
Andre
Förster |
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"Ma
Chérie" am Lutherplatz
Namenspatronin
für seine Kneipe ist die etwa zehn Jahre alte schwarze Labrador-Mischlingsdame
Chérie, die den Betrieb um sie herum mit Geduld erträgt.
Seit dem Juli letzten Jahres betreibt Andre Förster das "Ma
Chérie" am Lutherplatz 4.
Er wurde 1967 in Bautzen geboren. Nach der Schule war er für
einige Zeit in Berlin, im Wachregiment "Feliks Dzierzynski".
Danach begann er in Leipzig ein Studium des Journalismus und der
Geschichte, dazu gehörte auch ein Volontariat beim Rundfunk
der DDR. Doch das "Rote Kloster" wurde im Zuge der Wende
abgewickelt. Also jobbte er zunächst in einer Kaufhalle. Für
Sachsenradio verfasste er später Nachrichten und Reportagen
und war für die Öffentlichkeitsarbeit der Stadtverwaltung
in Bautzen verantwortlich. Sein Interesse an politischen Inhalten
im Rundfunk war auch der Grund dafür, Angebote von MDR info
in Leipzig und danach von MDR Radio 1 anzunehmen. Hier war er von
1992-95 Nachrichtenredakteur. Doch das Biedenkopftreue Klima und
die personelle Fortsetzung des DDR-Rundfunks dort störten ihn
und so ging er. Während seiner Zeit beim Rundfunk hatte er
nebenbei gekellnert, zuerst im alten Reiter, später im Stadtteilhaus
und im Reiter auf der Görlitzer. Andre Förster war zwischendurch
auch Hausbesetzer auf der Martin-Luther-Straße. Mit dem Ziel
Häuser zu retten, wurde 1995 eine Demo zum Rathaus organisiert.
Als dabei nach einigem Gerangel die Goldene Pforte leichten Schaden
nahm, berichtete die Morgenpost von einer "Horde mit bunten
Haaren", die sie verwüstet hätten. Als Reaktion darauf
überreichte eine Neustädter Delegation mit bunten Perücken,
darunter Andre, dem damaligen OB Wagner im Stadtrat einen Scheck
über fünf Neustadtmark, die dieser auch annahm.
Es folgten der Ausbau eines Fahrgastschiffes, das durch das Eis
auf der Elbe im Winter 2000/01 sank, und Jobs als Dachbegrüner
und Partyveranstalter auf der Straße E.
Am Luther-Platz, wo Förster wohnt, gab es eine leerstehende
Kneipe, deren Räume auch schon als SERO-Annahmestelle und Schnapsladen
gedient hatten. Ein anderer Anwohner hatte die Lutherklause in größeren
Abständen immer mal wieder für ein kleineres Publikum
und private Feten geöffnet. Für Andre ergab sich die Möglichkeit,
eine völlig neue Kneipe zu eröffnen, ohne das alte "Nahkampfdielen"-Image,
wie er beschreibt. Deshalb auch die Umbenennung in "Ma Chérie".
Nach und nach wurde innen alles neu gestaltet.
Heute trifft man hier ein gemischtes Publikum. Zwischen den jungen
Neustädtern und Studenten sitzen auch Unikate wie der frühere
Betreiber des "Goldenen Hufeisen", der ehemalige Big-Band-Schlagzeuger
Herbert oder Hertha aus dem Nebenhaus. Man kommt gut miteinander
aus. Ein Grund dafür dürfte wohl das "Moderieren"
von Andre sein, der sich auch mal zu seinen Gästen setzt, wenn
der Andrang es zulässt. Nebenbei versorgt er Stammgäste
zum Beispiel mit Brombeeren, die im Hof (mit der größten
Sonneblume vom Lutherplatz) wachsen oder bringt Bekannten was vom
Großeinkauf mit.
Die Preise bewegen sich am unteren Rand des Machbaren, sagt Andre.
So kostet ein Freiberger 1,60 €. Außer Getränken
gibt es Baguettes, am Wochenende auch gegrillte Wurst und Steaks.
Geöffnet ist meist solange Gäste da sind. Danach hat auch
Chérie, die sich bei all zu viel Trubel gern mal verzieht,
ihr Herrchen wieder für sich.
Text u. Foto: Falk Hensel
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