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Der
König von St. Pauli
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Jörg
Berger
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Punkt
18:30 Uhr wird er nervös. Nach seinem netten aber bestimmten
"Meine Damen und Herren, es ist bereits Einlass!" verschwinden
Schauspieler und Mitarbeiter, die sich in kleinen Gruppen unterhalten
hatten, fluchtartig hinter die Bühne.
Jörg
Berger, der Chef des Vereins Theaterruine St. Pauli, kommt aus Magdeburg
und ist Jahrgang '62. Den Sommer im Freien sieht man ihm an, ansonsten:
leicht ergrauter Pferdeschwanz, Dreitagebart und ganz in schwarz.
Wie viele andere, die in Dresden inzwischen erfolgreich Kultur betreiben,
war er ursprünglich zum Studieren in die angenehme, warmherzige
Stadt gekommen, wie er sie beschreibt. Er wollte kompetent für
die Umwelt aktiv werden und da gab es in der DDR eigentlich nur
das Studium der Hydrologie. Das hat er nach dem 4. Studienjahr abgebrochen,
das Diplom später nachgeholt.
Als
Student begann Berger an der Bühne der TU zu arbeiten, u.a.
als Regisseur. Später war er Regieassistent am Theater der
Jungen Generation. Das damalige Ensemble dort beschreibt er als
"kreatives Gemisch von Leuten." In der Wendezeit wurde
Theater zum Einzelerlebnis und war nicht mehr Massenereignis wie
in der DDR. Aus dieser Zeit hat er den Antrieb für seine heutige
Tätigkeit. Eher zufällig wurde er für zwei Jahre
Dramaturg am Puppentheater. Und danach kam das Rocktheater. Interessierte
Laien konnten hier ihre Ideen umsetzen. Die Inszenierung "Herkules
und der Stall des Augias" sollte 1999 im Brennhaus Premiere
haben. Nach dessen Schließung wurde eine neue Spielstätte
gesucht. Berger hatte schon mit der TU-Bühne in der St. Pauli-Ruine
am Königsbrücker Platz gastiert. Nach der Beseitigung
von Taubendreck und Müll und Einigung mit der STESAD gab es
noch '99 knapp 30 Aufführungen. Ein Jahr später waren
es schon 90. Heute wird das Freilufttheater von einem Verein mit
etwa einhundert Mitgliedern betrieben, der auch Schauspielkurse
anbietet. Neben den eigenen Stücken finden in der Ruine vor
allem Gastspiele und Konzerte statt. Die St. Paulianer können
dabei nur auf geringe Förderung durch die Stadt zählen.
Gut besuchte Vorstellungen bei gutem Wetter, wie in diesem Jahr
beim Sommernachtstraum mit je 200-300 Zuschauern sind da wichtig.
Es gibt immer mal Ärger mit den Anwohnern. Um diese für
das Treiben in den Backsteingemäuern zu gewinnen, hat der Verein
das Stadtteilfest "Insel im Hecht" organisiert, was ein
voller Erfolg wurde.
Jörg
Berger geht in der Arbeit bei St. Pauli voll auf. Außerdem
ist er immer noch Leiter des Rocktheaters. Da gab es jetzt die Premiere
des Musicals "Mirashne" im Rudi. Im Oktober veranstaltet
das Rocktheater die 7. Jiddische Musik- und Theaterwoche mit vielen
internationalen Gästen und ca. 40 Veranstaltungen. Zudem schweben
ihm noch der Ausbau der Ruine mit Schallschutzfenstern, Glasdach
und Turmcafe vor, der Klub Unterer Hecht soll nicht nur Probenraum
sondern auch Kieztreff werden. Da bleibt wenig Zeit für anderes.
Berger erzählt lächelnd, dass er dennoch "gut verliebt"
ist.
Als
die Aufführung von Shakespeares Stück begonnen hat, wird
auch Jörg Berger gelassener. Es sind an diesem Abend nur etwa
90 Zuschauer da, aber es ist kühl geworden und das Stück
läuft schon eine Saison. Die Gelassenheit wird von einem russischen
Künstler unterbrochen, der sich die Räume im Klub Hecht
für eine Ausstellung ansehen will. Berger sieht die Zukunft
für das Freilufttheater und sich selbst positiv, da es hier
eine gesunde Mischung aus Stabilität und Chaos und vor allem
viel Engagement gibt.
Text
und Foto: Falk Hensel
Weitere
Informationen:
Tel. / Fax: (0351) 804 73 78
www.theaterruine.de
bzw. www.rocktheaterdresden.de
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