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Mitte
der 90er Jahre wurde auf Grundlage eines 1992 durchgeführten
Wettbewerbes zum Regierungsviertel ein Rahmenplan für die Innere
Neustadt aufgestellt. Er orientierte sich in starkem Maße
an den historischen Strukturen und stellte einen Großteil
der zu DDR-Zeiten errichteten Plattenbauten zur Disposition. Auf
Grund von Anwohnerprotesten wurde die weitere Durcharbeitung des
Rahmenplanes vorerst jedoch nicht weiter verfolgt. Erst mit dem
dringender werdenden Handlungsbedarf kamen erneut Überlegungen
auf, die bisherige Planung praxistauglich zu überarbeiten und
dabei auch eine stufenweise Realisierung zu berücksichtigen.
Dieser schwierigen Aufgabe entsprechend wurde Ende vergangenen Jahres
eine "Denkwerkstatt" angeregt, bei der acht eingeladene
Architekturbüros ihre eigenen Vorstellungen präsentieren
konnten, ohne daß diese in einem direkten Vergleich miteinander
standen. Wir wollen die Entwürfe, die vom 11. bis 27. April
öffentlich gezeigt wurden, etwas näher vorstellen. Die
Erläuterungen entsprechen den Begleittexten der Ausstellung.
Knerer und Lang:
"Der
konsequent und auf hohem Niveau durchgearbeitete Entwurf zeichnet
sich vor allem durch die Respektierung und subtile Ergänzung
der Plattenbebauung bei gleichzeitiger Berücksichtigung der
Ziele der Pahmenplanung aus. Weitere Stärken liegen in der
thematisch untersetzten, reizvollen Raumfolge vom Palais- zum Carolaplatz,
der Orientierung der künftigen Fleischergasse sowie der Ergänzung
des Jägerhofes und dessen Orientierung zum künftigen Beaumont-Platz.
Die Bebauungstypologie östlich der Hauptstraße bis zur
Kasernenstraße erscheint als tragfähige städtebauliche
Interpretation und funktionale Weiterentwicklung der früheren
Stadtstruktur und sollte untersetzt werden. Offene Fragen bleiben
hinsichtlich der Ausbildung des Carolaplatzes, bei dem die östlich
anschließende Entwicklung nicht hinreichend berücksichtigt
wurde, des unvollständigen Verkehrskonzeptes sowie den vorgeschlagenen
Maßnahmen in den Stufenplänen."
Architekt Albert in AG Kulturbauten:
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"Das
Plangebiet wurde insgesamt solide und qualitätvoll durchgearbeitet.
Die Arbeit zeigt einen sachlichen, klaren Blick sowohl auf das Mögliche
als auch das Notwendige. Anzuerkennen ist der verantwortliche Umgang
mit der bestehenden Plattenbausubstanz unter Beibehaltung der wesentlichen
Ziele der bisherigen Rahmenplanung. Zur besseren räumlichen
Verflechtung der einzelnen Teilbereiche innerhalb des betrachteten
Stadtgebietes wurde nur an wenigen Stellen zurückhaltend eingegriffen.
Allerdings wird auch bei dieser Arbeit das Vorrücken der südlichen
Kopfbebauungen gegenüber der konvergierenden Bauflucht Hauptstraße,
quasi als Tormotiv im Übergang zum Neustädter Markt, städtebaulich
kritisch eingeschätzt. Positiv ist des Weiteren die Raumfassung
des Neustädter Marktes, die Einordnung der Kopfbauten am Archivplatz
und die damit verbundene ansatzweise Fassung der Albertstraße
hervorzuheben. Interessant ist die städtebauliche Führung
zum Jägerhof und dessen bauliche Arrondierung. Noch zu lösende
Aufgaben hält die praktische Umsetzung des städtebaulichen
Konzeptes, insbesondere die Übergänge zwischen neu geplanter
Bebauung und Bestand im Bereich des Neustädter Marktes bereit.
Die Ausbildung der westlichen Raumkante des Carolaplatzes muß
in Hinblick auf die städtebauliche Korrespondenz mit der gegenüberliegenden
Platzkante kritisch geprüft werden."
