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"Es
hat was von einem Wohnzimmer"
Heute
abend spielt Portugal, man merkt es. Im Vereinsrestaurant an der
Ecke Sebnitzer-/Kamenzer Straße sitzen und stehen die Leute
dicht an dicht. Erste Zuschauer weichen schon aufs Hinterzimmer
aus - dort gibt es auch einen Fernseher. Einige sprechen portugiesisch,
die meisten aber deutsch. Alles unter den wachsamen Augen von Maddalena
Voigt, auch "Mama der Neustadt" genannt, wie sie selbst
schmunzelnd erzählt. "Ich gebe eben gern mal den jungen
Leuten einen Rat, wenn sie hierherkommen." Aber darauf beschränkt
sich Maddalena Voigts Engagement für die "Associacao Luso-Alema",
den portugiesisch-deutschen Verein Dresdens, keineswegs.
Einen
Anlaufpunkt für in Dresden lebende Portugiesen gibt es hier
schon lange. "Es war im Unterschied zu jetzt eine ganz normale
Kneipe, die bei der Polizei wegen oftmaliger Prügeleien bekannt
war", erinnert sich Maddalena Voigt. Meist entstanden die Meinungsverschiedenheiten
wegen des Spielens. Letztes Jahr sollte der Verein schließen.
Zu dieser Zeit trat Maddalena Voigt in den Vorstand ein. "Wir
haben gegen die Schließung gekämpft." Als stellvertretende
Vorsitzende bestimmt sie nun entscheidend die Geschicke mit. Seit
2003 ist der Verein auch für Deutsche offen, der kulturelle
Aspekt soll mit Portugiesischlernen, Videoabenden und Tanzkursen
gestärkt werden. "Wenn wir Glück haben, sind wir
dann 2007 schuldenfrei", hofft Maddalena Voigt, die in Angola
geboren wurde und 1997 nach Dresden kam.
Ihre
Arbeit trägt Früchte. Es gibt keinen Ärger mit den
Ordnungshütern mehr, die Mitgliederzahl ist von 7 im letzten
Jahr auf gegenwärtig 76 angewachsen. Zwei Drittel davon sind
Deutsche. "Hier ist es gemütlich, die Atmosphäre
angenehm. Wir kommen oft abends zum Essen her - Maddalena kocht
super." Deshalb ist Jan Kurth, 21, mit seinen Mitbewohnern
aus der Nachbarstraße in den Verein eingetreten. Nur mit Portugiesen
hat er auch hier nicht so viel Kontakt - "vielleicht, weil
es zu wenige sind." Früher gab es in Dresden bedeutend
mehr davon, das weiß auch Maddalena Voigt. Arbeit auf dem
Bau, wo ein großer Teil der Portugiesen tätig war, sei
eben heute schwerer zu bekommen. "Es leben nicht so viele meiner
Landsleute in Dresden, da ist das hier ein guter Treffpunkt",
findet der Student Paulo Fernandes. Auch ihn zieht das Essen an,
"es ist lecker und günstig." Manchmal kommt er auch
her, um portugiesisches Fernsehen zu gucken. Drei Euro im Monat
kostet ihn das als Student, wer nicht studiert, zahlt fünf.
Mit den Einnahmen des Restaurants, das auch für Nichtmitglieder
geöffnet ist, bilden die Beiträge die Einnahmen des Vereins.
Förderung von der Stadt gibt es nicht.
Diesen
Abend jedoch läuft es gut, für den Verein und für
Portugal. Am Ende ist der Jubel beim 2:1 gegen die Niederlande groß.
Und das volle Haus hat Maddalena Voigt vielleicht dem Sieg über
die Schulden wieder ein Stück näher gebracht.
Text: Beate Diederichs
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