Thema: Die Neustädter Markthalle

Die Wiedereröffnung der Neustädter Markthalle

Lange hat es gedauert, nun ist es soweit: Mit der Wiedereröffnung der Neustädter Markthalle am 28. November 2000 stehen nicht nur weitere 4.500 Quadratmeter Einkaufs- und Gewerbefläche in der Neustadt zur Verfügung, gleichzeitig erfüllt das Gebäude nach Jahrzehnten der Unterbrechung und des provisorischen Betriebes nun im Ganzen wieder die Funktion, für die es vor über 100 Jahren geplant und gebaut wurde.

Die 1899 eingeweihte Markthalle hat den Grundriß einer dreischiffigen Basilika. Sie ist 86 Meter lang und 30 Meter breit und besaß mit ursprünglich 213 Verkaufsständen große Bedeutung für Händler und Einkäufer.

Innenansicht November 2000

Durch einen Bombentreffer wurde 1945 der östliche Teil bis auf die Außenmauern zerstört. Im erhalten gebliebenen westlichen Teil konnte nach dem Krieg und der Beseitigung kleinerer Schäden der Handel weiter betrieben werden. Dort richtete der Konsum im Jahre 1967 eine SB- (Selbstbedienungs-) Kaufhalle ein. 1982 wurde sie in den neu gebauten östlichen Teil (s. Beitrag unten) verlegt, der alte Teil blieb Lager. Mit der Zeit begannen einzelne Bauteile der alten Substanz zu verfallen; dringendes Handeln war geboten. Noch zu DDR-Zeiten wurde an den Planungen zur Sanierung des alten Markthallenteiles gearbeitet, die Durchführung scheiterte jedoch an wirtschaftlichen Engpässen sowie nach 1989 an ungeklärten Eigentumsverhältnissen. Ab 1997 begann der Konsum Dresden als neuer Eigentümer nach Möglichkeiten zur Reaktivierung der Markthalle zu suchen. Nach der erfolglosen Zusammenarbeit mit einem fremden Entwicklungsträger entwarf der Konsum Dresden in eigener Regie ab 1999 ein Nutzungskonzept. Nach Vorlage der Ausführungsplanung, für die IPRO Dresden unter der Leitung des Architekten M. Fasold beauftragt wurde, und nach Einholung der erforderlichen Genehmigungen konnte am 14. Februar 2000 mit der Realisierung des insgesamt ca. 19 Millionen teuren Projektes begonnen werden. Die Wiederherstellung des Innenraumes in seiner ursprünglichen Größe schied aus Kostengründen aus. Die Einbauten aus den achtziger Jahren blieben erhalten und wurden mit dem historischen Hallenteil räumlich unter einem Dach (das im östlichen Teil erneuert werden mußte) zusammengefaßt und optisch durch eine Glaswand voneinander getrennt.

Das früher nur als Abstellfläche und im Krieg als Luftschutzraum dienende Kellergeschoß wurde in die neue Nutzung integriert und durch die teilweise Öffnung der Kellerdecke in das räumliche Gefüge des Halleninnenraumes eingebunden. Im alten Markthallenbereich erfolgte eine den technischen Erfordernissen und dem "Geschmack" der heutigen Zeit angepaßte Sanierung unter Wahrung und Einbeziehung des Bestandes.

Blick von der Galerie in das geöffnete Kellergeschoß

Ob die Markthalle sich zum dauerhaften Publikumsmagnet in der Neustadt entwickeln wird, bleibt abzuwarten. Das öffentliche Interesse ist jedenfalls groß, wie die Besucherresonanz beim Richtfest im August bewies.


Markthalle und Blockhaus

Wieder erstrahlt ein Stück Innere Neustadt in neuem Glanze. Es erscheint uns beinahe selbstverständlich, dass ein solches Bauwerk im Herzen Dresdens wieder zu neuem Leben erweckt wird. Umso weniger erinnert man sich an jene Tage, an denen mit zahlreichen Baudenkmälern unserer Stadt noch recht verantwortungslos umgegangen wurde. Auch der Markthalle sollte erst ein ähnliches Schicksal widerfahren. 1976 plante die Stadt das Anbringen einer Vorhangfassade, um das kriegsbeschädigte Gebäude wieder nutzbar zu machen. Jedoch den Bemühungen der Mitarbeiter des damaligen Institutes für Denkmalpflege ist es zu danken, dass sich der Stadtarchitekt nach einer Sitzung am 16.09.1977 entschloss, die Sandsteinfassade des Bauwerkes sichtbar zu erhalten.


Luftaufnahme von Westen, 30er Jahre

Die Dresdner, die ihre Stadt noch aus Tagen vor der Zerstörung kennen, wissen sicherlich, dass die Markthalle an beiden Giebelseiten von einer angrenzenden Bebauung umgeben war. Im Westen ist der Markthalle ein Kopfbau, repräsentativ zur Hauptstraße stehend, vorgelagert.

Der uns heute mittlerweile vertraute Ostgiebel existierte vorerst nicht, lediglich eine Brandwand schloss das Gebäude nach Osten und zur vormals angrenzenden Bebauung hin ab. Erst im Zuge der Rekonstruktion des Gebäudes ist der Giebel quasi als Ersatz für die im Krieg zerstörte Gebäudebegrenzung hinzu gekommen. Entsprechend dem Erscheinungsbild der Nord- bzw. Südfassaden wurde der Ostgiebel unter Berücksichtigung der Proportionen und Motive und unter Beachtung wirtschaftlicher und gebäudetechnischer Anforderungen nach 1978 errichtet.

Der neue Ostgiebel, Aufnahme von 1988

Zeitgleich schritten die Arbeiten am Blockhaus vor der Augustusbrücke voran. Bereits in den 60er Jahren gab es Überlegungen zur Rekonstruktion des Bauwerkes, wobei das Institut für Denkmalpflege vorschlug, die Architektur des Gebäudes auf den Zustand vor 1892/93 zurückzuführen. Der in dieser Zeit von den Architekten Ernst Sommerschuh und Gustav Adolf Rumpel durchgeführte Ausbau des Dachgeschosses sollte mit dem Hinweis auf deren ästhetische Unverträglichkeit zurückgebaut werden. Dazu gehörte auch das Entfernen der Figurengruppe des Nordgiebels. Auf Vorschlag des Institutes für Denkmalpflege wurde die Sandsteinarbeit nach Bergung und fachgerechter Aufarbeitung und Ergänzung auf dem Giebelfeld der Ostfassade der Markthalle aufgesetzt.

Die Figurengruppe,
einst auf dem Blockhaus ...
... und heute auf der Markthalle

Die Rekonstruktion des östlichen Teiles der Markthalle, die mit dem Fall der Gerüste im September 1986 beendet war, beinhaltete auch den Einbau von Zwischendecken. Der beabsichtigte Ersatz der Hallenbinder konnte abgewendet werden. Der westliche Teil des Gebäudes blieb infolge seiner Unversehrtheit von der Rekonstruktion der 80er Jahre unberührt und bietet heute einen imposanten Raumeindruck.


Text: J. Dudczak u. M. Matthes

Fotos: Fotothek der SLUB, Archiv Dresden Neustadt Online

 

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