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Blamage
für Stadtverwaltung und Ortsbeirat
Stadtverwaltung spielt Katz
und Maus mit dem Ortsbeirat - keine Einigung beim Umbau der Straßen
in Sicht
von Lutz-Wolfram
Reiter
Furios ging
es gestern (am 13.6., Anm.d.R.) zu. Bei der Sondersitzung des Ortsbeirates
zum Thema Ausbau Rudolf-Leonhard-Straße/Tannenstraße hat der Ortsbeirat
seine Zustimmung zu den vorgelegten Plänen der Stadt verweigert.
Das Straßen- und Tiefbauamt stellte gestern zusammen mit dem zuständigen
Planungsbüro die aktuellsten Pläne zu den Umgestaltungen vor. Vertreter
der Bürgerinitiative (BI) "Wir im Hecht" nahmen dazu nochmals Stellung
und verwiesen auf die aus ihrer Sicht mangelhaften und strittigen
Planungsdetails. Der Ortsbeirat lehnte nach einer lebhaften Diskussion
eine Entscheidung über die Planung ab. Zur Begründung hieß es, die
bisherigen, vorliegenden Unterlagen ließen es nicht zu, nachzuvollziehen,
welche Punkte nun noch zwischen BI und Stadtverwaltung strittig
sind und wie mit diesen weiter verfahren wird. Ebenso seien die
gemeinsam entwickelten Lösungen nicht nachvollziehbar. In einer
weiteren Sondersitzung wird sich nun das Gremium zu den strittigen
Punkten äußern, wenn bis dahin der aktuelle Planungsstand aufbereitet
und nachvollziehbar den Ortsbeiräten vorliegt.
Schon zum sechsten
Mal befaßte sich der Ortsbeirat mit dem "heißen" Thema Ausbau Rudolf-Leonhard-Straße/Tannenstraße.
Nach der letzten ordentlichen Sitzung vor zwei Wochen, bei der eigentlich
über die aktuellsten Pläne abgestimmt werden sollte, fand nun eine
Sondersitzung im Bürgersaal des neuen Ortsamtes statt. Der Ortsamtsleiter
Manfred Künzel rief zum Beginn der Sitzung den bisherigen Verlauf
und die bisherigen Beschlüsse in dieser Angelegenheit den Anwesenden
in Erinnerung. So hatte der Ortsbeirat in seiner letzten Sitzung
beschlossen, die damaligen Anregungen der BI im Sinne der vorgesehen
Bürgerbeteiligung in die Planungen einfließen zu lassen. Ebenso
empfahl der Rat, die Arbeiten an der Tannenstraße bis zur Klärung
der Angelegenheit zu stoppen.
Zu diesen Punkten
nahm der Leiter des Straßen - und Tiefbauamtes Reinhard Koettnitz
Stellung. Koettnitz, der bei der Sitzung vor zwei Wochen sich und
seine Mitarbeiter kurzfristig entschuldigen ließ, da die aktuellen
Planunterlagen noch nicht fertig seien, bot diesmal einen ganzen
Pulk von Beratern auf. Neben dem zuständigen Planungsbüro mit drei
Mitarbeitern und dem Bauaufsichtsleiter waren noch weitere Fachleute
erschienen.
Nach Ansicht
des Straßen- und Tiefbauamtes seien alle bisherigen Beschlüsse des
Ortsbeirates in die Planung umgesetzt worden. Lediglich den empfohlenen
Baustopp hätte die Verwaltung nicht nachvollziehen können.
Das beauftragte
Planungsbüro stellte zur Unterstreichung des Gesagten die aktuellsten
Planungsgrundlagen vor. Die zuständige Sachbearbeiterin versuchte,
die gefundenen Lösungen von bisher strittigen Fragen zu verdeutlichen.
Schon nach
dieser Präsentation kam erste Kritik aus den Reihen der Ortsbeiräte
auf. "Das ist eine sehr mangelhafte Vorstellung, da nicht nachvollziehbar
ist, was die BI wollte und wie dieses in die Planungen eingearbeitet
wurde. Daher kann ich zu dieser Planung nichts sagen!" stellte Frau
Petra Gäbel von der SPD-Fraktion fest.
Als dann Holger
Mueller von der BI die aktuellen Planungen auf ihre Schwachstellen
und somit strittigen Punkte hin den Anwesenden vorstellte, war die
Verwirrung aller perfekt. In seiner Rede wies er ausdrücklich auf
die fehlende Bereitschaft der Stadtverwaltung hin, erarbeitete Alternativen
von der BI zu prüfen und in die Pläne einzuarbeiten. "Die Stadtverwaltung
hat bisher keine Gründe geliefert, warum unsere Vorschläge nicht
auszuführen sind".
