Porträt des Monats: Klaus Goldhahn

Jeden Tag etwas Erfreuliches

 

Pfarrer Klaus Goldhahn

"Pfarrer werden gebraucht!" Vor über vierzig Jahren, 1963, entschied sich Klaus Goldhahn kurzfristig, in Leipzig Theologie zu studieren, obwohl er die Aufnahmeprüfung fürs Kirchenmusikstudium schon bestanden hatte. Heute ist Goldhahn, geboren 1945, Pfarrer der Martin-Luther-Kirche. Seine Kindheit hat er in einem Dorf bei Chemnitz verbracht. Die Zeit in Junger Gemeinde und Kurrende brachte ihn zum Berufswunsch "Kirche". Nach Pfarrerstellen in Frohberg im Leipziger Land und am Freiberger Dom hielt er am dritten Advent 1986 seinen ersten Gottesdienst an der Martin-Luther-Kirche.

Das Besondere an seiner Gemeinde ist für ihn der Altersdurchschnitt. "Schon vor der Wende wohnten hier viele junge Leute. Jetzt jedoch sind 53 Prozent zwischen 20 und 40. Das hat sicher vor allem mit der Attraktivität des Stadtteils zu tun." Positiv daran: Klaus Goldhahn predigt bei viel mehr Taufen als Beerdigungen. Die Kehrseite ist die Fluktuation: "Jedes Jahr ziehen rund 800 Menschen weg oder zu." 1999 haben sich Martin-Luther-Kirche, Petrikirche, Dreikönigskirche und Paulikirche zu einem "Kirchspiel" zusammengeschlossen. Dadurch ist es möglich, auf Veränderungen der Gemeinde flexibel zu reagieren. "Da kann zum Beispiel der Pädagoge der Dreikönigskirche auch hier Veranstaltungen anbieten".

Goldhahns Arbeitswoche hat oft mehr als 80 Stunden. Die Vorbereitung einer 20-Minuten-Predigt dauert rund einen Tag. "Das ist vor allem Übersetzungsarbeit: Was kann dieser alte Bibeltext uns heute noch sagen?" Dazu kommen die Ausgestaltung des Gottesdienstes, Gespräche mit Gemeindemitgliedern, Kinder- und Jugendarbeit, Fahrten, Krankenbesuche. Außerdem will so ein großes altes Gebäude wie eine Kirche instandgehalten werden: Als nächstes steht die Innenrenovierung an. Wie überall, fehlt es auch hier an Geld. Dazu kommt viel Verwaltungsarbeit. "Unumgänglich, aber nervig", findet Goldhahn und verdreht die Augen hinter seiner Brille. "Diese Zeit würde ich lieber in Gespräche investieren!"

Dennoch birgt jeder Tag etwas Positives für den Pfarrer. Gerade im "säkulären Osten", wo viele Menschen die Grundbegriffe des Christentums nicht kennten, müsse man ihnen diese nahebringen. "Wenn jemand sagt: So hat mir das noch niemand erklärt!, ist das für mich ein schönes Erlebnis", meint Klaus Goldhahn.


Text + Foto: Beate Diederichs

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Copyright 2001 Dresden Neustadt Online * Stand: 07.07.2004