|
"An
acht von zehn Tagen macht der Dienst richtig Spaß"
| |
Revierleiter
Hanjo Protze
|
Die
Neustadt ist der Dresdner Stadtteil der Superlative - am dichtesten
besiedelt von den jüngsten Einwohnern, die am kürzesten
an einem Ort bleiben und auf kleinem Raum die meisten Kneipen vorfinden
- ein Phänomen, das sogar bundesweit seinesgleichen sucht.
Eine Herausforderung auch für die Polizei - das Revier Neustadt
mit seinem Revierführer Hanjo Protze. Gerade mal 37 war er,
als er 2001 die Neustadt übernahm, seines Wissens "Dresdens
jüngster Revierchef, und das im verrücktesten Stadtteil".
Der hochgewachsene 40jährige, der in der inneren Neustadt aufwuchs,
mag seinen Dienst trotz der besonderen Bedingungen - oder gerade
deshalb.
"Der
Dienst am Menschen und der technische Aspekt haben mich 1983 zur
Polizei gebracht", erinnert sich Hanjo Protze. Nach der Grundausbildung
landete er erst einmal bei der Verkehrspolizei. Später leitete
er mehrere Jahre lang das Autobahnpolizeirevier. Seit 1999 ist er
im Höheren Dienst, zunächst im Innenministerium, seit
drei Jahren im Revier Neustadt. Drei Jahre Tage wie dieser: 7 Uhr
im Büro, früher auf der Katharinenstraße, jetzt
auf der Bautzner Straße 19, Einsätze für den Tag
besprechen, auswerten, was in der Nacht passiert ist, den Beamten
Anleitungen geben, Personalgespräche führen, Telefonate
und Post. Um 17 Uhr ´raus, vielleicht noch Ortsbeirat. Dabei
bleibt es nicht immer. "Oft schaue ich mal nachts oder am Wochenende
auf der Wache oder bei Geschwindigkeitskontrollen vorbei".
Und größere Einsätze, die die normalen Dienstzeiten
sprengen und die Anwesenheit des Chefs erfordern, können jederzeit
vorkommen. Von seinen planmäßig 110 Beamten hat Hanjo
Protze augenblicklich nur 84 zur Verfügung - der Rest ist krank,
auf Weiterbildung, in eine andere Dienststelle abgeordnet oder im
Erziehungsurlaub. "Die zwei Funkstreifenwagen, die jeden Tag
ausrücken, reichen fürs Kerngeschäft. Wenn wir schnell
auf einen Ruhestörer reagieren müssen, wird es eng."
Deshalb kann das Revier Neustadt auch nicht so viel öffentliche
Präsenz zeigen, wie es viele Anwohner gern hätten.
Bei
Ereignissen wie der BRN wird Hanjo Protzes Wache natürlich
durch Beamte von anderswo unterstützt. "Die BRN ist Dresdens
größter Polizeieinsatz, größer als jedes Fußballspiel."
2001 sollte das Revier Neustadt das Fest allein absichern - am Ende
standen 400 "Chaoten" gegen 80 Beamte. "Die Konsequenz
war damals: Der BRN-Einsatz muß in anderen Größenordnungen
erfolgen", sagt Protze. Seitdem hat die Polizeidirektion Dresden
den Hut auf, und man bereitet sich monatelang professionell auf
die heißen Tage im Juni vor. Die folgenden BRN gehören
denn auch zu Hanjo Protzes positiveren Erfahrungen.
Neben
der eigentlichen Neustadt wacht das Revier auch über die Elbwiesen
- inklusive Filmnächte-, das Regierungsviertel und den "Hecht".
Alles keine problemfreien Zonen, aber wirklich schlimme Verbrechen
gebe es hier nicht mehr als anderswo, meint Hanjo Protze: "Körperverletzung
und Mord sind nicht so das Problem, sondern eher Dreck, Graffiti,
Sachbeschädigung, Ruhestörung, Taschendieberei."
Und - wie überall - die gestiegene Aggressivität und Respektlosigkeit
vieler Menschen gegenüber den Ordnungshütern. "Die
Polizei wird oft für alles verantwortlich gemacht, was den
Leuten nicht paßt!" Da müsse ein Polizist schon
psychisch sehr stabil sein und möglichst auch ein tragfähiges
soziales Netz haben. Das sind für Hanjo Protze seine Frau und
sein fünfjähriger Sohn, mit denen er an "Dresdens
westlichem Rand" wohnt - mit kurzen Wegen in die Natur für
Fahrradfahren und Ausflüge. Für große Hobbies reicht
die Zeit nicht. Zum Abschalten ab und zu schon. Das ist auch notwendig:
"Man bekommt von den Menschen viel Dank für das, was man
tut. Dennoch darf man nie vergessen, daß Polizist ein gefahrvoller
Beruf ist. Wenn man einen Dieb in einen dunklen Hinterhof verfolgt,
weiß man nie, was einen dort erwartet!".
Text + Foto: Beate Diederichs
zurück
|