Thema: Die Hakeburg in Kleinmachnow

Wem gehört die Hakeburg?

Südlich von Berlin liegt Kleinmachnow, eine Gemeinde, die sich in den vergangenen hundert Jahren zu einem beachtlichen Villenvorort der benachbarten Hauptstadt entwickelt hat. Hier, am Ufer des Machnower Sees, ließ sich Gutsbesitzer Dietloff von Hake auf familieneigenem Besitz zu Beginn des 20. Jahrhunderts einen herrschaftlichen Wohnsitz erbauen. Doch die sogenannte "Hakeburg" wurde dem Hausherrn bald zu teuer, und so verkaufte er diese samt Anwesen im Jahre 1937. Das Reichspostministerium erwarb die Anlage und richtete ein Forschungszentrum für funktechnische Zwecke ein, wofür weitere Gebäudekomplexe entstanden.

Nach dem Krieg nutzte erst die SED das Gelände für die Ausbildung ihrer Parteikader, später dann die DDR-Regierung als Gästeresidenz (mit so prominenten Besuchern wie Fidel Castro und Michail Gorbatschow).

Mit der Wiedervereinigung übernahm die Deutsche Telekom die Immobilie. Doch weder ließen sich deren hochtrabende Pläne zur Entwicklung eines neuen Produktionsstandortes mit mehreren tausend Arbeitsplätzen verwirklichen, noch fand sich bisher ein anderes sinnvolles Nutzungskonzept.

Dafür sieht sich die Telekom nun mit einem Problem ganz anderer Art konfrontiert. Denn plötzlich wird ihr die Rechtmäßigkeit des Eigentums an der Hakeburg streitig gemacht, und zwar von niemand geringerem als dem "Reichskanzler" der "Kommissarischen Regierung des Deutschen Reiches". Die 1985 - nach eigener Aussage auf Anweisung der amerikanischen Besatzungsmacht - gebildete Reichsregierung fühlt sich mit der Durchführung der Amtsgeschäfte für das formell nie aufgelöste Deutsche Reich betraut. Sie allein sei der legale Verwalter des sogenannten "Reichssondervermögens", also aller Vermögenswerte, die bei Kriegsende von den alliierten Siegermächten beschlagnahmt wurden und daher nicht zum Eigentum der Bundesrepublik Deutschland gehören. Dazu zählt auch die Hakeburg. Da bisher keine offizielle Rückgabe an die bundesdeutschen Behörden erfolgt ist, wird die Deutsche Telekom der unrechtmäßigen Nutzung der Liegenschaft beschuldigt und zum Verlassen derselben aufgefordert.

Und die Reichsregierung ging sogar noch einen Schritt weiter, indem sie die Hakeburg als Botschaftssitz an das "Fürstentum Sealand" verpachtete. Die kleine, im Ärmelkanal gelegene Insel "Sealand" ist eigentlich nur eine von den Briten aufgegebene Radarstation. Der darauf proklamierte Staat kämpft zwar noch immer um seine völkerrechtliche Anerkennung, das allerdings schon seit 1967. Dass der Pachtvertrag für die Hakeburg mit der Reichsregierung geschlossen wurde, hält die Regierung des Fürstentums für legitim. Wegen des noch immer verwehrten Zugangs zum Botschaftssitz wurde gegen die Deutsche Telekom Strafantrag gestellt und eine Schadensersatzforderung in dreistelliger Millionenhöhe geltend gemacht.

Sollten die Kläger Recht bekommen, so hätte das aber auch einen Effekt in ganz anderer Richtung. Denn die Hälfte der Entschädigungssumme will die "Principality of Sealand" für die Opfer der Hochwasserkatastrophe in Sachsen spenden.


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Copyright 2001 Dresden Neustadt Online * Stand: 27.01.2003