Architekturbüro Stephan Hänel:
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"Der
Entwurfsbeitrag hebt sich durch eine qualitativ hochwertige inhaltliche
und gestalterische Gesamtdarstellung hervor. Besondere Stärken
des Entwurfes liegen in der Raumfassung der Albertstraße und
einhergehend des Carola- und Archivplatzes. Zur Kompensierung fehlender
Stellplätze wird die Überbauung der Gleistrasse mit Parkhäusern
vorgeschlagen. Weitere Qualitäten sind in der stringenten Ausbildung
der Ost-West-Verbindungen mit abwechslungsreichen Raumfolgen sowie
der baulichen Arrondierung des Jägerhofes zu erkennen. Kritische
Aspekte sind die Eingriffstiefe in die bestehende Plattenbebauung,
überdies mit teilweise marginalen städtebaulichen Korrekturen,
die spitzwinklige Eckausbildung der Neubaufelder am Neustädter
Markt sowie das Ausrücken der südlichen Kopfbebauungen
gegenüber der konvergierenden Bauflucht Hauptstraße,
quasi als Tormotiv im Übergang zum Neustädter Markt. Die
strenge lineare Führung der künftigen Fleischergasse und
deren genaue Orientierung auf das Japanische Palais, die offenen
Glasfassade des Neubaufeldes am Carolaplatz sowie die angerenzende
Erschließung bedürfen der weiteren Untersuchung."
Zumpe - Düsterhöft - Richter:
"Das
in sich schlüssige Konzept weicht im östlichen Bereich
durch seine Orthogonalität grundhaft vom städtebaulichen
Ansatz des Rahmenplanes ab. Der daraus resultierende stadtstrukturelle
Gewinn überzeugt nicht. Die mangelnde Orientierung der wichtigen
Achsen auf die Hauptplätze, die Figuration und zu erwartende
räumliche Wirkung der auf dem Neustädter Markt eingestellten
Solitärbauzkörper sowie die bauliche Dichte und Erschließung
nördlich der künftigen Fleischergasse lassen städtebauliche
Fragen offen. Die Lage des zentralen Parkhauses im Binnenbereich
des Blockes zwischen Haupt- und Albertstraße sowie dessen
Erschließung über die Wiesentorstraße wird kritisch
eingeschätzt. Der städtebaulich gewünschte Übergang
zum östlich anschließenden Regierungsviertel wurde vor
allem im Bereich des Carolaplatzes nicht beachtet."
Meyer und Bassin Architekten:
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"Der
Beitrag zeichnet sich durch eine konsequente Gesamtdurcharbeitung
auf hohem Niveau aus. Auch diese Arbeit verfolgt die stärker
maßstäbliche Raumbildung des Neustädter Marktes
und verdeutlicht den Konflikt der Überlagerung mit dem weiterzuverfolgenden
Konzept der strahlenförmig vom Hauptplatz ausgehenden Radialen.
Obwohl die entstehenden Binnenräume räumlich beherrscht
erscheinen, überwiegen Bedenken von künftigen, funktional
rückseitigen Zonen. Positive Ansätze der Arbeit liegen
weiter in dem verantwortlichen Umgang mit der Plattenbausubstanz,
der strukturell neuen Bebauungstypologie östlich der Hauptstraße
bis zur künftigen Kaserenenstraße, der städtebaulichen
Akzentuierung mittels Kopfbau zum Palaisplatz sowie der aufgezeigten
gestalterischen Erweiterung der Platzfläche des Neustädter
Marktes bis zum Blockhaus. Offene Fragen bleiben aus städtebaulicher
Sicht bezüglich der funktionalen Anbindung und der städtebaulichen
Bezugnahme des östlich anschließenden Regierungsviertels
im Bereich Carolaplatz und Albertstraße."
