Ostertipp bei Dresden Neustadt Online

"KAREN" im PROJEKTTHEATER

Ein Zuschauerbericht

Vergangenen Sonntag gegen 20:00 nehme ich mit einem Freund auf der Zuschauertribühne des Projekttheaters Platz, um mir das Single- und Solo-Theaterstück "Karen" anzusehen. Da die Vorstellung nicht ganz ausverkauft ist, lasse ich dabei einen Stuhl zwischen mir und meiner Sitznachbarin frei, um mehr Platz zu haben und - ja - auch, um nicht aufdringlich zu wirken. Sofort werde ich von dieser durchaus attraktiven Frau um die 30 angesprochen und gefragt, warum, ich mich denn nicht direkt neben sie setzen würde. Ich murmle wohl etwas von "mehr Platz" und "bequemer" und so und bleibe beharrlich und etwas irritiert auf meinem Stuhl sitzen. Sie meint dann plötzlich, gehört zu haben, dass sie ihr im Parkverbot stehendes Auto wegfahren soll und fragt mich um Rat. Ich habe nichts dergleichen gehört und versuche gerade, etwas zu antworten, als die junge Frau aufsteht und die Sitzreihe in Richtung Bühne verlässt.
Da wird mir endlich klar, was mein grinsender Begleiter schon früher erkannt hat: Diese Frau spielt nur (mit mir) - sie ist die Darstellerin (Nicole Meier) des Theaterstücks und bereits mitten in ihrem Element!

Als Teilnehmerin einer imaginären bzw. von den Zuschauern dargestellten Selbsthilfegruppe klagt sie als Karen Wettmüller - Anfang 30 - ihr Leid:
In ihrem ansonsten recht ausgefüllten und erfolgreichen Leben fehle ihr doch eine Kleinigkeit zum Glück: Ein Mann!
Natürlich ist sie wählerisch. Da kann nicht jeder kommen. In kleinen Szenen spielt Karen der Gruppe ihre traumatischen Erlebnisse mit der Männerwelt vor. Von ihren Eltern und der Freundin sicher gut gemeinte Verkupplungsversuche sind jedesmal nur frustrierend. Was soll sie schließlich mit einem ihr hinterhechelnden und sabbernden "Hund" oder einem Schmalspurbahnschaffner?

Doch dann lernt Karen ihren Traummann kennen: Die Vertretung des Frauenarztes, der sie nicht nur nach ihrer Telefonnummer fragt, um ihr das Ergebnis der Untersuchung mitzuteilen, sondern auch, um sie zum Essen einzuladen. Ja, dieser Mann verdreht nicht einmal die Augen, als sie ihm im Restaurant gesteht, Vegetarierin zu sein (aber erst nachdem sie sich gezwungen hat, ein sie vom Teller anblickendes und zu ihr sprechendes Stück Tier zu verspeisen). Als sich dann auch noch die vermeintliche Ehefrau mit dem Kind als seine Schwester entpuppt, sollte man meinen, Karens Glück wäre perfekt. Doch bei der entscheidenden Begegnung benimmt sie sich dann derart daneben, dass der Traum (von einem Mann) zerplatzt...
...weshalb sie dann schließlich die Selbsthilfegruppe aufsucht.

Die Schweizerin Nicole Meier spielt die Personen alle selbst, teilweise mit schweizerdeutschem Akzent, wobei sie geschickt zwischen ihnen hin und herspringt. Alles, was sie an Requisite benötigt ist ein einfacher Stuhl, der dann auch schon mal für die frauenärztliche Untersuchung herhalten muss (übrigens einer der Höhepunkte des Stückes). Trotzdem ist die Handlung klar verständlich, äußerst lebendig und auch durchweg komisch.

Cory McLeod ist nicht nur Regisseur, er kümmert sich auch um die richtige Ausleuchtung (Herzchenlichterkette!) seiner Darstellerin und um die Toneffekte, soweit sie diese nicht selbst erzeugt. Der gebürtige Kanadier, der zuletzt in Südafrika gelebt hat und erst seit wenigen Monaten in Dresden weilt, hat dennoch auch neustadtspezifische Szenen mit in sein Stück eingearbeitet.

Neugierig?
Die nächsten Vorstellungen von "Karen" finden diese Woche von Gründonnerstag bis Ostersonntag (28.-31.03.) im Projekttheater, Louisenstraße 47, statt. Am Donnerstag und am Sonntag (Theatertag!) um 20:00, am Freitag und Samstag um 21:00. Telefon: 81 07 60



zurück

 

Copyright 2001 Dresden Neustadt Online * Stand: 26.03.2002 * Tel.: +49 351 8106617