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Anziehend
organisch
Console
rockten das Dresdner Kulturzentrum Scheune
Von
Uwe Salzbrenner
Martin
Gretschmann war im Vorjahr als kauziger wie cooler Keyboarder mit
der Band The Notwist in Dresden. Diesmal gastierte er am 19. Februar
im Kulturzentrum Scheune mit seinem ursprünglichen Solo-Projekt.
Deckname: Console. Beruf: Sample-König. Islands Popstar Björk
hatte sich vor zwei Jahren in eines seiner instrumentalen Stücke
verliebt. Es würde vermutlich genügen, wenn er seinen
tragbaren Computer aufklappt und das Zirpen von Grillen hervor holt
und Orgeltöne und böllernden Bass. Doch live musiziert
er gern mit Freunden, mit Axel Fischer an der Gitarre, Michael Schwaiger
am Bass und Christoph Brandner am Schlagzeug.
Es erzählt viel über den Zauber des Projekts, wenn Sängerin
Miriam Osterrieder zu Beginn des Konzerts in Your God Eats
Me! simple Zahlen wie eine Liebeserklärung vorträgt.
Anton Kaun, der gar keine Musik macht, ließ dazu Videoschnipsel
wackeln. Nach einem bis zum Bossa Nova ausschweifenden Instrumental
führten Console vor, wie staubtrockene elektronische Musik
überzeugend einen Saal rocken kann. Zumindest in der Vorstellung.
Denn die Scheune war ausverkauft und zum Tanzen kein Platz. Ich
hüpfte in mir selbst, diese Musik ist so - froh. So persönlich.
So anziehend organisch.
Kein Wunder, wenn sie sich in den Körper schreibt und es keinen
Unterschied macht, ob Osterrieder durch den Vocoder singt oder später
der Computer im Disko-Hit 14 Zero Zero. Den kompakten
Block beschloss ein imitierter DJ-Set. Souverän, wie danach
im kargen Pop von The Times Are Not A-Changing der vertrackte
Rhythmus verschwand und das Stück ganz geradeaus von neuem
anschob und dahinter es warm schnurrte und webte. Mit dem gefeierten
Freiburg, einem Tocotronic-Remix, kehrten Console in
den Zugaben zum bretternden Rock zurück. Da war sogar, man
kennt die Alchemie eines dunklen Saales, die Chance zum Bewegen.
Gefreut haben sich anscheinend alle.
Foto:
www.laut.de
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