Porträt des Monats: Erich Kästner

Der Kästnerich

 

Erich Kästner in seinen jungen Jahren

Im "Club der toten Dichter", im "Café Kästner" sieht man ihn manchmal tief in der Nacht am Fenstertisch. Dort genießt er seine geliebte warme Knoblauchwurst und träumt dann von seiner Jugendzeit. Seine Augen sind immer wieder auf den Albertplatz gerichtet, sind lebendig wie damals nur der Haarschopf völlig ergraut - der 105. Geburtstag war ja gerade auch.
"Was suchen Sie?", wage ich leise zu fragen. "Ach ich beobachte dieses "Alles fließt"; sag mir nur, wo die Pferde sind?". Die Hunde sah ich gestern in der Alaunstraße, Mensch da muss man aufpassen - igitt!
Die Königsbrücker Straße wollt ihr nun als Autobahn ausbauen? Eine Brücke durch die Elbauen? Ja hat denn heute jedes Lottchen und jeder Emil ein Automobil? Jedes etwa auch noch mit Auspuff? Mein Gott, wie lange wollt ihr euch diese Last mit den Flitzern und mit den Lastern noch leisten?
Und für Kinder, Kultur und die Alten habt ihr kein Geld? Mein Onkel Franz hätte selbst in einer Abgaswolke noch gebrüllt: Herr Patitz, Herr Schurig, Frau Kletsch, Frau Jänichen "Das lasst ihr euch gefallen?"
Er hätte getobt, wie damals, als ich noch ein kleiner Junge war.
Dann überlegte der Erich lange und meinte schließlich: Nach Durchsicht meiner Bücher weiß ich - Weltgeschichte kostet viel Geld, Stadtgeschichte auch, aber Stadtgegenwart scheint ja wohl unbezahlbar zu sein!
Wer verantwortet das vor den Enkeln der Neustädter?
Dann sah er mich durchdringend an und stellte die Frage: Wie heißt eigentlich jetzt Euer Oberbürgermeister?
"Ingolf Roßberg, Herr Kästner!"
Wie, Roßberg? Ach Du lieber Augustin, der hätte meinem Onkel Franz gefallen - der war nämlich Pferdehändler!
Damit war sicher sein Ausflug in die heutige Neustadt beendet, sein Platz war plötzlich frei. Nur ein Bild an der Wand konnte ich noch erkennen - es war ein Erich drauf!

Text: Hans Ruben


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Copyright 2001 Dresden Neustadt Online * Stand: 05.03.2004