Thema: Die Umgestaltung der Rudolf-Leonhard-Straße

An den Bürgern vorbeigeplant?

Das hatte sich die Stadtverwaltung wohl anders vorgestellt, als sie die Pläne zur Umgestaltung der Rudolf-Leonhard-Straße und des westlichen Teiles der Tannenstraße in der Sitzung des Ortsbeirates Neustadt am 7. Februar 2001 vorstellte.

Links: Die Rudolf-Leonhard-Straße, Blick vom Bischofsplatz

Denn die Anwohner und Gewerbetreibenden - sie waren zu dieser, als "Bürgerversammlung" deklarierten Veranstaltung vom Stadtplanungsamt eingeladen worden - machten von dem ihnen eingeräumten Rederecht Gebrauch und äußerten ihren Unmut bezüglich des zeitliches Ablaufes der Baumaßnahme und der vorgesehenen Gestaltung an sich.

Was ist geplant? - Die Rudolf-Leonhard-Straße auf ihrer ganzen Länge und die Tannenstraße zwischen Königsbrücker Platz und Königsbrücker Straße erhalten einen grundhaften Ausbau. Die neuen, mit Asphaltbelägen versehenen Fahrbahnen werden auf der Rudolf-Leonhard-Straße südlich des Königsbrücker Platzes mit einer Breite von 5,50 Meter ausgeführt, nördlich bis zur Stauffenbergallee und auf der Tannenstraße wegen der hier entlang geführten Schwerlasttransporte mit einer Breite von 6 Metern. An die Fahrbahnen schließen sich beidseitig gepflasterte Parkstreifen von jeweils 2 Metern Breite an. Die Gehwege bleiben in ihrer Ausführung mit Granitplatten unverändert. Auf der Westseite der Rudolf-Leonhard-Straße und der Nordseite der Tannenstraße wird eine neue Straßenbeleuchtung installiert. Baumpflanzungen sind nur am Königsbrücker Platz und auf der Tannenstraße in Ergänzung des vorhandenen Bestandes vorgesehen.

Mit den in zwei Abschnitte gegliederten Bauarbeiten soll nach den Vorstellungen des Straßen- und Tiefbauamtes am 17. April 2001 begonnen werden. Bis 24. Juni ist - unter Aufrechterhaltung eines halbseitig geführten Einrichtungsverkehrs - die Erneuerung der östlichen bzw. der nördlichen Fahrbahnhälften beider Straßen geplant. Daran schließt sich der zweite Bauabschnitt auf den gegenüberliegenden Straßenseiten an. Als Fertigstellungstermin für die gesamte Baumaßnahme wurde der 12. August genannt.

Doch der Zeitplan könnte sich verschieben. Der Ortsbeirat verweigerte seine Stellungnahme zu dem Bauvorhaben und setzte durch, daß dieses Thema bei der übernächsten Sitzung am 15. März noch einmal behandelt wird. Bis dahin soll den Bürgern und Betroffenenen die Möglichkeit gegeben werden, ihre Einwände schriftlich zu formulieren.

Diese bestehen zum einen wegen der Verringerung der Stellplätze um etwa die Hälfte gegenüber den jetzt vorhandenen. Zum anderen sieht die Planung keinerlei Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung der Rudolf-Leonhard-Straße vor. Im Gegenteil: Es wird befürchtet, durch den Ausbau noch mehr "Schleichverkehr" ins Hechtviertel zu ziehen. Die Gewerbetreibenden erwarten für die Zeit der Baumaßnahmen erhebliche Geschäftseinbußen, da nicht geklärt ist, wie die Warenanlieferung erfolgen soll. Sie schlossen sich zu einer Vereinigung zusammen, aus der mittlerweile eine Bürgerinitiative hervorgegangen ist: "Wir im Hecht".

Deren erste Versammlung am 20. Februar im Gemeindesaal der St.-Pauli Gemeinde war gut besucht. Die große Resonanz läßt vermuten, daß die jetzigen Planungen noch einmal überarbeitet werden müssen. Für den entstehenden Mehraufwand und die damit verbundenen Kosten (die Ausschreibung der Bauleistungen wurde bereits im Dresdner Amtsblatt veröffentlicht) muß sich die Stadtverwaltung den "Schwarzen Peter" selbst zuschieben. Denn sie hat es versäumt, die Bürger im Rahmen der gesetzlich vorgeschriebenen "Frühzeitigen Bürgerbeteiligung" (§ 137 des Baugesetzbuches) schon eher in den Planungsprozeß einzubeziehen.


Der geplante Querschnitt der Rudolf-Leonhard-Straße mit beidseitigem Längsparken


Die Gestaltung, wie sie von der Bürgerinitiative vorgeschlagen wird. Durch das einseitige Querparken würde sich die Zahl der Stellplätze erhöhen.


Text und Grafik: Jens Dudczak

Foto: Michael Matthes

zurück

 

Copyright © 1999/2000 Planetpark Future * Stand: 25.02.2001 * Tel.: +49 351 89960522