Porträt des Monats: Olaf Böttger

Ein guter Schulleiter muss ein Allrounder sein ...

 

Olaf Böttger

Man müsste Zeit schenken können, findet Olaf Böttger. Dann könnte man länger mit der Familie zusammensein, hätte man mehr Kapazitäten für die Tätigkeit als Ortschaftsrat zuhause und als stellvertretender Sportvereinsvorsitzender, und auch der Ausbau des alten Hauses käme schneller voran. Und vor allem könnte man sich den Schulleiteraufgaben noch intensiver widmen: Planen, Unterrichten, Beraten der Kollegen, Gespräche mit Eltern, Zusammenarbeit mit dem Regionalschulamt... Olaf Böttger ist mit Hingabe Leiter der 15. Grundschule auf der Görlitzer Straße. Das merkt man, wenn er von "seinen" Kindern und Eltern spricht. "Ich bin gerne in der Neustadt und finde, dass ich gerade mit den Kindern hier gut umgehen kann, obwohl die Schülerschaft viel heterogener ist als beispielsweise in Stürza, wo ich herkomme." Dieses Dorf, nahe Hohnstein in der Sächsischen Schweiz, ist immer noch die Heimat des 43jährigen, auch wenn er die örtliche Grundschule nicht mehr leitet.

Vor über sechs Jahren wurde Olaf Böttger Direktor der 15. Grundschule. Zeit genug, um zu bemerken, welche spezifischen Aufgaben die Arbeit in einer Neustadt-Grundschule einem stellt. Die Neustadt ist ein Stadtteil mit vielen Kindern, aber es gibt auch viele verschiedene Möglichkeiten, einschließlich Waldorfschulen, Kreativschulen oder anderer freier Schulen. "Da müssen wir als staatliche Einrichtung so gute Angebote machen, dass die Eltern das Gefühl haben, die Kinder sind auch hier gut aufgehoben", ist sich Olaf Böttger bewusst. Deshalb gibt es an der 15. Grundschule beispielsweise neben der Leselernmethode "Lesen durch Schreiben" ab nächstem Schuljahr voraussichtlich auch eine reformpädagogische Klasse, "angelehnt an Montessori".

Wie jeder, der an einer Grundschule arbeitet, muss sich Olaf Böttger auch damit auseinandersetzen, dass die Schüler heutzutage mit unterschiedlicheren Voraussetzungen die Schule beginnen als früher. "Die Schere bei den Einschulern ist groß." Da fast alle Kinder eines Jahrgangs tatsächlich eingeschult werden, müssen die Lehrer in den ersten zwei Jahren alle auf den gleichen Stand bringen - welche, die schon fließend lesen können, und andere, die nicht einmal wissen, wie man einen Stift hält. "Wir versuchen unter anderem durch Vorschulunterricht für drei umliegende Kindergärten, diesen Problemen etwas vorzubeugen." Vielfältige Herausforderungen für den Lehrer Olaf Böttger, der in der Woche 20 Stunden unterrichtet, und für den Schulleiter, der alles sein muss, Lehrer, Manager, Sozialpädagoge, ein Allrounder eben. Vom Sinn seines Berufes ist Olaf Böttger nach wie vor überzeugt: "Ein guter Lehrer sieht täglich, was er bewirkt." Und wenn er doch einmal genug hat vom Trubel, vom Gewusel der Jungen und Mädchen, zieht sich der Schulleiter zu einer Tätigkeit zurück, für die Stille wichtig ist: zum Angeln!


Text+Foto: Beate Diederichs


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Copyright 2001 Dresden Neustadt Online * Stand: 05.05.2005