Porträt des Monats: Klaus Herrich

Klaus Herrich
 

Der Exponent des Barockviertels

Zwei Seelen wohnen in seiner Brust. Er behauptet nicht ohne sichtbaren Stolz, den Musiker und den Geschäftsmann in sich selbst gut vereinen zu können. Klaus Herrich, der Vorsitzende der IG Königstraße im historischen Viertel, wurde vor 71 Jahren in Dresden geboren. In der Drogerie des Vaters in Bautzen lernte er zunächst Drogist. Befreundete Musikstudenten ermunterten ihn, an der Musikhochschule vorzusingen. Dort wurde er zunächst vertröstet, nach kurzer Zeit aber durfte Herrich, der auch Geige spielt, das Studium als Gesangssolist beginnen. Danach ging er an das Stadttheater Meißen, da es dort höhere Gagen als in Dresden oder Leipzig gab. Es folgten Engagements in Leipzig, Zwickau, Weimar und schließlich in seiner Heimatstadt an der Staatsoper.

Zugleich besann er sich seiner Ausbildung und übernahm eine heruntergekommene Drogerie in Dresden. Dies war für einen Staatsangestellten jedoch nicht ganz einfach und so lernte er die regionale DDR-Bürokratie gründlich kennen. Gegenüber dieser hat er sich standhaft behauptet und sieht dies als gute Grundlage für das Bestehen in der Marktwirtschaft. Perücken wurden im Arbeiter-und-Bauern-Staat nur abgepackt und sehr diskret von der HO verkauft. Für Klaus Herrich unakzeptabel. In seiner Drogerie wurde der Haar-Ersatz mit Hilfe einer Friseuse offen gehandelt, was zu erneuten Konflikten mit der sozialistischen Obrigkeit führte.

Nach der Wende zog er mit dem Perückenstudio in die Rähnitzgasse. Hier begann er sich für den Bestand und die Sanierung des Viertels rund um die Königstraße zu engagieren. Das einzig erhaltene barocke Wohnviertel der Stadt sollte für Einheimische und Touristen attraktiver werden. Er gewann Geschäftsleute dafür, sich in dem exquisiten Quartier niederzulassen, z.B. den italienischen Modehändler Arturo Prisco, der auch am Neumarkt baut. 1996 entstand zur Unterstützung die IG Königstraße, die keine Werbung für einzelne Geschäfte betreibt, sondern das Ambiente dieses einmaligen Winkels in der Stadt etablieren will. Herrichs Engagement dafür ist so stark, dass für seine Läden hier und in Bautzen kaum noch Zeit bleibt. Für viele ist er der Ansprechpartner im Gebiet.

Der Musiker Herrich möchte zudem das kulturelle Leben rings um die Königstraße verbessern. Mit seinem Verein veranstaltet er das Straßenfest, die Gestaltung in der Adventszeit und den Kunstsommer im Musenhof (literarisch-musikalische Vorstellungen im Juli und August). Dort können etwa einhundert Zuschauer bei Wein den Opernsänger beim Vortragen von Kästner erleben. Seine Pläne reichen weiter. Das Perückenstudio zieht demnächst auf die andere Straßenseite neben das Silbergeschäft seiner Frau. Er setzt sich für eine bessere Ausschilderung des Viertels ein, das er in einer Achse Hauptbahnhof - Albertplatz sieht. Er freut sich auf den Libeskindbau in der Hauptstraße und kann sich den Wiederaufbau des Neustädter Rathauses vorstellen.

Wichtig ist ihm ein Kontrast zu den Einkaufscentern am Stadtrand: "Die Persönlichkeit des Inhabers bestimmt das Geschäft." Das findet er auch an der Äußeren Neustadt reizvoll. Geschäftsleute, die der Dreck auf der Straße stört, sollten doch selber Hand anlegen. Für ihn eine Selbstverständlichkeit.
Da Klaus Herrich auch Autor (u.a. für "50 Jahre Staatsoperette Dresden"), Veranstalter von Lesungen in Bautzen und Familienvater ist, sind wohl mehr als zwei Seelen nötig.

Text und Foto: Falk Hensel

Infos auch unter www.koenigstrasse-dresden.de


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