Porträt des Monats: Una Giesecke

Wenn ein Tag doch 48 Stunden hätte ...

 

Una Giesecke

"Warum guckt sie so grimmig?" fragt einer aus der Gruppe. Frauen und ein paar Männer betrachten das Relief von Amalie Marschner auf der Georgenstraße. Gespannt blicken sie zu ihrer Führerin, einer kleinen Frau mit langen dunklen Haaren und Brille. Una Giesecke lächelt, dann erzählt sie aus dem schweren Leben Amalie Marschners. Sie kennt sich aus. Frauen und Neustadtgeschichte - das ist ihr Spezialgebiet, auf dem sie seit Anfang der neunziger Jahre forscht. Daß sie ihr Wissen gern bei Führungen, auch über die Volkshochschule und Igeltour, weitergibt, ist vielen bekannt. Was sie sonst noch macht... Aber der Reihe nach.

Neustädterin ist Una Giesecke seit 1989. Während des Studiums "Diplom-Ökonomie für Tourismus" besetzte sie eine Wohnung auf der Kamenzer Straße. Über Bekannte aus dieser Zeit kam sie zur Bürgerinitiative IG Äußere Neustadt, zur Stadtteilzeitung "Anton" und zur regionalen Geschichtsforschung. Die Touristikerin brachte in die Gründung von Igeltour ihren Neustadtrundgang "Dresdens heimliche Mitte" ein. Speziell die Frauengeschichte faszinierte die heute 38jährige. "Vielleicht aus einem naiven Gerechtigkeitssinn heraus - oder um zu zeigen, wie wenig sich seit Beginn der Frauenbewegung geändert hat", überlegt sie. Ihre Erkenntnisse hat Una Giesecke in einem Buch dokumentiert, "Von Maria bis Mary - Frauengeschichten aus der Dresdner Neustadt". Zwei ABM-Maßnahmen und Arbeitslosigkeit bedeuteten zwar wenig finanziellen Spielraum, boten jedoch die Gelegenheit weiterzuforschen.

Seit 2002 arbeitet die vielseitig Interessierte unter anderem für den Dresdner Magazin Verlag und die SZ als Freie Redakteurin. "Neben dem Schreiben macht mir auch das Organisieren und das Korrekturlesen Spaß". Die Kinder Cora, 7, und Johann, 5, kommen gerne mal mit in die Redaktion gucken, wie eine Zeitung entsteht. "Nur wenn ich lange muß, sind sie sauer", weiß Una Giesecke. Ihre Mutter müssen die beiden noch mit der Folkband "Buckijit" teilen. "Dort spiele ich Bodhrán, die irische Handtrommel, und singe". Trotz aller Freude an der Organisation - gibt es da nicht Zeitprobleme? "Mein Liebster ist ein wirklich guter Vater!" meint Una und strahlt. Wer könnte das besser wissen als eine, die sich mit Frauengeschichte beschäftigt hat.

Text + Foto: Beate Diederichs


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Copyright 2001 Dresden Neustadt Online * Stand: 06.05.2004