Porträt des Monats: Jörg Stübing
März 2003

Stübings Best

 

Jörg Stübing

Einen Kaffee oder Tee kann hier jeder bekommen, der länger bleibt. Egal, ob man intensiv im Angebot stöbert oder sich vom Maler porträtieren lässt. Jörg Stübing will in seinem Laden auf der Louisenstraße 37 nicht nur Bücher verkaufen, sondern darüber hinaus eine Atmosphäre vermitteln, die zum Wiederkommen einlädt.

Stübing wurde 1964 in Magdeburg geboren. Nach einer Lehre als Maschinenbauer studierte er zunächst an der TU Dresden - eben Maschinenbau. Da dies für ihn keine Erfüllung war, folgte ein Studium der Philosophie, Politik und des Editionswesens in Leipzig. Hier war er auch an der Herausgabe der Marx-Engels-Gesamtausgabe beteiligt. Als Doktorand arbeitete er vier Jahre an der Uni der Messestadt. An diese Zeit erinnert er sich gern, da ihm diese Tätigkeit viel Spielraum ließ. Der Abschluss der Dissertation steht immer noch aus. Von 1990 bis 1995 lebte er in einer Landkommune nahe Altenburg. Dort wurde auch der "Blues im Kuhstall" ins Leben gerufen, zu dem regelmäßig auch Leute aus Dresden anreisten. Nach einer Trennung verschlug es ihn erneut nach Dresden, wo er sich mit verschiedenen Jobs über Wasser hielt. Beim Möbeltragen geriet er zufällig in die leerstehende Lagerhalle von Dentalkosmetik neben der Groove-Staion. Ein Bekannter wollte dort einen Laden für Second-Hand-Möbel aufmachen. Jörg Stübing schwebte eher eine Galerie mit Werkstatt vor. Diese Idee setzte er dann auch um. Die Halle wurde 1998/99 umgebaut. Dabei konnte er sich auf die Mithilfe von Freunden verlassen, so wurden zum Beispiel gemeinsam vom Straßenbahnhof Mickten Glasplatten abgebaut und in die Katharinenstraße geschafft. Seit 1999 gibt es Ausstellungen im "Treibhaus". Die Galerie betrieb Stübing zunächst mit einem Partner, später allein. Seit Dezember 2001 befindet sie sich in den Händen eines Vereins, dessen Vorsitzender er ist. Schon im Herbst 2001 wollte Stübing den Buchladen "Vielfalt" in der Louisenstraße übernehmen. Doch mit dem Besitzer Kava Kadr konnte er sich nicht einigen. Nachdem er unter anderem nach vierzehn Tagen bei einer Werbefirma aufhören musste, die bescheinigte, dass er nicht teamfähig sei, kam ein neues Angebot zur Übernahme des Ladens. Jetzt wurde man sich einig, eine Bank gewährte einen Kredit. Einer Neueröffnung stand nur noch die rigorose Umgestaltung des Ladens im Weg. Mit Hilfe eines befreundeten Tischlers wurden sämtliche Regale und Auslageflächen neu gestaltet. Der Hof war für Wochen Werkstatt.

Der Name "Büchers Best" steht für das Programm, das Stübing verfolgt. Es soll nicht alles angeboten werden, was auf dem Markt ist, sondern ausgewählte Literatur, die bei der Neustädter Klientel ankommt. Anders als die großen Buchläden in der Innenstadt bietet er auch ein umfangreiches Antiquariat, das vom DDR-Taschenbuch bis zu alten Kunstbänden reicht. Ein besonderer Service ist zudem die Recherche nach sonst nicht lieferbaren Büchern. Auch auf ungenaue Angaben hin sucht Jörg Stübing nach dem Gewünschten und konnte schon viele Kunden zufrieden stellen. Demnächst soll es auch einen Versand geben. Durch diesen Service hat er weder vor den großen Buchhandelsletten noch Anbietern im Internet Angst. Gegenüber dem alten Laden konnte er den Umsatz schon deutlich steigern.

Einen Kaffee bekommt auch die junge Frau, die am Tisch vor dem Fenster Platz nimmt. Sie wartet auf den Maler Leonard Georges, der seit einiger Zeit im Laden Porträts zeichnet.


Text und Foto: Falk Hensel

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Copyright 2001 Dresden Neustadt Online * Stand: 03.03.2003