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Viel
Himmel über Dresden
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Christiane
Mennicke
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Am
Anfang stand die Frage: Wie entsteht Gegenwartskunst? Auf den Erkenntnis-Schock
über die oft unglaubliche Alltäglichkeit des modernen
Kunstschaffens folgte Neugier, dann die ersten eigenen Gehversuche
als Kuratorin in Berlin und Hamburg. Heute bezeichnet sie sich selbst
als Überzeugungstäterin - Christiane Mennicke, Jahrgang
69, freischaffende Kuratorin, Kunsthistorikerin und seit Anfang
April neue Chefin im Kunsthaus Dresden.
"Windstöße",
so der Titel ihrer ersten Ausstellung, die ab 22. Mai in den Räumen
des Kunsthauses zu erleben ist. Für die gebürtige Hamburgerin
nicht der erste Versuch, das Dresdner Publikum zu gewinnen. 2002
setzte Kuratorin Mennicke mit dem mobilen Ausstellungsprojekt "Info
Offspring Kiosk" deutliche Akzente. Der Dresdenaufenthalt hinterlies
seine Spuren, auch bei Mennicke. Dresden sei eine der Städte,
die auf ihrer Wahlheimat-Wunschliste weit oben stünden, sagt
sie. Harald Kunde, langjähriger Kunsthausleiter wechselte ins
Aachener Ludwig Forum, Christiane Mennicke füllte das Vakuum
der städtischen Galerie.
Am
meisten gefalle ihr an der Elbestadt, dass man hier so viel Himmel
sehen könne. Viel Platz gebe es, offene Räume und ein
unmittelbares Nebeneinander von Moderne und historischen Bauten
- beste Bedingungen zum Atmen und Durchlüften. Geradezu programmatisch
dafür steht auch "Windstöße", mit denen
Christiane Mennicke die Türen des Kunsthauses erneut aufstoßen
möchte. Das Haus in der Rähnitzgasse sei nicht nur etwas
"Ummauertes", sondern vielmehr ein Stätte, die von
Arbeit und Leben erzählen könne. Und von diesem Ort ausgehend,
stellt sich die Kunsthausleiterin den Weg hinaus in die Stadt vor.
Wichtig sei ihr die Auseinandersetzung mit stadtberührenden
Themen. Jedoch sollten sich Projekte nicht auf Dresden verengen,
sondern von der Stadt ausgehend zu generellen Diskussionen und Rückschlüssen
führen, die auch anderswo ihre Gültigkeit besitzen können.
Ob
die Dresdner und die Besucher der Stadt dem Ansinnen Mennickes
folgen werden, kann spätestens an dem am vergangenen Mittwoch
mit "Public Sampler - Projektion I" eröffneten Gemeinschaftsprojekt
"Dresden
Postplatz" ermessen werden, das von Mai bis Oktober dieses
Jahres in
fünf Teilprojekten mit Filmen, Vorträgen und Workshops
am Postplatz
neue Wege einschlägt. Zentrale Frage dabei: Welche Folgen haben
die
verschiedenen Faktoren wie beispielsweise Mobilität, Architektur
oder Denkmalpflege, die unser Leben in der Stadt und die Nutzung
öffentlicher Räume bestimmen?
Wichtiges
Anliegen der Arbeit Mennickes ist die Kunstvermittlung. Ausstellungskonzeptionen
sind erst dann gut, wenn sie in der Lage sind, zu vermitteln, so
die 33-jährige. Ihre documenta-Mitarbeit 1997 habe ihr auch
in dieser Hinsicht das nötige Rüstzeug verpasst. Novum
der Ausstellung "Windstöße" wird eine Videoarbeit
zweier isländischer Künstlerinnen sein, die gezielt für
Kinder erdacht wurde. Mennicke wagt damit einen Vorstoß in
Tabu-Zonen, die ihrer Ansicht nach aufgebrochen werden sollten.
Zeitgenössische Kunst sei für viele Erwachsene etwas Elitäres
und Unverständliches, dem man aber mit gezieltem Heranführen
bereits im Schulalter begegnen könne. In Zukunft soll es im
Kunsthaus noch weitere solcher Projekte geben, denn eine ihrer Aufgaben
sieht Christiane Mennicke darin, neue Impulse in die Dresdner Kunstlandschaft
hinein zu tragen, und nicht Bestehendes nur zu bestätigen.
Ideal sei, wenn bei Betrachtung eines Kunstwerk im Kopf etwas "Neues"
entstehe. Das zu erreichen, sei nicht einfach. Für Mennicke
wohl der Lebensmotor. So bleibt es immer wieder spannend, wie eine
Ausstellung oder ein Kunstwerk auf den Betrachter wirke. Eine Ausstellung
zu kuratieren, sei eben nie ein Job auf sicherer Seite.
Text
+ Bild: Michael Matthes
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