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Die
Seele der Steine spüren
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Martina
Künzel
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Das
wichtigste Ereignis im Leben von Martina Künzel war wohl ihre
Geburt. Dieser Satz ist eigentlich als Stilblüte bekannt. Hier
aber trifft er den Kern. Viel zu früh und mit einer halbseitigen
Lähmung kam sie zur Welt und verbrachte die ersten Wochen im
Brutkasten. Die Ärzte gaben ihr wenig Chancen. Aber sie kam
durch. Die Lähmung prägte dennoch die Kindheit. Vieles,
was die anderen Kinder konnten, blieb ihr verschlossen. Aber eben
nicht alles. Zum Beispiel Malen. Im Architektenhaushalt Künzel
war der Bleistift gängiges Werkzeug. So fand schon das Kind
Martina seine Liebe zu Papier und Farbe.
Mit neun Jahren besserte sich die Krankheit auf wundersame Weise.
Noch heute staunen die Ärzte. Wer der immer freundlichen und
sanften jungen Frau heute begegnet, merkt fast nichts mehr von einer
Behinderung. Daran hat sie hart gearbeitet. "Ich musste einen
starken Willen entwickeln und auch lernen, mich von Überflüssigem
zu befreien. Ich frage mich immer wieder: Brauchst du das oder jenes
wirklich? Und es ist erstaunlich, was tatsächlich alles wegzulassen
geht."
Erstaunlich auch, was sie dafür gefunden hat. Mit liebevollem
Selbstbewusstsein betreibt sie eine Galerie. Sie organisiert Seminare
und Veranstaltungen und sie gibt gern weiter, was sie gelernt hat.
Ihre große Leidenschaft sind Steine. Über ihr Architekturstudium
und die Malerei kam sie in den letzten Jahren immer mehr zur Bildhauerei.
"Mich reizt der Widerstand dieses Materiales. Jeder Brocken
ist anders, hat eine Seele und verhält sich anders. Ich versuche,
jeden Stein wie ein Lebewesen zu begreifen. Manchmal rede ich sogar
mit ihnen."
Und Wasser. Wenn Wasser und Steine aneinandergeraten, entsteht Sand.
Und aus Sand wurde mit Wassers Hilfe wieder Stein. Wasser als Lebenselixier.
Wasser als Symbol für Reinheit, Klarheit, fließende Energie.
Was liegt da näher als das Objekt Brunnen. Die meisten Steine,
die Martina Künzel bearbeitet, werden zu Brunnen. Die Quelle
sprudelt. Sie hat mit der Zeit ihre eigene Religiosität gefunden.
Sie braucht dazu keine kirchlichen Institute und keine Gurus. "Ich
genieße Kirchen als heilige Plätze. Dann empfinde ich
intensiv das Gefühl der Freiheit. Aber Freiheit nicht als asozialen
Egoismus, sondern als die Möglichkeit, sich jederzeit so oder
eben anders zu entscheiden."
Sie gehört glücklicherweise nicht zu den "Spirituellen",
die permanent auf der Suche nach sich selbst sind. Ihre "Geistigkeit"
ist Basis oder Hintergrund ihres Lebens, nicht dessen Inhalt. Der
ist ziemlich hart, und wenn es die Zeit erlaubt, nimmt sie Hammer
und Meißel und schlägt zu. (ReS)
Galerie
GAIA, Louisenstraße 72. Öffnungszeiten von Dienstag bis
Freitag, 14:00-20:00. Webseite
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