Thema: Ausstellung im Kulturrathaus

Dresdner Reformbaukunst

Im Foyer des Dresdner Denkmalschutzamtes ist noch bis zum 4. Februar die Ausstellung "Reformbaukunst in Dresden" zu sehen. Die Räume befinden sich im Kulturrathaus auf der Königstraße im dritten Stock, am besten zu erreichen mit dem Aufzug. Die Exhibition wurde vom Kunsthistoriker Ulrich Hübner gestaltet, der ehrenamtlich für das Denkmalschutzamt arbeitet. Auf acht großen Tafeln wird in Text und Bild das Entstehen der Reformarchitektur in Deutschland dokumentiert und markante Beispiele dieser Baustilepoche für Dresden vorgestellt.


Ulrich Hübner vor einer der Ausstellungstafeln

Eine eindeutige Definition für Reformbaukunst existiert laut Hübner nicht. Klar ist nur eine Abgrenzung zum Historismus und zum Jugendstil der Gründerzeit, also der Zeit, in der auch der größte Teil der Äußeren Neustadt entstand. Dresden hatte sich um die Jahrhundertwende einen Ruf als reformoffene Kunststadt erworben und zog vor allem junge Künstler an. Außerdem lief die Stadt mit ihren größeren Ausstellungen (Städteausstellung 1903; Kunstgewerbeausstellung 1906) kulturell anderen den Rang ab. Als ein Übergang hin zur Reformarchitektur in Dresden können die Bauten von Hans Erlwein und Martin Dülfer gelten.

Grundlegende Ansätze für eine reformorientierte Baukunst zeigen sich in Dresden besonders in der Gartenstadt Hellerau. Die Architekten Riemerschmid, Muthesius und Tessenow gestalteten hier eine Werkssiedlung, die ländliche Strukturen mit den Anforderungen der Industrialisierung verband. Dem Areal ist eine eigene Tafel gewidmet. Als die bedeutendsten Dresdner Beispiele für die kurze Epoche der Reformarchitektur, die nur bis zum Ersten Weltkrieg dauerte, gelten das Krematorium in Tolkewitz von Fritz Schumacher (1909-11) und die Christuskirche in Strehlen von Schilling und Graebner (1903-05). Andere für die Reformzeit typische Monumentalbauten sind u.a. das ehemalige Landgericht am Münchner Platz, das Schauspielhaus, die Kunstgewerbeschule und in der Neustadt das Hauptstaatsarchiv. Zudem gibt es einige Villen im Stadtgebiet, die in diesem Stil gebaut wurden.

Die Ausstellung ist während der Öffnungszeiten des Denkmalschutzamtes zu sehen (Montag und Mittwoch 8-16 Uhr, Dienstag und Donnerstag 8-18 Uhr, Freitag 8-15 Uhr). Sie zieht demnächst weiter in das Bauaufsichtsamt im Technischen Rathaus auf der Hamburger Straße.

Die nächste Ausstellung im Denkmalschutzamt der Landeshauptstadt zeigt Grafiken eines Dresdner Autodidakten, der die Zerstörungen 1945 in tausenden Zeichnungen festgehalten hat.

Text und Foto: Falk Hensel


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Copyright 2001 Dresden Neustadt Online * Stand: 01.02.2003