Zur Untermalung
dieser Aussage wies Mueller beispielgebend auf die Straßenbreite
der Rudolf-Leonhard-Straße hin. Der Ortsbeirat hatte hier eine Fahrbahnbreite
von maximal 6 m gefordert. Die Stadt hatte in ihren Planungen diesen
maximalen Querschnitt angenommen, ohne jedoch Alternativen für einen
schmaleren Ausbau vorzustellen. "Ein Querschnitt von 6 m sind für
den Begegnungsfall LKW-LKW bei Tempo 30 völlig überdimensioniert"
betonte Mueller. Selbst die bundesweit geltende Richtlinie zur Bemessung
von Straßenbreiten verlange eine geringere Breite.
Ein weiterer
strittiger Punkt aus Sicht der BI ist die bisherige Planung der
Rudolf-Leonhard-Straße aufgrund der im Vorfeld ausgewählten Straßenlaternen.
Deren Standorte haben die bisherige Anordnung der Stellplatzflächen
beeinflußt. "Die Stadtverwaltung hat zuerst die Beleuchtung ausgesucht
und danach die Straße geplant und nicht umgekehrt, wie es sonst
üblich ist" sagte Mueller. So sei die Verwaltung bisher auch nicht
bereit gewesen, den Lampentypus oder die Variante Hängelampen zu
überdenken.
Den angesprochenen
Punkten der BI entgegnete Koettnitz lapidar, daß dies Punkte bereits
im Vorfeld behandelt wurden und Protokolle mit Stellungnahmen der
Verwaltung vorliegen. "Wir sind auf Sie zugegangen. Bedauerlicherweise
wollten Sie keinen Konsens finden, das Ganze in umfassender und
angemessener Form umzusetzen" faßte Koettnitz den bisherigen Verlauf
der gemeinsamen Arbeit zusammen. Und ergänzte seine Ausführungen
"Ich gehe davon aus, daß Sie eine wunderschöne Straße bekommen,
um die Sie andere Stadtteile beneiden werden".
Nach einer
weiteren Stellungnahme eines betroffenen Unternehmens über die bisher
nicht erfolgte Einbeziehung der Gewerbetreibende und Grundstücksbesitzer
seitens der Stadt meldeten die verunsichert wirkenden Ortsbeiräte
sich zu Wort. Herr … Boltz stellte klar formulierte Fragen an die
Stadtverwaltung, um Licht in die verfahrene Situation zu bekommen.
So stellte sich heraus, daß trotz bekannter strittiger Fragen seit
dem 3. Mai keine weiteren Gespräche der gemeinsamen Arbeitsgruppe
stattgefunden hatten. Einen Grund dafür wurde von den Verantwortlichen
nicht genannt. Ebenso konnte Koettnitz auf die Bitte, inhaltliche
Kritik an den Vorschlägen der BI zu äußern, nur schweigen.
Diesem Schauspiel
entgegnete Boltz mit der Bemerkung, daß es die Stadt als verantwortliche
Verwaltung nicht geschafft habe, in der bisherigen Zeit nachvollziehbare,
inhaltlich untersetzte Unterlagen zu den bestehenden Konflikten
dem Ortsbeirat zur Verfügung zu stellen. "Ich erwarte vollständige
Unterlagen mit diesem Standpunkt, dann mit dem anderen" forderte
der Ortsbeirat.
Auch Frau Gäbel
ließ ihren Frust über den bisherigen Planungsweg freien Lauf. "Ich
höre immer nur von der Stadtverwaltung: 'Es geht nicht, weil es
nicht geht'. Warum wird eine mögliche Alternative von der Stadt
nicht angestrebt?".
Selbst dem
Ortsamtsleiter Künzel wurde das Procedere zuviel. Es stellte fest,
daß in dieser Sache keine vorzeitige Bürgerbeteiligung seitens der
Stadt erfolgt und darum diese Angelegenheit nun so festgefahren
sei.
Den bisherigen
Verlauf seitens der Stadt brachte Herr Boltz auf den Punkt "Da haben
Sie [die Stadtverwaltung, A.d.R] uns benutzt, ihre Planungen zu
legitimieren". Und Herr Dr. … Schroeder ergänzte: "Wir haben uns,
Ortsbeirat und Verwaltung, in den Augen der Bürger blamiert".
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