jeglicher Version. Er wurde Lektor und bald auch Mitarbeiter der linksbürgerlichen Zeitschrift "Die Weltbühne".

Ende der zwanziger Jahre wählte er Paris als vorrübergehenden Wohnsitz, denn wie sein Dichterkollege Maximilian Scheer berichtet, bewunderte Leonhard die französische Geschichte, begeisterte sich am Witz und Charme der Literatur, genoss die französische Küche und den Wein - schließlich spricht das Französische so leicht wie das Deutsche. Aber der wache Beobachter schwelgte nicht nur im "vive parisienne", er erkannte schon bald die Gefahr des sich abzeichnenden Faschismus` und reagierte schnell mit der politischen Komödie "Führer und Co.", die illegal in Deutschland verbreitet wurde. Schon 1933 fühlte sich der frankophile Deutsche als Verbannter.

Als Publizist nahm er den Kampf gegen die späteren Verderber Deutschlands und Europas auf. Er wurde Präsident des "Schutzverbandes deutscher Schriftsteller im Exil", dem berühmte französische Autoren wie Romain Rolland und Roger Martin du Gard Hilfe zusagten. Leonhard schrieb unermüdlich. Hinter den RL-Pseudonymen Raoul Lombat, Roger Lehardon und Robert Lanzer unter den Artikeln, Pamphleten und bissigen Gedichten versteckt sich der Deutsche Rudolph Leonhard.

Doch die militärische Entwicklung überrollte den bisher ungehinderten Kampf gegen die Besatzer Frankreichs. 1939 wurde Leonhard verhaftet und im berüchtigten französischen Straflager Le Vernet festgehalten.

Unter dem Damoklesschwert des unberechenbaren Regimes schrieb er hier - bei Kerzenlicht - seine treffenden Antworten an die Eroberer seiner Wahlheimat. Sein erschütterndes Drama "Die Geiseln" spiegelt als erstes literarisches Werk den tragisch endenden Kampf einer Resistance-Einheit wider. Der Text wurde aus dem Lager geschmuggelt ebenso wie der Gedichtszyklus mit dem späteren Titel "Le Vernet".

Als das Lager 1944 liquidiert wurde, befand sich Rudolf Leonhard längst auf der Flucht und schon im Versteck in Marseille.

1950 nach Berlin zurückgekehrt, widmete er sich neben Lyrik und Prosaarbeiten dem Hörspiel. Im Lyrikband "Le Vernet" mahnt er zwingend: "Für Märtyrer und für Berserker - im Frost und vor dem Gewitter - Kerker ist Kerker und hart und bitter und bitter!!"

Am 19. Dezember vollendete sich sein Leben in Berlin. Er veröffentlichte über 30 Bücher. Hier in Dresden wurde er für seinen Kampf und für seine Entbehrungen mit einem Straßennamen geehrt.


Text + Repro: Hans Ruben


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Copyright 2001 Dresden Neustadt Online * Stand: 08.11.2003