Thema: UNESCO-Welterbe Kulturlandschaft "Elbtal Dresden"

Das Elbtal als Weltkulturerbe

An dieser Stelle möchten wir den Aufnahmeantrag für die Anerkennung des Dresdner Elbtales als UNESCO-Weltkulturerbe auszugsweise veröffentlichen ...

Erklärung der Bedeutung

 
Karte des Dresdner Elbtales (Ausschnitt) mit der Abgrenzung des Antragsgebietes. Download der Karte als PDF-Datei

Die Kulturlandschaft "Elbtal Dresden" ist morphologisch durch die Steilhänge der Lausitzer Platte im Nordosten der Stadt und die flache Talniederung südlich und nordwestlich der Elbe gekennzeichnet. Früheste Siedlungsspuren und Gräberfelder sind vor allem aus der Bronze- und Eisenzeit nachgewiesen. Am Herausragendsten dürften dabei drei befestigte Anlagen aus vorgeschichtlicher Zeit bei Pillnitz sein. Die archäologische Fundlandschaft mit ihren prähistorischen Objekten und den mittelalterlichen Orts- und Dorfkernen besitzt im Antragsgebiet Kulturlandschaft "Elbtal Dresden" einen fragmentarischen Charakter. Die zahlreichen Stadien der prähistorischen Kulturlandschaft nebst deren permanentem Wandel erschließen sich nicht vordergründig aus dem aktuellen Landschaftsbild. Kulturell prägend sind vielmehr die Festungsanlagen der Renaissance und die barocken Bauten der sächsischen Residenz samt den bürgerlichen Repräsentationsbauten des 19. Jahrhunderts, die weitläufigen Villenquartiere in den Vorstädten und die Tradition des stadtnahen Weinanbaus, die naturnahen Hangwälder sowie der Flusslauf mit seinen durchgängig bebauungsfreien Auewiesen.

Die Stadt Dresden ist eine Gründung des frühen Mittelalters und hatte von Anfang an auch Residenzfunktionen inne. Die wichtigsten, bis heute fortwirkenden Entwicklungsimpulse erhielten Stadt und Elbtal während der Regierungszeit der Kurfürsten Moritz (1547-1553) und Friedrich August (1694-1733). Moritz initiierte die 1546-1591 errichteten Festungsanlagen. Mit dem Erwerb der polnischen Königskrone durch Friedrich August im Jahr 1697 stieg Dresden zu einer Hauptstadt von europäischem Rang auf und wurde in den folgenden Jahrzehnten auch architektonisch mit diesem Anspruch ausgebaut. Ausgehend vom Residenzschloss und der davor gelegenen Brücke wurde v. a. die Elbseite der Altstadt mit repräsentativen Bauten geschmückt - eine Prämisse, die bis ins frühe 20. Jahrhundert beibehalten wurde. Der Fernwirkung der Stadt wurde besondere Beachtung geschenkt, und es entstand eine Silhouette von vielgepriesener Musikalität und Schönheit, die von zahlreichen Standpunkten der näheren und weiteren Umgebung zu sehen ist. Folgenreich war der Gedanke, auch die weitere Umgebung der Stadt und insbesondere den Fluss in das Konzept der barocken Residenzstadt mit einzubeziehen. Angeregt durch eine Kavalierstour nach Italien entwickelte der Kurfürst die Idee der Elbe als eines Canale Grande, an dem nach venezianischem Vorbild Paläste und Schlösser liegen und vom Fluss aus direkt zugänglich sein sollten.

War mit den Bauten des Barock die Idee des Flusses als gestalterisch-künstlerischer Bezugspunkt in ersten Zügen realisiert worden, so bauten die Architekten der Bürgerstadt des 19. und frühen 20. Jahrhunderts dieses Konzept weiter aus. Die bis dato unbebauten Weinberge der umliegenden Dörfer wurden zu den bevorzugten Wohnlagen des wohlhabenden Dresdner Bürgertums. Der allmähliche Niedergang der Winzerei und schließlich die Vernichtung der Weinstöcke durch die Reblaus 1886/87 begünstigten den Villenbau auf den Weinbergen und deren teilweise Bewaldung. Ein Teil der Weinberge an den Elbhängen bei Pillnitz konnte erhalten bzw. in den letzten Jahrzehnten wieder aufgerebt werden. Während die Stadt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stark wuchs, Massenwohnungsbau und Industrialisierung den Charakter des barocken Dresden grundlegend veränderten, waren die flussnahen Gebiete in den Vorstädten und umliegenden Dörfern größtenteils für repräsentative Villen reserviert. Die Erhaltung der Blickbeziehungen zu und von der Stadt und die Freihaltung der Elbauen von Bebauung waren dabei weitblickende städtebauliche Festlegungen, denen Dresden bis heute seine einzigartige Verbindung von Landschaftsraum und Architektur verdankt.

In der Altstadt Dresdens kamen mit der Kunstakademie und dem Kunstausstellungsgebäude auf der Brühlschen Terrasse (den ehemaligen Festungsanlagen), ferner dem Opernhaus, dem Ständehaus und dem Rathaus vom Bürgertum getragene Repräsentationsbauten zu den höfischen hinzu. Die barocke Stadtsilhouette wurde hauptsächlich durch den Turm des Rathauses, des Ständehauses und die Kuppel des Kunstausstellungsgebäudes ergänzt, wobei die Maßstäblichkeit der barocken Planung im wesentlichen erhalten blieb.