GRAS Gruppe Architektur und Stadtplanung:
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"Die
grundsätzliche Stärke der Arbeit liegt in der Ausformung
der kleinteilig differenzierten Stadtstruktur. Der Entwurf geht
von einer stärkeren Anlehnung an die Historie aus, als dies
der Rahmenplan getan hat. Besonders positiv ist hierbei die Ausbildung
und Platzfassung des Neustädter Marktes mit einem bewußten,
subtilen Abweichen von einer zu strengen Symmetrie und die differenzierte
Ausformung der Radialen hervorzuheben. Die Eingriffe in den Plattenbaubestand
sind unterschiedlich tief vorgesehen, vor allem westlich des Neustädter
Marktes gering gehalten. Durch den Abbruch der zwei Plattensegmente
zum Carolaplatz wird eine interessante Blickbeziehung eröffnet,
da der Turm der Dreikönigskirche vom Carolaplatz erlebbar wäre.
Offene Fragen bleiben hinsichtlich der Funktionalität und Belichtung
der kleinteiligen Blockstruktur, der hochbaulichen Ausformung der
Baublöcke und deren schrittweisen Anbauten sowie im Wohnwert
der verbleibenden Wohneinheiten am Neustädter Markt. Die funktional-räumliche
Vernetzung zwischen den Bereichen westlich und östlich der
Hauptstraße und die Zwischenlösungen entsprechend Stufenplan
sind städtebaulich nicht überzeugend."
Höhne + Langenbrunner:
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"Der
Entwurfsbeitrag zeichnet sich durch eine maßstäbliche
Platzfassung des Neustädter Marktes aus. Gleichermaßen
entstehen aber gerade dadurch Probleme der städtebaulichen
Führung, da die zu entwickelnden radialen Achsen undefiniert
im rückwärtigen Binnenraum und nicht auf den Hauptplatz
münden. Die städtebaulichen Vorteile des aufgezeigten
Entwurfsansatzes gegenüber dem auf den Hauptplatz mündenden
Achsenkonzept des Rahmenplanes überzeugen abschließend
nicht. Lebendig-atmosphärische Skizzen verdeutlichen den gestalterischen
Umgang in teilräumlichen Situationen, allerdings bleibt der
zusätzliche Rückbau der oberen Geschosse beim Durchgang
zum Archivplatz/ Albertstraße fragwürdig und aus Sicht
der Eigentümer inakzeptabel. Offene städtebauliche Fragen
bleiben bei der Erweiterung des Jägerhofes und der Ausbildung
von Carola- und Archivplatz. Der mittelfristig in der Zwischenstufe
vorgesehene rudimentäre Achsenstumpf der Kasernenstraße
ist unbefriedigend. Eine überzeugende Führung der gewünschten
Ost-West-Vernetzung ist mittelfristig anhand der Zwischenstufe nicht
erkennbar."
Arbeitsgruppe Mehlhorn, Schope, Aron, Herrich:
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"Der
Wert des Beitrages liegt in seinem analytischen Teil und dem resultierenden
Ansatz aufzuzeigen, einen historischen Auftakt des zentralen Neustädter
Brückenkopfes sowie Altendresdens mit Hilfe des schrittweise
wiederzuerrichtenden Neustädter Rathauses zu formulieren und
gleichzeitig Blickachsen von und zur Altstädter Silhouette
zu berücksichtigen. Im Ergebnis gelingt es nicht, den Neustädter
Markt als städtebaulich-gestalterisches Gesamtensemble mit
der anzustrebenden Konsequenz und Homogenität zurückzubauen.
Zu heterogen bleiben die Platzkanten in Form des barocken Rathauses,
der erhaltenen Plattenbebauung und der versetzten Solitärbebauung.
Die Eingriffstiefe in die Plattenbausubstanz ist insgesamt bedenklich,
der angedachte kurzfristige Wiederaufbau des Neustädter Rathauses
ist in Anbetracht des Sanierungsfortschrittes an der berührten
Plattenbausubstanz als mittelfristig nicht umsetzbar einzuschätzen.
Die lineare Führung der künftigen Fleischergasse und die
modifizierte Einmündung der Kasernenstraße auf den Archivplatz
unter dem Primat einer Funktion als Sichtachse auf wesentliche Hauptportale
sind städtebaulich zu überprüfen. Offen bleiben die
Fragen der Erschließung und des ruhenden Verkehrs."
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