Thema: Die Benennung der Fritz-Reuter-Straße

"Uns' Fritz Reuter!"

von Hans Ruben

Ende des 19.Jahrhunderts wirkte in Dresden neben vielen anderen auch ein "Plattdeutscher Verein" mit dem bedrohlichen Namen "Schurr Murr", genannt nach einem Band Erzählungen von Fritz Reuter.
Im Verein, der jeden Freitagabend plattdeutsche Texte vortragen ließ, entzündete sich einmal nach einer begeisternden Lesung die Idee, den so bedeutenden plattdeutschen Dichter Reuter auch mit einem Straßennamen zu ehren. Der umsichtige 1. Vorsitzende Theodor Seemann wurde sofort vom Vorstand beauftragt, im Rat der Stadt einen Antrag einzureichen, damit dem Verfasser so bekannter Werke wie "Kein Hüsung", "Hanne Nüte" und eben auch "Schurr Murr" in der Stadt eine Straße gewidmet werden könne.
 
Der plattdeutsche Dichter Fritz Reuter (1810-1874)

Der Rat war überrascht und beriet lange und aufgeregt, war er doch wie so oft in ein Dilemma geraten. Schließlich musste er dem zur Diskussion stehenden, schon 1508 angelegten Bischofsweg weiter seinen Respekt zollen, andererseits aber auch dem sich in ganz Deutschland entwickelnden Interesse für die Bücher und für die literarischen Helden Fritz Reuters gerecht werden.
Da klärte endlich ein Kompromissvorschlag die missliche Lage: Der Bischofsweg sollte weiter bestehen bleiben, musste aber ein Opfer bringen und den nördlichen Teil seines Verlaufes an Fritz Reuter abtreten. So entschied dann auch der Rat und ernannte den Straßenabschnitt ab Johann-Meyer-Straße bis Großenhainer Straße zur Fritz-Reuter-Straße. Im Verein "Schurr Murr" brach Jubel aus, als Vorsitzender Seemann den Beschluss der Stadt bekannt gab. Ein alle bewegender Vereinserfolg war errungen worden! Plattdeutsch rief es im Vereinslokal "Saazer Hopfenmühle" von Tisch zu Tisch: "Uns Fritz Reuter!" und "De Rat hei llewwe hoch, hoch, hoch!" Aus dem erfreulichen Anlass schleppten die Kellner auch Mecklenburger Köhm, Rindfleisch mit Plummen (Pflaumen) und Spickaal von der Waterkant herbei.
Zum eigentlichen Helden des Abends wurde jedoch Theo Seemann gekürt - er hatte ja die Namensgebung angeregt. Nannte er sich selbst nicht auch Schriftsteller und war nicht allen bekannt, dass Fritz Reuter sein großes Vorbild war? Er strahlte an diesem Abend wohl wie ein Sieger, denn nun war es gelungen, auch hier in Dresden täglich an den begnadeten und so schwer geprüften Dichter aus Mecklenburg zu erinnern! Davon abgesehen konnte Theo Seemann mit seinen Vereinsmitgliedern aber auch überzeugend belegen, was heute noch gilt - Vereine sind eine Macht.


Mehr Informationen zur Fritz-Reuter-Straße finden Sie auch in unserer Rubrik Die Geschichte der Neustädter Straßennamen


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