Diese langfristig aufgebauten, auf dem Residenzcharakter der Stadt beruhenden historischen Strukturen haben sich bis heute nahezu unverfälscht erhalten. Im Gegensatz zum Dresdner Stadtzentrum wurden die Außenbezirke entlang des Flusses im zweiten Weltkrieg allenfalls geringfügig zerstört und standen in den folgenden Jahrzehnten kaum unter Veränderungsdruck. Die in den westlichen Industrieländern grassierende extreme Verdichtung der Städte und die Zersiedelung der Landschaft unterblieben wegen fehlender finanzieller Mittel. Während die Altstadt nach dem Krieg teilweise modern und unter Zerstörung der historischen Stadtstruktur wiederaufgebaut wurde, konnten die wichtigsten Bauten des Barock und des 19. Jahrhunderts zunächst als Ruinen erhalten und dann wiederaufgebaut werden. Die Front der historischen Bauten an der Elbe, die den Kern und den Bezugspunkt für das gesamte Dresdner Elbtal darstellt, ist weiterhin erlebbar und setzt auch noch heute die Maßstäbe für den Umgang mit der historischen Kulturlandschaft.

Vergleich mit ähnlichen Stätten
Das Besondere der Dresdner Kulturlandschaft ist die harmonische Verbindung eines gewachsenen städtischen Lebensraumes mit der natürlichen Umgebung und einer traditionsreichen landwirtschaftlichen Kultur. Dafür gibt es kaum Vergleichsbeispiele. Florenz, mit dem Dresden seit langem verglichen wird, fehlt das Element der naturnahen Flusslandschaft im städtischen Raum. Bei der Potsdamer Kulturlandschaft und dem Dessau-Wörlitzer Gartenreich wiederum handelt es sich um flächendeckende Parkanlagen mit einzelnen Gebäudekomplexen und Schlössern. Anderen europäischen Kulturlandschaften wie der Klosterlandschaft Oberschwaben oder dem Bezirk Saint-Emilion fehlt ebenfalls das Element der städtischen Siedlungsform.


Echtheit/Vollständigkeit

Das Elbtal Dresden ist eine fortbestehende Kulturlandschaft, "die weiterhin eine eng mit der herkömmlichen Lebensweise verbundene aktive soziale Rolle in der heutigen Gesellschaft spielt und deren Entwicklungsprozess noch im Gang ist" (§ 39ii Richtlinien für die Durchführung des Übereinkommens zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt). Der Begriff der Authentizität muss demnach in seiner umfassenden Auslegung, die etwa im "Nara-Dokument" über die Echtheit 1994 dargestellt ist, gesehen werden. Zu den Aspekten der Bewertung gehören neben dem Zustand der zahlreichen Einzeldenkmale vor allem auch die Struktur des Gesamtgebietes, seine Binnenformen (z. B. Straßennetz, Bebauungsstrukturen) oder Nutzung und Funktion seiner Bestandteile.
Die Kulturlandschaft "Elbtal Dresden" ist in ihrer typischen Beschaffenheit und wesentlichen Bestandteilen original überkommen. So ist der gestalterische Zusammenhang der elbnahen, auf den Fluss bezogenen Bebauung weitgehend erhalten - dies ist sichtbar an den Blickbeziehungen der Bauten und Ensembles untereinander sowie an der Beschaffenheit und Struktur der Einzeldenkmale und Ensembles selbst. Der Wiederaufbau kriegszerstörter Bauten erfolgte unter maximaler Verwendung der Altsubstanz, auf der Grundlage von historischem Planmaterial und in originaler Technik.
Die für die Kulturlandschaft typischen unbebauten Elbauen sowie die Weinberge in ihrer teilweisen Bewaldung, teilweise weinbaulichen Bewirtschaftung und lockeren Villenbebauung sind original erhalten, in der natürlichen Beschaffenheit nicht und in der Bebauung nur unwesentlich verändert worden.


Kriterien, nach denen eine Aufnahme in die Liste vorgeschlagen wird

Im Elbtal Dresden haben sich Landschaft und Architektur in ungewöhnlich enger und harmonischer Verbindung entwickelt. Dabei ist eine Kulturlandschaft von hohem ästhetischen und künstlerischen Wert entstanden.

In der Kulturlandschaft finden sich einzigartige Zeugnisse der höfischen Bau- und Festkultur des Barock und bedeutende Beispiele der bürgerlichen Architektur des 19. Jahrhunderts. Die uralte kulturelle Tradition des Weinanbaus wird sowohl in der Ausübung des Winzerhandwerks als auch in ihren baulichen Relikten gepflegt.

Das Elbtal Dresden ist ein hervorragendes Beispiel einer durch die Landschaft gebildeten, fortbestehenden Kulturlandschaft, die v.a. im Barock und im 19. Jahrhundert von der überragenden Rolle des Flusses und seiner angrenzenden Gebiete für die Funktionen Regierungssitz, Broterwerb und Wohnen der Bevölkerung geprägt wurde und dies in ihren Strukturen und Denkmalen noch heute widerspiegelt.

Das Elbtal Dresden ist ein außergewöhnliches Beispiel für die Siedlungsform der über Jahrhunderte gewachsenen europäischen (Residenz-)Stadt, die mit den Vorstädten und den umliegenden Dörfern samt den dazugehörigen Weinbergen und Feldfluren zusammenwächst zu einer Großstadt. Innere Stadt, historische Villenquartiere, Dorfkerne sowie ehemals und aktuell noch landwirtschaftlich genutzte Flächen sind noch heute erkennbar und bilden eine unverwechselbare Abfolge innerhalb des gesamten Raumes.

Quelle: Presseamt Dresden


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